Altstadt Güstrow : Eher Handwerker als Mönche

Holger Fries (r.) steht an der obere Feldsteinreihe, die das Fundament für ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert markiert. Christoph Gneckow legt eine Pflasterung aus der Erstbebauung an der Armesünderstraße im 16./17. Jahrhundert frei.
Holger Fries (r.) steht an der obere Feldsteinreihe, die das Fundament für ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert markiert. Christoph Gneckow legt eine Pflasterung aus der Erstbebauung an der Armesünderstraße im 16./17. Jahrhundert frei.

Grabungsteam erschließt zweites Baufeld am Güstrower Klosterhof - Reste urkundlich belegter Bauten bisher nicht entdeckt.

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28. September 2017, 05:00 Uhr

Ein kleiner Keller – die Innenwände sind mit Kalk verputzt – beherbergte einst Vorräte. Mehrere verschiedenfarbige Schichten mit Feldsteinen darauf markieren die Grenzen einer früheren Bebauung. Am Klosterhof in der Güstrower Altstadt erschließt das Grabungsteam um den Archäologen Dr. Holger Fries das zweite von vier Baufeldern an der Armesünderstraße. „Wir stoßen hier auf Reste der Erstbebauung aus dem 16./17. Jahrhundert“, berichtet Fries. Feldsteinfundamente und eine Pflasterung treten zu Tage. Darüber finden sich Reste der Bebauung aus dem 19. Jahrhundert.


Mittelalterliche Metallproduktion


Von einer Synagoge, Heiligblutkapelle, Klosterkirche, Klosterfriedhof, Brauerei oder von Vorratsgebäuden – alles urkundlich belegte Bauten und Nutzungen – ist noch nichts zu sehen. Es bleibt die Spannung, welche dieser historischen Fakten belegt werden können. „Wir arbeiten im Ausschlussverfahren. Vielleicht finden wir etwas im Bereich näher zum Klosterhof“, sagt Fries und verweist auf zwei weitere Baufelder, die das Grabungsteam auf dem Klosterhofgelände zwischen Pferdemarkt und Armesünderstraße noch erschließen wird, bevor die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) hier Wohnhäuser errichten und das historische Gebäude Pferdemarkt 45 sanieren will.

Was man bisher fand deute eher auf ein Handwerkerviertel hin. „Wir können hier einen Nachweis für eine mittelalterliche Metallproduktion liefern“, sagt Fries und verweist auf Metallreste, Gusseisen und Schlacke. Das passe insgesamt zu den Befunden auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo es vor Jahren Grabungen gegeben hatte, bevor der Sonnenhof erbaut wurde. Von dort sei auch das Bauverfahren mit der Pflasterschicht bekannt. Sie markiert keineswegs eine Straße, sondern sollte den mit Sand und Torf nicht eben idealen Baugrund festigen. „Darüber kam eine Lehmschicht als Hydrauliksperre“, erklärt Fries.

Der Archäologe spricht von einem regelrechten Bauprogramm im 16./17. Jahrhundert in Güstrow. An der Armesünderstraße hätten die Häuser längs zur Straße gestanden. Das belegen die Funde, die damit das Vogelschaubild Güstrows von 1706 (ein Kupferstich) bestätigen. „Dieser so genannte Thomasplan ist ziemlich zuverlässig“, so der Archäologe.

Bisher habe man auf den beiden Baufeldern kaum die üblichen Kleinteile – vorzugsweise Scherben und Münzen – gefunden. Das mag darauf hindeuten, dass hier arme Leute wohnten. Ergiebig zeigte sich lediglich der Inhalt einer zugeschütteten Latrine. Fries berichtet von allerlei Fundstücken aus dem 18. Jahrhundert, u.a. Flaschen und Fayencen aus England. Die Sachen werden gerade im Landesamt in Stralsund begutachtet. Dort setze man die englischen Teller wieder zusammen. Fries: „Unsere Arbeit ist also nicht nur von lokaler Bedeutung, sondern auch überregional für die Forschung von Wert.“

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