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Güstrower Anzeiger

23. August 2017 | 00:18 Uhr

EHEC: Kliniken geht das Blut aus

vom

Rostock | Am Uniklinikum Rostock werden wegen der EHEC-Epidemie die Blutreserven knapp. Derzeit werden dort 25 infizierte Patienten betreut, darunter auch mehrere Kinder. Allein die Behandlung eines Erwachsenen verschlingt drei Liter Blut am Tag. Um diese Mengen aufzubringen, wird unter anderem Plasma aus Vollblutspenden benötigt. "Die Vorräte der Kliniken gehen langsam zur Neige", sagt Professor Volker Kiefel, Direktor der Klinik für Transfusionsmedizin. "Wir sind derzeit dabei, Plasma aus anderen Regionen zu beschaffen."

Daher ruft die Uniklinik dringend zu Spenden auf. Die Aufforderung richtet sich insbesondere an diejenigen, deren vergangene Spende zwischen vier und sechs Monate zurückliegt. Denn Plasma muss mindestens vier Monate in Quarantäne gelagert werden. Es darf erst freigegeben werden, wenn der Blutspender erneut gespendet hat. Nur dann kann den Betroffenen Blutplasma entnommen und durch das von Spendern ersetzt werden. Derzeit benötigt das Klinikum aber hauptsächlich Vollblutspenden. Die kommen den betroffenen Patienten direkt zugute.

Schwestern, Pfleger und Ärzte des Uniklinikums arbeiten momentan an der Grenze der Belastbarkeit. Die Versorgung der Patienten laufe jedoch reibungslos, erklärt Professor Emil C. Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten. Die 25 EHEC-Patienten werden an der Infektionsstation, der Intensivstation und der Universitätskinderklinik behandelt. Die besonders schwer erkrankten unter ihnen erhalten eine Plasmapherese oder werden dialysiert.

Auch das Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene arbeitet derzeit auf Hochtouren. "Wir haben alle Kräfte im Einsatz, um dem vermehrten Ansturm von Analysen gewachsen zu sein", sagt Professor Andreas Podbielski, Direktor des Instituts. Seine Einrichtung habe rechtzeitig vorgesorgt und sich mit Tests für den Nachweis des EHEC-Keims ausgestattet. Allerdings drohe nun ein Engpass für den Toxinnachweis seitens des Herstellers.

In ganz MV waren gestern 144 Menschen mit dem EHEC-Erreger infiziert. 115 von ihnen werden im Krankenhaus behandelt, 37 haben das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS). Das ist eine Komplikation, bei der akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und Mangel an Blutplättchen auftreten. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales weist darauf hin, dass bei Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen, wässrig-blutigem Durchfall und heftigen Bauchschmerzen unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden sollte. Gegenüber Kleinkindern und immungeschwächten Personen sei auf sehr strikte Hygiene zu achten. Besonderes Augenmerk gelte dabei der Küche und dem Händewaschen.

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erstellt am 09.Jun.2011 | 06:32 Uhr

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