Raumschiessanlage in Güstrow : Echte Waffen und echte Munition

BBL-Pressesprecher Christian Hoffmann (links) und Projektleiter Frank Meyer vom Geschäftsbereich Neubrandenburg studieren Pläne der Technikzentrale. Sie ist das Herzstück der Anlage.
BBL-Pressesprecher Christian Hoffmann (links) und Projektleiter Frank Meyer vom Geschäftsbereich Neubrandenburg studieren Pläne der Technikzentrale. Sie ist das Herzstück der Anlage.

Modernste Raumschießanlage Norddeutschlands in Güstrow steht nach Verzögerungen jetzt kurz vor der Fertigstellung.

svz.de von
30. August 2016, 08:00 Uhr

Die Raumschießanlage (RSA), die auf dem Gelände der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow entsteht, befindet sich auf der Zielgerade. Bis Mitte September haben die Handwerker noch zu tun, dann beginnt ein dreimonatiger Probebetrieb. Ist der beendet und sind alle dabei auftretenden Mängel beseitigt, übergibt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) Mecklenburg-Vorpommern, der die modernste Anlage dieser Art Norddeutschlands im Auftrag des Innenministeriums errichtet, das Objekt an die Fachhochschule.

Ursprünglich war die Übergabe schon auf den April terminiert (SVZ berichtete). Doch einerseits gab es bauliche Verzögerungen durch die zuständige Spezialfirma, ist aus dem BBL zu erfahren. Andererseits sollen im April die technischen Kräfte zur Betreibung der Anlage noch nicht aufgestellt gewesen sein.

Fast fertig gestellt ist inzwischen die 25-Meter-Bahn mit vier Schützenständen. Vom Regieraum aus können verschiedene Lichtstimmungen für das Schießen geschaffen werden. Eine Spezialauskleidung der Wände verhindert den Rückprall der Geschosse. Über an der Decke angebrachte Beamer ist es möglich, Videos auf die Leinwand zu projizieren und damit Echtszenarien zu erzeugen.

„Wir schießen in der Anlage mit echten Waffen und echter Munition. Da kommt der Entlüftung eine besondere Bedeutung zu“, erläutert Projektleiter Frank Meyer. Die Anlage ist in der Lage, zirka 70  000 Kubikmeter Luft in einer Stunde umzuwälzen. Die Projektile werden in Spezialsand aufgefangen. „Für die Schießbahn und die benachbarte 180-Grad-Schießanlage brauchen wir knapp 800 Kubikmeter Spezialsand. Der muss von Zeit zu Zeit abgesaugt, gereinigt und wieder aufgefüllt werden. Über eine Sprinkleranlage muss der Sand feucht gehalten werden, damit er nicht nachrutscht“, erläutert Meyer.

Der Projektleiter ist besonders stolz auf die 180-Grad-Schießanlage. Sie kommt ohne hinderliche Säulen oder Pfeiler aus. „Da haben die Architekten und Statiker eine Meisterleistung vollbracht. Wir haben uns vor Baubeginn verschiedene Anlagen angesehen. In keiner wurde auf Stützpfeiler verzichtet“, erzählt Meyer. In dem 12,5 mal 12,5 Meter großen Areal ist es möglich, realistische Szenen zu erzeugen. „Der Polizist wähnt sich mitten drin im Geschehen. Dazu werden die Szenen mit Geräuschen unterlegt“, beschreibt BBL-Pressesprecher Christian Hoffmann.

Die Kosten für die Anlage, zirka 6,4 Millionen Euro, blieben im vorgegebenen Rahmen. „Ursprünglich war die Zahl von 5,4 Millionen veröffentlicht worden. Darin nicht enthalten sind die Anforderungen, die laut Schießstandrichtlinien zu erfüllen sind. Sie einzuhalten, macht in etwa eine Million Euro aus“, sagt Hoffmann.

Mit der Raumschießanlage werden sich die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Polizisten an der Güstrower Fachhochschule wesentlich verbessern.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen