Frauenhaus Güstrow in Not : „Druck auf allen Ebenen aufbauen“

In Gesprächen mit von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen geben Karin Wien und ihre Mitarbeiterinnen im Güstrower Frauenschutzhaus Hilfe in der Not.
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In Gesprächen mit von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen geben Karin Wien und ihre Mitarbeiterinnen im Güstrower Frauenschutzhaus Hilfe in der Not.

Sozialausschuss des Landkreises fordert Unterstützung für Frauenhaus.

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01. Februar 2018, 21:00 Uhr

Das Güstrower Frauenschutzhaus in finanzieller Not: Nach dem politischen Bekenntnis in der Barlachstadt – gestern Abend diskutierte der Hauptausschuss – regen sich auch im Landkreis Stimmen zur Unterstützung. Erstes Gremium, das sich der Nöte annahm, ist der Ausschuss für Familie, Senioren, Soziales und Gesundheit. Dessen Mitglieder, anwesende Verwaltungsmitarbeiter eingeschlossen, zeigten sich beeindruckt von einem Bericht, den die Leiterin des Frauenhauses, Karin Wien, gab. Und besorgt.

60 Wochenarbeitsstunden, führte Wien aus, seien für sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen nicht ungewöhnlich. An 365 Tagen im Jahr sicherten die drei Frauen rund um die Uhr die Nothilfebereitschaft ab – nach dem Feierabend. Und wenn nachts um drei ein Anruf einkommt, man raus müsse, um einer Frau und ihren Kindern aus häuslicher Gewalt zu helfen, müsse ein Termin, der etwa um 8 Uhr ansteht, trotzdem eingehalten werden. „Gar nicht“, antwortete Wien auf Nachfrage, wie das mit dem Arbeitszeitgesetz vereinbar sei. Bei drei Mitarbeiterinnen sei es auch gar nicht möglich, Überstunden abzubauen.

In offensichtlich krassem Gegensatz dazu steht die Entlohnung der drei Angestellten des Vereins Arche e.V., Träger des Schutzhauses und Arbeitgeber für dessen Mitarbeiterinnen. Das sei historisch so gewachsen, erläuterte Karin Wien, nachdem sich der Verein mit Beginn des Jahres 1992 der Problematik Frauenschutz angenommen habe. Zunächst als ABM gestartet, hangelten sich die Beschäftigten durch immer wieder neue Förderprogramme, bis schließlich seit 14 Jahren die Gehälter, eingefroren auf dem Stand des damaligen BAT Ost, stehen geblieben sind.

Finanziert wird das Schutzhaus durch das Land, den Landkreis und die Stadt Güstrow, hinzu kommen eigenerwirtschaftete Mittel des Vereins, Spenden und kleine Beträge aus Bützow und Teterow. An irgendeinen Tarif sei der Verein nicht angekoppelt. Würde man den aktuellen Tarif im öffentlichen Dienst zugrunde legen, dann klaffte ein Defizit von 61 000 Euro im Etat des Hauses, rechnete die Leiterin vor (SVZ berichtete). Karin Wien: „Unser Haus braucht aber hochqualifizierte und hochmotivierte Mitarbeiter, die ihr Handwerk verstehen. Unser Wunsch wäre es, auch die Gehälter entsprechend anzugleichen.“

Dabei spricht Karin Wien am allerwenigsten für sich persönlich; sie geht am Jahresende in den Ruhestand. Doch spätestens dann werde auf das Haus ein Riesenproblem zukommen. Wien weiß: Für das Geld, das aktuell gezahlt wird, werde sich für diese aufopferungsvolle, qualifizierte Sozialarbeit niemand finden lassen.

Die Fachausschüsse der Stadt Güstrow haben bereits eine weitere Unterstützung von 20 000 Euro jährlich signalisiert. Am 15. Februar in der Stadtvertretung liegt der Beschlussantrag vor. Das Land indes will für das Güstrower Haus keine zusätzliche Unterstützung geben. Sozialministerin Drese (Bad Doberan/SPD) lehnte mit Verweis auf eine Mittelaufstockung für die anderen acht Frauenschutzhäuser im Land ab. Anja Kerl, Sozialdezernentin im Landkreis: „Wir müssen Druck von allen Seiten aufbauen. Nicht dass Stadt und Kreis helfen, und das Land sich heraushält.“ Als Problem sieht Kerl den Landes-Doppelhaushalt: Der sei für 2018/19 durch, Hilfe aus Schwerin also frühestens 2020 wieder zu erwarten. „Wir brauchen die Hilfe aber jetzt“, beklagt die Kreistagsabgeordnete Susanne Krone (Die Linke/Laage) im Sozialausschuss. Und: „Wenn wir nicht helfen, und zwar dauerhaft und dynamisiert, werden wir viel mehr Probleme bekommen.“

Verständnis im Sozialausschuss: Es gehe also um 41 000 Euro. „Das Geld ist ja da“, denkt Uwe Burkhardt, stellvertretender Ausschussvorsitzender, an ganz Deutschland. Seiner SPD-Parteifreundin Stefanie Drese wolle er bei einem Treff am Montag ins Gewissen reden. Bereits heute erwarte man die Ministerin wohl auch zur Eröffnung des neuen Pflegestützpunktes in Bad Doberan, bemerkte Dezernentin Kerl. Devise: Druck aufbauen.

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