Airport Rostock-Laage : Drohnen: Spielzeug und Gefahren

Boomender Ausstellungszweig auf der Berliner Airshow: Drohnen aller Größen und vielfältigster Zweckbestimmungen
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Boomender Ausstellungszweig auf der Berliner Airshow: Drohnen aller Größen und vielfältigster Zweckbestimmungen

Nach ersten Vorkommnissen fordert Vereinigung Cockpit klare Regeln für Umgang mit unbemannten Kleinsthelikoptern.

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11. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sie entwickeln sich von einem exotischen Arbeitsgerät und Spielzeug zu einem Massenphänomen: Unmanned Aerial Vehicle, kurz UAV, oder im allgemeinen Sprachgebrauch einfach nur Drohnen genannt. Inzwischen in den Regalen einschlägiger Großmärkte für relativ wenig Geld zu erstehen, könnte am tragbaren Fernsteuerpult praktisch jedermann „Pilot“ solch eines Mini-Helikopters werden. Dass es dabei keineswegs nur spielerisch zugeht, zeigen – bisher zum Glück nur gelegentliche – Zwischenfälle mit Gefahr für den bemannten Luftverkehr.

So sichtete am 14. Mai der Pilot eines Sportflugzeuges beim Anflug auf den Airport Rostock-Laage auf seiner Flughöhe eine nur wenige hundert Meter entfernte Drohne. Vermutlich nahe Dolgen am See gestartet, habe sie in diesem Fall keine Gefährdung für den Piloten und seine Passagiere dargestellt, hieß es. Dennoch hat die Kriminalpolizei wegen des Verdachts eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ermittelt.


„Denn sie wissen oft nicht, was sie tun“


Der Pilotenvereinigung Cockpit war auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin vergangene Woche die rasante Zunahme von Drohnenbesitzern eine Pressekonferenz speziell zu diesem Thema wert. Pressesprecher Markus Wahl: „Viele, die sich solch ein Ding kaufen, wissen gar nicht, was sie tun!“ Die Folgen eines möglichen Zusammenstoßes einer Drohne mit einem bemannten Luftfahrzeug würden völlig unterschätzt. „Eine Kollision kann für Verkehrsflugzeuge und vor allem für Helikopter fatale Folgen haben“, erklärte der Boeing-777-Pilot. Private Nutzer wären häufig nicht sensibilisiert, dass sie ihr Fluggerät im Luftraum bewegten – mit dessen Regeln sie zumeist nicht vertraut sind. Wahls Erfahrung: „Das Bewusstsein für potenzielle Gefahren fehlt.“

Denn aus Cockpit-Sicht sei die Gesetzgebung zum Bau und den Betrieb von RPAS (die internationale Luftfahrt spricht auch von Remotely Piloted Aircraft Systems) noch nicht so weit gediehen, dass man von einem sicheren Betrieb ausgehen könne. Die Pilotenvereinigung stellt deshalb Forderungen an den Gesetzgeber auf. So sollte der Verkauf von Drohnen verpflichtend mit „Beipackzetteln“ verbunden sein, damit sich jeder Käufer über Gefahren und Regeln aufklären kann. Der Betrieb dürfe nur in Sichtweite des Piloten erfolgen. Räumliche Betriebsbeschränkungen – etwa rund um Flugplätzen, Gefängnissen oder Kraftwerken – müssten am sichersten automatisch durch die Drohne autonom erkannt werden. Drohnen sollten optisch besser sichtbar gestaltet sein. Für den Fall eines Unfalls solle eine Versicherungs- und Markierungspflicht bestehen. Und: Seine Ausweichpflicht müsse jedem unbemannten Flugkörperpiloten klar sein. Alexander Rüter, RPAS-Experte bei Cockpit: „Drohnen dürfen das Sicherheitsniveau der Luftfahrt nicht senken – dann darf jeder seinen Spaß daran haben.“

Wie hoch das Tempo in der Branche ist, obwohl es bisher weder Bau- noch Zulassungsvorschriften, keine Mindeststandards oder gar Lizenzen für Drohnen-Piloten gebe, zeigt eine kleine Statistik des Schweriner Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung. Demnach schnellte von 61 erteilten Allgemeinerlaubnissen zum Aufstieg von UAV im Jahr 2013 die Zulassungszahl über 108 (2014) auf 241 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr erteilte das Pegel-Ministerium, das auch oberste Luftfahrtbehörde in Mecklenburg-Vorpommern ist, bereits 109 solcher zwei Jahre lang geltenden Aufstiegserlaubnisse. Hinzu kommen Einzelgenehmigungen im jährlich zweistelligen Bereich.


Mit Drohnen fliegen viele Tücken mit


Dabei beschreibt das Ministerium eine Genehmigungspflicht in M-V für die Nutzung von Drohnen mit drei Definitionen: Drohnen mit Verbrennungsmotoren und Drohnen ab 5 Kilogramm Abfluggewicht sowie generell Drohnen zu anderen als sportlich-freizeitlichen Zwecken. Heißt auch: Jegliche Art gewerblicher Zweckbestimmung benötige eine Genehmigung. Dies wiederum stellt bei Unwissenheit vielfach eine weitere Tücke dar, ist doch die Palette gewerblicher Nutzung sehr weit fassbar. Hinzu kommen zu beachtende allgemeine Regeln und Gefährdungspotenziale: Etwa dürften Menschenmengen nicht überflogen werden, müssten Persönlichkeitsrechte z.B. beim Fotografieren und Filmen – ein besonders beliebter „Spaß“ von Drohnenpiloten – beachtet werden und vieles mehr. „Die in der Diskussion befindliche Aufhebung der Unterscheidung von gewerblicher und privater Nutzung von Drohnen wird daher grundsätzlich von Seiten des Infrastrukturministeriums begrüßt“, lässt Sprecherin Juliane Schultz mitteilen.

Zudem verheißt auch die von der Behörde angegebene erlaubte Maximalflughöhe von 100 Metern nicht automatisch Sicherheit für die allgemeine Luftfahrt. Gerade im niedrigen Höhenbereich operieren z.B. Rettungs- und Polizeihubschrauber. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis: Die kinetische Energie einer fliegenden Mikrodrohne von nur 170 Gramm hätte beim Aufprall auf einen Hubschrauber im Reiseflug oder auf ein Passagierflugzeug im Landeanflug katastrophale Folgen. Von einem „Regulierungswahn“ könne also nicht die Rede sein angesichts der „superschnell wachsenden Branche“ und der damit verbundenen Gefahren, sagt Cockpit-Experte Rüter.

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