Güstrow : Drohne sucht unterirdische Rohrschäden

Drohnenpilot Norman Scherke und Geschäftsführer Mario Langschwager beim Start.
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Drohnenpilot Norman Scherke und Geschäftsführer Mario Langschwager beim Start.

Mit Infrarotkamera suchte eine High-Tech-Drohne im Auftrag der Stadtwerke nach Wasserschäden – und kämpfte selbst mit dem Regen.

svz.de von
11. Januar 2018, 21:00 Uhr

Endlich zeigt sich eine Lücke auf der Wetterkarte. Es muss schnell gehen. Bereits den ganzen Vormittag regnet es. Norman Scherke von der Firma Branding Energy und sein Chef Mario Langschwager schnappen sich die „Wespe“, verpacken sie im Wagen und fahren vom Gelände des Blockheizkraftwerks Nord im Hengstkoppelweg Güstrow.

Die schwarze „Wespe“ ist eine Spezialdrohne und fast so viel Wert, wie das Fahrzeug in dem sie liegt. Und sie ist ein Sensibelchen. Zu viel Regen schadet den Rotoren. Dabei soll das Gerät heute selbst nach Wasser suchen. Langschwager und Scherke sind im Auftrag der Stadtwerke Güstrow unterwegs, um nach Schäden an Fernwärmeleitungen zu suchen. Ungefähr zehn Kilometer stehen auf dem Plan. Ein typischer Termin für die Dresdener Firma, deren Aufträge meistens aus Ostdeutschland kommen. Überall in den neuen Ländern liegen noch alte DDR-Rohre unter der Erde, die anfällig für Lecks sind. Das Fluggerät ist mit zwei Kameras ausgestattet, eine für den Piloten und eine für die Wärmebilder. Mithilfe der Infrarot-Kamera sind Scherke und Langschwager in der Lage, austretendes Warmwasser anhand der Temperaturunterschiede aus der Luft zu orten.

Wegen des Wetters stehen die beiden Drohnenpiloten unter Zeitdruck. Der Regen ist mittlerweile in leichten Niesel übergangen. Das Drohnenmobil hält im Ebereschenweg. Langschwager holt die „Wespe“ aus dem Kofferraum und setzt sie auf die Straße. Jetzt könnte es losgehen, doch Drohnen sind ein empfindliches Thema in der Bevölkerung. Eine Anwohnerin ruft aus ihrer Haustür: „Was soll das hier? Ich will ihre Genehmigung sehen!“ Chef Langschwager reagiert gelassen, zückt einen Ordner mit Genehmigungen des Luftfahrt-Bundesamtes und der Stadt. Aus Wut wird schnell Neugier. Spätestens nachdem die Güstrowerin sich die Drohne und den Bildschirm anschauen darf, ist sie beruhigt.

Drohnenflug spart Zeit und Arbeitskraft

Jetzt kann es losgehen. Fast. Die Drohne hebt nicht ab. Pilot Scherke schiebt den Hebel auf seiner Fernbedienung nach oben, doch die Wespe streikt. Schuld ist die intelligente Batterie. Sie hat Sensoren, die melden, dass ihr zu kalt ist und keine Leistung erbringen kann. Langschwager wechselt zweimal den Akku. Endlich surren die Rotoren wie eine kleine Säge und die Drohne schießt in den Himmel. Während Scherke das Luftfahrzeug steuert, behält sein Chef die Wärmebilder im Blick. Auf dem orangen Bildschirm zeichnen sich die Leitungen als weiße Linien ab.

Der Drohneneinsatz erspart den Stadtwerken viel Zeit. Zumindest bei der vorsorglichen Kontrolle ihres Netzes. Mitarbeiter müssten sonst die Rohre ablaufen, einzelne Abschnitte unter Druck setzen und abwarten, ob ein Druckabfall durch austretendes Wasser sichtbar wird. Die Drohne erübrigt diesen Aufwand. Doch die Technik hat ihre Tücken. Die Infrarot-Kamera verträgt keine Sonne und benötigt Temperaturen unter 10 Grad, weil sonst keine Wärmeunterschiede erkennbar werden. Heute ist es jedoch der Regen. In einem Waldgebiet zwischen Sportschule und Berufsschule sollte der letzte Flug stattfinden, doch Langschwager muss den Einsatz vorzeitig beenden.

Trotz des Regens hat das Duo heute einige Kilometer geschafft. Offensichtliche Lecks haben sie nicht gefunden, die Aufnahmen werden später in Dresden noch einmal gründlich ausgewertet. Und auch die sensible „Wespe“ überlebte unbeschadet den Regen.

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