Tellow : Drohendes Aus wohl vom Tisch

Die Thünen-Kreise im Museum symbolisieren einen Leitgedanken des internationalen Thünenzentrums, das sich im Hauptgebäude der Anlage befindet. Das Zentrum informiert über die internationale Thünenforschung. Die Kreise verbinden die Kontinente, denn Thünen war Musterlandwirt, Wissenschaftler und Sozialökonom.
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Die Thünen-Kreise im Museum symbolisieren einen Leitgedanken des internationalen Thünenzentrums, das sich im Hauptgebäude der Anlage befindet. Das Zentrum informiert über die internationale Thünenforschung. Die Kreise verbinden die Kontinente, denn Thünen war Musterlandwirt, Wissenschaftler und Sozialökonom.

Finanzielle Turbulenzen zum Jahresende im Thünengut Tellow - Montag soll neuer Gesellschafter für Neuanfang ins Boot geholt werden.

svz.de von
06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ein Aus für das Tellower Thünen-Ensemble, das vor dem Jahreswechsel im Gespräch war – nur das Museum sollte noch weiter betrieben werden – ist wohl vom Tisch. Grund für die Diskussion war und ist die schwierige finanzielle Situation der Thünengut gGmbH, Pächter des Areals, das Eigentum des Landkreises ist. Das Thünenmuseum Tellow und die Gutsanlage mit ihren neun Gebäuden stehen damit vor einem Neuanfang. Das erklären der Landkreis, das Thünengut bzw. sein Förderverein als bisheriger alleiniger Gesellschafter. Museumsdirektorin Angela Ziegler reiht sich in die Diskussion um die Zukunft mit der Forderung ein, das Museum und den Gesamtkomplex nicht nur weiter zu erhalten sondern auszubauen. Richten soll es ein zweiter Gesellschafter. Montag ist ein Notartermin vereinbart.


Ziel: Gesamtkomplex erhalten und ausbauen

Hartmut Grosse, Vorsitzender des Fördervereins, räumt die finanziellen Probleme ein. Die seien aber nicht neu, so Grosse (SVZ berichtete). Der beziffert die Jahresmittel auf bis zu 150 000 Euro. Der Landkreis steuert jährlich 35 000 Euro, die Hälfte von einst 70 000 Euro, bei. Der Kreistag halbierte die Summe. Der Landtag beschloss im November, das Museum 2018 und 2019 mit je 50 000 Euro zu unterstützen. Um für die Bewirtschaftung des Museums und der neun Gebäude eine wirtschaftliche Grundlage zu schaffen sei vor 20 Jahren die gemeinnützige Thünengut GmbH gegründet worden, erinnert Grosse. Das Gut betreibt das Museum und verdient mit Landwirtschaft auf 300 Hektar und mit Veranstaltungen wie Schlachtetag oder Dörpwihnacht Geld für das Ensemble. Trotzdem reiche das nicht, zumal gute Erträge durch das Wetter in den vergangenen zwei Jahren ausblieben, sagt Grosse. Er räumt aber auch ein, dass Fehler, wenn sie in der Arbeit im Gut gemacht worden seien, behoben würden.

Ungewisse Zeit der Arbeitslosigkeit

Zum Jahreswechsel spitzte sich die Lage zu. Die GmbH schickte alle Mitarbeiter in eine dieses Mal ungewisse Zeit der Arbeitslosigkeit. Zur Erinnerung: Bisher waren die Mitarbeiter immer über den Winter gekündigt, aber zum Frühjahr wieder eingestellt worden. Nach Informationen aus dem Förderverein erreichte das Gut außerdem ein Schreiben des Landkreises, in dem die GmbH aufgefordert wurde, bis zum 31. Dezember alle Gebäude, außer dem Museum, zu räumen. Das wurde laut Grosse nach Gesprächen zwischen Landkreis, Gut und Verein inzwischen zurückgenommen. Hartmut Grosse ist daher jetzt guten Mutes, dass mit dem neuen Gesellschafter und nach weiteren Gesprächen mit dem Landkreis das Thünen-Ensemble erhalten, aber auch, besonders das Museum, ausgebaut und neu gestaltet werden kann.

Der Landkreises bestätigt die schwierige finanzielle Situation des Thünengutes. „Ursächlich verantwortlich sind Verluste aus verschiedenen Geschäftsfeldern der gGmbH“, formuliert auf SVZ-Nachfrage Katja Berger. Gleichzeitig bekräftigt sie, dass das „Ziel aller Verantwortlichen ist, die Gutshofanlage zu erhalten, den Museumsbetrieb sicherzustellen sowie das Erbe von Thünen zu erhalten und zu pflegen“.


Landkreis gibt Geld nur für das Museum

Der Landkreis müsse, so Berger, jedoch darauf achten, dass die finanzielle Unterstützung ausschließlich für den Museumsbetrieb bereit stehe und dass ein Ausgleich defizitärer Geschäftsfelder in der gGmbH nicht Förderziel und rechtlich nicht zulässig sei. Berger: „Seit Mai 2017 sind daher der Landkreis und das Land mit den Verantwortlichen in Tellow im Gespräch, um Wege aus der Krise zu finden. Die nachgefragte einvernehmliche Kündigung des Pachtvertrages war nur eine Option, über die diskutiert wurde. Das Prüfen aller Optionen galt immer dem Ziel Sicherung des Museumsbetriebes und Erhalt der Gutshofanlage.“ Katja Berger bestätigt, dass Tellows Verantwortliche mit einem Landwirt verhandeln, der helfen will.

Was sich hier trocken und sachlich liest, sorgte bei Mitarbeitern und Thünen-Freunden für große Emotionen sowie Tränen und Trauer über eine ungewisse Zukunft. Die Mitarbeiter verabschiedeten sich am 21. Dezember auf der Homepage des Thünenmuseums nach der traditionellen Dörpwihnacht, bei der sie sich, obwohl sie schon wussten, dass sie entlassen werden, nichts anmerken ließen, mit bewegenden Worten, aber auch mit diesem Vorsatz: „Wir kämpfen weiter für ein Thünen-Museum Tellow, das fest verwurzelt an diesem Standort bleibt, das Gäste aus Nah und Fern anzieht, die etwas über Thünen und seine geliebte Wahlheimat Tellow erfahren möchten und die sich hier bei uns auf dem Thünengut als Museumsbesucher oder Gast einer Veranstaltung wohlfühlen.“ Das sind auch Aussagen, die Direktorin Angela Ziegler unterschreibt.



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