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Flüchtlinge erzählen : Drei Menschen – ein Schicksal

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Flucht und Hoffnung verbinden Khaled Mohamednur (27) aus Eritrea und die Brüder Ayham (18) und Nour Saeed (27) aus Syrien

von
erstellt am 10.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Interessiert lauschen die Gäste den Erlebnissen von Khaled Mohamednur und den Brüdern Ayham und Nour Saeed in dem kleinen Seminarraum in der Güstrower Volkshochschule. Senta Schmatzberger vom Güstrow Bündnis für Toleranz und Weltoffenheit hatte zu der kleinen Runde im Rahmen der Interkulturellen Woche eingeladen und konnte die drei in Güstrow lebenden Flüchtlinge erwärmen, etwas von ihrer Flucht und der Ankunft in Deutschland zu berichten.


Fünf Jahre Flucht und viele Wünsche


Fünf Jahre war der 27-jährige Khaled Mohamednur aus Eritrea auf der Flucht. In der intimen Gesprächsrunde erzählt der junge Mann auch die Gründe für seinen Fortgang aus der Heimat. „Besonders die politischen Probleme sind in Eritrea groß. Es gibt keine Meinungs- oder Pressefreiheit – darum verlassen viele das Land“, sagt Khaled Mohamednur und fügt hinzu: „Für junge Männer ist es besonders schlimm. Jeder muss ins Militär – ohne Ausnahme.“ Auch Khaled diente eineinhalb Jahre. Einen legalen Weg das Land zu verlassen habe es nicht gegeben. 2009 verließ Khaled – damals knapp 21 Jahre alt – seine Heimat. Allein. Sein Vater und seine beiden Schwestern sind geblieben. „Ihnen geht es gut. Mit meinem Vater habe ich regelmäßig Kontakt und meine Schwestern haben nun eigene Familien“, sagt Khaled, der aus der Kleinstadt Ghinda stammt.

Zwölf Tage lief der Eritreer, der in seiner Heimat als Arabischlehrer arbeitete, zu Fuß in den Sudan, wo er zunächst vier Jahre illegal blieb. Als es dort zu unsicher wurde, brach Khaled nach Libyen auf. „Sechs Tage war ich unterwegs. Zusammengepfercht mit 25 Leuten in einem Geländewagen durch die Wüste“, erinnert sich der junge Mann. Es gab wenig Wasser – einige haben die Fahrt nicht überlebt, so Khaled. Von Libyen ging es für den Eritreer nach Italien und von dort aus mit dem Zug über die Schweiz nach Deutschland. „Über Deutschland habe ich schon viel in der Schule gelernt – ich mochte das Land schon, bevor ich es kannte“, sagt der heute 27-Jährige.

In Güstrow ist Khaled Mohamednur inzwischen seit einem Jahr – noch wartet er hier auf die Entscheidung über seinen Asylantrag. „Ich lebe im Heim in der Südstadt gemeinsam mit fünf anderen. Wir teilen uns ein Bad und eine Küche“, erzählt Khaled über sein Leben in Güstrow. Warum die Entscheidung über den Asylantrag so lange dauert, kann er sich nicht erklären. Von Freunden habe er gehört, dass es in anderen Städten und anderen Ländern viel schneller gehe.

„In Güstrow ist es anfangs schwierig gewesen“, erinnert sich Khaled zurück. Er habe die Sprache nicht verstanden und die Leute seien auch distanziert gewesen. „Jetzt ist es besser“, sagt er. Hier bleiben möchte er dennoch nicht, denn in den größeren Städten gäbe es viel bessere Chancen auf einen Job. „Ich möchte erst richtig Deutsch lernen und dann als Übersetzer arbeiten“, schmiedet Khaled Mohamednur Pläne für seine Zukunft in Deutschland.


Gemeinsam geflohen – von den Eltern getrennt


Auch die Brüder Ayham und Nour Saeed sind inzwischen seit einem Jahr in der Barlachstadt. Sie stammen aus Syrien, lebten in der Hauptstadt Damaskus bis der Bürgerkrieg einsetzte. Zunächst floh die gesamte Familie – Mutter, Vater und drei Söhne – in die Türkei, doch in Istanbul konnten sie nicht Fuß fassen.

„Wir haben uns als Familie entschieden zu flüchten. Doch wo man dann hinkommt, kann man sich nicht aussuchen. Nun sind unsere Eltern in Schweden und wir Brüder hier in Deutschland“, erzählt der 27-jährige Nour Saeed und sein Bruder Ayham (18) fügt hinzu: „Meine Familie wollte gern nach Schweden, doch mein Bruder sah in Deutschland eine Chance um zu arbeiten.“ Nour Saeed hat sein Studium der Informationstechnik abgeschlossen und hofft in Deutschland einen Job in dieser Branche zu finden. „Ich würde gerne in eine große Stadt gehen, um Praktika zu machen – in Güstrow sehe ich da kaum Berufschancen“, sagt der 27-Jährige.

Die Integration in Deutschland sei für die Männer bislang schleppend verlaufen: „Ich habe fünf Monate auf einen Platz in einem Integrationskurs in Rostock gewartet und als es soweit war, sagte man mir, dass man mir das Ticket nicht zahlen würde, da es bald einen Kurs in Güstrow geben würde – auch darauf musste ich wieder warten. Nun bin ich ein Jahr hier und habe erst vor zwei Wochen mit meinem Kurs angefangen.“

Zudem sei es für die Brüder schwer von der Familie getrennt zu sein. „In Syrien verlässt man seine Familie erst, wenn man selbst eine Familie gründet“, erklärt Nour Saeed. Besonders sein jüngerer Bruder Ayham hofft darauf zu seinen Eltern nach Schweden zu kommen. „Ich hoffe auf eine schwedische Integration, aber ich bin schon 18 Jahre alt, das wird für mich schwer werden“, erzählt der Syrer, der aber dennoch Wünsche für die Zukunft hat. „Ich möchte Deutsch lernen und dann studieren – dann kann ich neue Pläne schmieden“, sagt Ayham Saeed.

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