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„Min Lütt Dörp“ : Drei Bauern schufen das Dorf

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“ – heute: Neu Zierhagen in der Gemeinde Lalendorf / Neun Menschen leben hier heute in drei ehemaligen Hofstellen

Eine ganz besondere Entstehungsgeschichte besitzt das kleine Dorf Neu Zierhagen bei Plaaz. Als der Gutsbesitzer von Schlieffen aus Schlieffenberg seine freien Bauern nicht mehr im eigenen Ort haben wollte, setzte er sie kurzerhand um und gründete mit drei neu errichteten Hofstellen auch Neu Zierhagen. So wollte es der Schweriner Erbherzog, der diese Pläne ursprünglich anordnete und an von Schlieffen weiter trug. Das war zwar bereits im Jahre 1803, doch auch heute noch sind die drei alten Gemäuer, die allesamt im niedersächsischen Bauernhausstil errichtet worden sind, das Herzstück der 9-Seelen-Gemeinde.


Neu Zierhagen: ein zu Hause seit sieben Generationen


„Ein zu Hause muss jeder haben, und unseres haben wir hier in Neu Zierhagen gefunden, wo es uns ganz gut gefällt“, sagt Hermann Sternberg, der zu den echten Ureinwohnern gehört und schon in dem kleinen Ort zur Welt kam. 1824, bereits wenige Jahre nach der Dorfgründung, kam die Familie des 82-Jährigen nach Neu Zierhagen. „Bauer Lange wollte damals im Dorf viel verändern, was Herrn von Schlieffen jedoch gar nicht passte. So musste der Bauer schließlich wegziehen und meine Urgroßeltern rückten in eine der drei Hofstellen nach“, erzählt Hermann Sternberg lebendig von den Anfängen. Die Wirtschaft sei damals und auch in der Folgezeit jedoch sehr schwer gewesen, denn die 25 Hektar, die zu jedem Haus gehörten, waren durch schwierige Bodenverhältnisse, Sand und Lehm geprägt. „Deshalb spielte auch mein Vater mit dem Gedanken, wegzugehen. Doch meine Mutter und ich haben immer dagegen gehalten und uns am Ende durchgesetzt“, fügt der Rentner mit einem Schmunzeln an.

Bereut hat Hermann Sternberg, der selbst bis zur Wende und den Eintritt in das Rentenalter in der Landwirtschaft arbeitete, die Entscheidung nie. Ganz im Gegenteil, denn mittlerweile macht die Familie Sternberg den Großteil der Bewohner aus. Denn nicht nur Herrmann Sternberg lebt mit seiner Frau nach wie vor dort, auch die Tochter Heidrun und ihr Mann sowie Sohn Martin mit Ehefrau Undine und dem einjährigen Konrad sind stolze Neu Zierhagener.

Ein echter Blickfang ist dabei jedoch das Haus, das sich Martin Sternberg von 2006 bis 2008 in Eigenregie um- und ausbaute. „Der ehemalige Stall glich davor einer Ruine, so dass wir schon einige Jahre gebraucht haben, um ihn Stück für Stück zu sanieren“, sagt der 34-Jährige rückblickend. Zwischenzeitliche Pläne, berufsbedingt nach Hamburg überzusiedeln wurden stattdessen ad acta gelegt, so dass der gelernte Stahlbauer, der als Ausbilder bei Liebeherr in Rostock beschäftigt ist, die Gelegenheit ergriff, dauerhaft in Neu Zierhagen sesshaft zu werden.

„Natürlich ist es hier manchmal ruhig und einsam, doch zum Arzt oder Einkaufen nach Lalendorf ist echt nicht weit. Und auch der Bäckerwagen, der Gemüsehändler aus Laage oder auch ein Lebensmittellieferant halten hier wöchentlich, so dass wir stets versorgt werden“, unterstreicht Hermann Sternhagen. Von den üblichen Tieren der Bauern sind übrigens nur noch wenige verblieben. Ein paar Hühner sowie drei Hofkatzen lassen nur noch erahnen, dass einst drei Bauernfamilien das kleine Dorf gründeten.

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