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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 00:22 Uhr

Hobby : Drehen links und kreuzen rechts

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Klöppelgruppe Mamerow hält seit 20 Jahren zusammen / Kreatives Werkeln und Geselligkeit

von
erstellt am 02.Jan.2015 | 23:00 Uhr

Kläre Nieselke konnte nicht einmal häkeln, als Rosemarie Bindrich, die aus dem Erzgebirge ins mecklenburgische Mamerow gekommen war, fragte, ob man nicht das Klöppeln erlernen wolle. Inzwischen ist die jetzt 65-Jährige 20 Jahre dabei. „Es war wohl doch ein Talent, dass in mir schlummerte“, stellt sie heute fest. Wenn man erst einmal Blut geleckt habe, könne man wohl nicht mehr damit aufhören, denkt auch Ursula Vetter (72) aus Groß Wokern. 14 Frauen gehören zur Klöppelgruppe Mamerow. Von einer Sommerpause und eine kleinen Winterpause abgesehen treffen sie sich einmal in der Woche im Kulturhaus in Mamerow und frönen ihrem Hobby.

„Zuerst dachte ich, ich breche mir die Finger“, erzählt Ursula Vetter. „Es ist eine Handarbeitstechnik, die man sich nicht allein aneignen kann. Eine theoretische Beschreibung reicht dafür nicht aus. Das muss man sich zeigen lassen“, ist Gisela Schütt (64) aus Mamerow überzeugt. Man müsse sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Dann aber sei es ein Hobby, bei dem man wunderbar entspannen könne, fügt Regine Stüwe (48) aus Mamerow hinzu. „Man sieht, wie die Arbeit wächst und ist dann stolz, etwas Eigenes geschaffen zu haben“, meldet sich Gisela Schütt zu Wort. Und es gehe auch beileibe nicht nur um Decken. Die Handarbeitstechnik sei vielfältig. Fensterbilder, Weihnachtsmotive, Hüte, Westen und allerlei Accessiores kann man klöppeln. So habe man auch „schnell“ ein individuelles Geschenk. Allerdings, so gibt Regine Stüwe zu bedenken, sei es insgesamt ein sehr aufwendiges Geschäft. Geklöppeltes schenke man in der Regel nur Menschen, die den Wert auch zu schätzen wüssten.


Eigentlich ist es ganz einfach


Was sich für den Laien auf den ersten Blick eher wie ein Buch mit sieben Siegeln darstellt, ist „eigentlich ganz einfach“, sagt Ursula Vetter. In Windeseile wirft sie die Klöppel hin und her. „Drehen nach links und kreuzen nach rechts“, erklärt Regine Stüwe. Zwei Klöppel seien ein Paar und oft genug brauche man für eine Arbeit bis zu 30 und sogar 40 Paare. Auf einer mit vielen Stecknadeln gespickten Vorlage wirbeln die Fäden umher, bis am Ende das gewünscht Bild entsteht.

Materialien und Ideen finde man reichlich im Internet. In Handarbeitsläden in der Region sei das schon schwieriger. „Klöppeln hat hier keine Tradition wie in Gebirgsregionen“, erklärt Kläre Nieselke. Dennoch oder gerade deshalb sei man überrascht, dass es doch einige Klöppelgruppen in Mecklenburg-Vorpommern gibt und man reichlich Besuch bei einer Ausstellung von Klöppelarbeiten am letzten Novemberwochenende in Mamerow hatte. Immer zu einem runden und halbrunden Geburtstag organisiere man eine Ausstellung. Deshalb ist den Frauen auch nicht wirklich bang um die Zukunft. Vielleicht sei doch immer wieder mal mit Nachwuchs zu rechnen. Schließlich sei man nun schon 20 Jahre zusammen. Auch nach dem Tod der Initiatorin sei diese nicht auseinander gefallen.


Mal konzentriert, mal richtig laut


„Einer muss es in die Hand nehmen“, sagt Kläre Nieselke, aber man sei insgesamt ein gutes Team. Der Treff am Dienstag ist nicht nur für Rosemarie Mai (72) aus Groß Wokern Gesetz. „Ich genieße hier auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl“, beschreibt sie. Gerade im Rentenalter sei es wichtig, dass man weiß, wohin man geht, dass man Kontakte hat und diese auch pflegt. Manchmal, so wirft Regine Stüwe ein, sei es mucksmäuschenstill in der Runde, weil jeder sich auf seine Arbeit konzentriert, manchmal aber auch sehr laut. Das gehöre dazu. Und: Es muss in der Runde auch nicht jeder klöppeln. Roswitha Hall (57) aus Groß Wokern macht auch viele andere Handarbeiten. Sie strickt zum Beispiel Schneemänner oder stickt auch gern. „Kreuzstisch – ganz einfach“, sagt sie in die Runde und winkt ab. Man trifft sich übrigens am Dienstag, dem 13. Januar, um 14 Uhr wieder im Kulturhaus in Mamerow.

 

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