Ginkgo in Güstrow gebrochen : Dramatischer Verlust fürs Schloss

Feuerwehrleute konnten vergangenen Sonnabendabend nur noch die Reste des abgebrochenen Ginkgos wegräumen.
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Feuerwehrleute konnten vergangenen Sonnabendabend nur noch die Reste des abgebrochenen Ginkgos wegräumen.

Alter Ginkgo im Güstrower Schlossgarten vom Sturm abgebrochen. Ähnliches Ereignis vor MV-Tag 2014.

svz.de von
30. Juni 2016, 05:00 Uhr

Er galt als möglicherweise ältester Ginkgo in Mecklenburg, der markante große Baum mit seinen fächerartig geformten Blättern im Garten des Güstrower Renaissanceschlosses. Bis zum vergangenen Sonnabendabend. Am 25. Juni, gegen 17.30 Uhr, fegte eine Böenwalze, gepaart mit Unmengen von Niederschlag, über Güstrow hinweg. Windstärke 11 und gleichzeitig 63 Liter Regenwasser in einer Stunde auf den Quadratmeter waren zu viel für den Baum, er brach einfach mitten im Stamm um.

Wie genau das an dem relativ geschützt liegenden Standort am Wallensteinflügel des Schlosses passiert ist, weiß inzwischen Friedrich-Wilhelm Garve, Projektleiter für die Gestaltung des Schlossgartens: Der Sturm habe die Krone so stark gedreht, dass mit einer durch die umliegende Bebauung begünstigten Düsenwirkung in diesem Bereich der Stamm wie ein Korkenzieher arbeiten musste – und durch die starke Verwirbelung schließlich geborsten ist. „Er war chancenlos“, sagt Garve und spricht vom dramatischsten Verlust dieses Sturmtages für die Gärten der Staatlichen Museen Schwerin.

Dabei sei der Baum nicht etwa erkennbar krank gewesen, habe keinen Pilz oder Ähnliches gehabt, versichert Garve, und habe seinen regelmäßigen Pflegeschnitt bekommen. Vorschäden hätte es sicherlich schon gegeben, deshalb sei die Krone bereits gesichert worden. Dennoch: Dass dieser „außerordentlich kräftige“ Baum umfalle, sei nicht abzusehen gewesen. Garve: „Bei unserem Monitoring hatten wir nichts Bedrohliches festgestellt.“

Experten spekulieren noch über Baum-Alter

Ursprünglich standen im landschaftsgärtnerischen Teil des Schlossgartens zwei Ginkgos. Einer von ihnen war in den 1970er-Jahren bei der damaligen Restaurierung eingegangen, erinnert Gartengestalter Grave. Über das Alter des jetzt verlorenen Baums, der ein Naturdenkmal war, spekulieren die Fachleute. Die Güstrower Garten- und Landschaftsbau-Firma Jungjohann & Jensen schreibt auf ihrer Homepage, der Baum sei im Jahr 1800 gepflanzt worden. So weit zurück möchte Friedrich-Wilhelm Garve nicht gehen. Ein Ginkgo wachse in den ersten 15 bis 20 Jahren sehr langsam, deshalb lasse sich das Alter sehr schlecht bestimmen. Garve möchte eher in einer Dimension von vielleicht 100 Jahren seit der Pflanzung sprechen. Leider sei der Stamm jetzt derart zersplittert, so dass der Bruch mit seinen indifferenten Zeichnungen zunächst keine Hilfe darstelle. Schlossgärtner Daniel Wolff kann sich jedoch vorstellen, dass es (nach den zuerst abzuschließenden Sicherungsmaßnahmen im gesamten Garten) möglich sei, eine saubere Scheibe aus dem Stammstumpf zu sägen. „Vielleicht können wir dann anhand der Jahresringe mehr sagen“, hofft der Gärtner, der glaubt, von weniger als 150 Jahren zu sprechen – ohne es wirklich schon zu wissen.

Im Herbst vielleicht Ersatzpflanzung

Von einem merkwürdigen Gleichklang im Vorfeld des Mecklenburg-Vorpommern-Tages berichtet unterdessen der Gartenprojektant Garve noch. Vor dem MV-Tag 2014 in Neustrelitz sei ebenfalls ein Unwetter über den Veranstaltungsort hinweggefegt. Ebenfalls genau zwei Wochen vor dem großen Fest sei eine historische Park-Säule vom Blitz zerstört worden, was die Planungen an dieser Stelle des Festortes beeinflusst habe. „Und jetzt fehlt in Güstrow beim MV-Tag für den am Schloss geplanten Handwerkermarkt ebenfalls ein Stück der Kulisse“, bedauert Friedrich-Wilhelm Garve.

Unterdessen hat der für die Bewirtschaftung der Staatlichen Schlösser zuständige Bau-, Betriebs- und Liegenschaftsdienst des Landes schon Ersatz für den Verlust geplant. „Das wollen wir schon aus denkmalpflegerischer Sicht machen“, sagt Friedrich-Wilhelm Garve. Im Herbst könnte an der Stelle ein neuer Ginkgo gesetzt werden, stellt er sich vor. Als großer Baum erlebbar würde der dann jedoch den jüngeren Generationen vorbehalten bleiben – in vielleicht 20 Jahren, selbst wenn der neue Baum schon von „angemessener Größe“ geliefert werden. Denn, da ist sich Garve sicher: „Solch ein Baum ist nicht ersetzbar.“

Schreiben Sie uns Ihre Erinnerungen an den Ginkgo
Liebe Leser, haben Sie ganz persönliche Erlebnisse am oder unter dem Ginkgo im Güstrower Schlossgarten gehabt?  Welche Erinnerungen verbinden sich für Sie mit diesem besonderen Baum? Haben Sie vielleicht Fotos in Ihrem Familienalbum, auf denen der Prachtbaum zu sehen ist? Lassen Sie uns und andere Leser  an Ihrer persönliche  Geschichte rund um den Ginkgo teilhaben, wir wollen sie gerne in der Zeitung abdrucken. Schreiben Sie uns, am besten per Mail, an guestrow@svz.de, gerne aber auch postalisch in die Domstraße 9 nach 18273 Güstrow.
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