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Güstrower Anzeiger

17. November 2017 | 20:44 Uhr

Dorfbewohner an Lärm und Gestank gewöhnt?

vom

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2012 | 05:41 Uhr

Karcheez | Gülzow-Prüzens Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann hat die umfangreichen Unterlagen zur Schweinemast- bzw. Jungsauenzuchtanlage, die zwischen Karcheez und Hägerfelde Ausbau entstehen soll (SVZ berichtete), genau studiert. Dabei fand er in der Umweltverträglichkeitsuntersuchung einen Passus, den er den ca. 60 Bürgern, die Freitagabend zur Einwohnerversammlung ins Feuerwehrhaus Karcheez gekommen waren, vorlas: "Die hier wohnenden Menschen sind überwiegend im Dorf aufgewachsen und mit den betriebsbedingten Belastungen durch die landwirtschaftliche Produktion wie Geruch, Lärm und Verkehr vertraut. Daher ist die Empfindlichkeit der Menschen gegenüber angemessenen Belastungen dieser Art nicht sehr hoch ausgeprägt."

Die Empörung im Saal war unüberhörbar. Landwirt Gerd Fichelmann forderte eine Entschuldigung für den, wie er formulierte, "Angriff auf die Würde des Menschen". Anja Ober-Sundermeier, aus deren Planungsbüro das Papier stammt, reagierte: der Passus sei eine "unglückliche, ja dumme Formulierung." Ironischerweise erregten aber genau die drei Punkte die Gemüter der Bürger, gegen die sie eigentlich resistent sein sollten: Geruch, Lärm und Verkehr.

Die Straße zwischen Karcheez und Hägerfelde Ausbau sei für Schwerlasttransporte nicht ausgelegt, so Kissmann. Die Gemeinde habe kein Geld, um Schäden, die durch ein erhöhtes Transportaufkommen zu erwarten seien, zu beseitigen. Außerdem sei er wie andere Anwohner betroffen und werde über die Straßenausbaubeitragssatzung zur Kasse gebeten, wenn Reparaturen anfielen. Philipp Rathjen, einer der Geschäftsführer der Landgut Karcheez GbR, die die Anlage errichten will, versicherte, dass es keine hohe Belastung geben werde. Durch die Verwendung des eigenen Getreides entfielen Futtertransporte. "Nur jede zweite Woche geht ein Zug mit Mastschweinen auf die Reise", sagte er.

Bernd Zielke, Landwirt aus Hägerfelde, beklagte die Verminderung von Lebensqualität, die eine solche Anlage - entstehen sollen 6144 Tierplätze - mit sich bringe. "Die Gemeinde hat nichts davon und trägt nur die Kosten für Straßenschäden und das Risiko, wenn Gülle unkontrolliert austritt und in die Seen gelangt", meinte er. Sein Kollege Fichelmann wollte der GbR eine Erweiterung der Produktion zugestehen, hielt aber einen Standort in Mühlengeez oder Prüzen für ökonomischer. Rathjen räumte ein, dass sich die Erschließungskosten für den gewählten Platz um bis zu 200 000 Euro erhöhen würden. Dafür aber sei es ein Alleinstandort, wodurch das Risiko der Übertragung von Krankheiten reduziert werde.

Zurzeit werden die Pläne zur Mastanlage geprüft. Daran schließt sich eine öffentliche Auslegung in der Gemeinde und im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Rostock an. Danach haben die Bürger weitere zwei Wochen Zeit, um Einwände zu formulieren. Eventuell gibt es einen Erörterungstermin. Viele Einwohner werden sich die Unterlagen genau ansehen.

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