SVZ-Sommertour : Dom-Orgel vor Abriss gerettet

Die Tour endete an der zweiten Dom-Orgel in der Winterkirche. Sie hat Pauken, die unter der Decke angebracht sind.
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Die Tour endete an der zweiten Dom-Orgel in der Winterkirche. Sie hat Pauken, die unter der Decke angebracht sind.

Kantor Martin Ohse ließ SVZ-Leser gestern bei der Sommertour in die Geschichte des historisch wertvollen Instruments blicken

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14. August 2015, 23:30 Uhr

Das Präludium in C-Dur und ein bearbeitetes Orchesterstück von Bach spielte Dom-Kantor Martin Ohse gestern für SVZ-Leser zum Auftakt der vierten Station in der Sommertour. Er wählte beides aus, um ihnen einen Eindruck vom vollen bzw. strahlenden Klang der großen Orgel zu vermitteln. Später folgte noch Brahms, um zu zeigen, was man alles mit den Klängen, Manualen und Füßen machen kann.

Das gelang, denn Grit und Peter Apportin ließen z.B. die – wenn auch nur kurzen Musikstücke – intensiv auf sich wirken und genossen das Extra-Spiel des Kantors. Peter Apportin: „Ich habe mich schon immer für Orgeln und ihre Technik interessiert. Deshalb haben wir uns für diese Tour angemeldet.“ Ähnlich begründete Rita Buchweitz ihr Kommen. „Oft hat man nicht die Chance aus erster Hand so viel über die Dom-Orgel zu erfahren“, erzählte sie unter dem Eindruck der Musik. Die erklingt im Dom auf einer Lüttkemüller-Orgel von historischem Wert. Das führte in den 1980er-Jahren dazu, sie nicht wie geplant abzureißen, sondern sie wieder aufzubauen. Das war 1986.

Der Kantor führte unsere Leser zuerst aber durch die Geschichte der Dom-Orgeln. Eine erste Nachricht über einen Dom-Organisten gebe es von 1293, allerdings nicht über eine Orgel, so Ohse. Der erste nachgewiesene Orgelbau stammt von 1590. Ohse: „Damals wurde an der Wand der Empore eine so genannte Schwalbennestorgel gebaut.“ Wie in der Renaissance üblich, sei sie bunt gewesen. Ein Teil des Orgelprospekts ist im Güstrower Schloss zu sehen. Im Laufe der Jahre wurde die Orgel immer schadhafter. Ihr Spiel sei sogar zum Gespött der Leute geworden, erzählte der Kantor. Das war Geschichte, als bei der großen Domrenovierung die Orgel von Lüttkemüller 1868 umgebaut wurde. Festgelegt wurde, dass sie links und rechts auf den Empore-Nischen ihren Platz findet. Der Grund: Der Blick auf die farbigen Domfenster sollte frei bleiben. Das hatte Novitäten zur Folge. So schaut Martin Ohse am Spieltisch nicht wie üblich zur Orgel sondern in die Kirche. Was egal ist, weil er sowieso sagt: „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz in Güstrow.“

Dann führte Martin Ohse in einem Schnellkursus unsere Leser in die Kunst des Orgelspiels und den Aufbau einer Orgel ein. So erfuhr Peter Ditz auf seine Frage, dass die Orgelbauer auch die Pfeifen herstellen. Die Güstrower Lüttkemüller-Orgel hat 2100 Pfeifen und 37 Register, die mit 54 Halbtönen für die Vielfalt des Orgelspiels sorgen. Die Pfeifen bestehen aus Holz und Metall, meist aus Zinn und Blei. Dann führte Ohse vor, was eine Orgel kann: z.B. wie eine Flöte, Mundharmonika oder Posaune zu klingen. Und er erzählte: „Die Orgel ist das einzige Instrument, das die Hörbreite, die ein Ohr aufnehmen kann, von 20 bis 20 000 Hertz, abdecken kann.“ Zum Abschluss spielte er auf der Orgel in der Nordkirche, 1996 gebaut. Eine dritte Orgel befindet sich seit 2006 als Truhenorgel im Altarraum. Sie ist transportabel.

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