zur Navigation springen

Barlachstiftung Güstrow : Dokumente zu verbotenem Barlach

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ernst-Barlach-Stiftung erwarb originale Briefe, Fotos und mehr: Archiv um Dokumente zur „entarteten Kunst“ erweitert.

Die Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung konnte jetzt ein wichtiges Bündel an originalen Briefen, Fotos, Zeitungsausschnitten und mehr aus Privatbesitz ankaufen, Dokumente, die die Zeit der Verfolgung von Künstlern der Moderne spiegeln. „Das war dank der großzügigen Spende der Fielmann AG Hamburg möglich“, freute sich Dr. Volker Probst, Leiter der Stiftung. Die Dokumente stehen nun der Stiftung, aber ebenso externen Wissenschaftlern für die Forschung zum Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach zur Verfügung. „Ich finde es spannend, dass nach dieser langen Zeit noch Briefe vorhanden sind“, sagte Stephan Kramer. Der Niederlassungsleiter der Fielmann AG in Güstrow vertrat Günter Fielmann, der seit Jahren Museen unterstützt.

Nachdem 1935 ein Buch mit einer Auswahl von Handzeichnungen Ernst Barlachs im Münchener Reinhard-Piper-Verlag erschien, wurde es nur ein Jahr später durch die Bayerische Polizei verboten. Es sei geeignet, „die öffentliche Ordnung zu gefährden“, hieß es zur Begründung. Beim Piper-Verlag verbliebene Bestände wurden beschlagnahmt und vernichtet. Ein Teil dieser beschlagnahmten Briefe und Originaldokumente blieb jedoch erhalten und befand sich bislang in Privatbesitz. „Anhand dieses Konvoluts lassen sich der Verlauf der Aktion, aber auch die Bemühungen des Verlages Reinhard Piper, Barlachs Sekretärs Bernhard A. Böhmer und Barlachs selbst nachvollziehen“, sagt Probst.

Vor 80 Jahren hatte die Verfolgung der modernen Kunst durch die Nationalsozialisten in der Beschlagnahmeaktion von über 21  000 Kunstwerken aus öffentlichen Museen und Sammlungen einen unrühmlichen Höhepunkt erreicht. Eine Auswahl daraus wurde ab Juli 1937 in München und anschließend bis 1942 in weiteren deutschen Städten gezeigt. Die Verfolgung von Künstlern der Moderne begann jedoch bereits frühzeitig nach der Machtübernahme Hitlers 1933. Vereinzelt kam es zu Femeausstellungen, in denen die Nationalsozialisten und willfährige Helfer klassische Moderne als „entartete Kunst“ diffamierten. Ernst Barlach gehörte bereits seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu denjenigen Künstlern, die von rechtskonservativen und nationalistischen Kreisen angefeindet und bekämpft wurden.

Im Sommer 1937 wurden über 670 Werke Ernst Barlachs aus deutschen Museen beschlagnahmt und von öffentlichen Plätzen entfernt. Nach nunmehr 80 Jahren wird am kommenden Freitag um 18 Uhr eine Ausstellung über entartete Kunst in der Rostocker Kunsthalle eröffnet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen