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Asylpolitik : Diskussion über Flüchtlingspolitik

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Asylbewerber und Politiker am Sonnabend im Gespräch / Güstrower stellen sich gegen Fackelumzug Rechtsextremer

von
erstellt am 19.Okt.2014 | 20:00 Uhr

Männer und Frauen aus Ghana, Eritrea, Syrien usw. erzählten von ihrem täglichen Leben in Güstrow, von Ängsten und Hoffnungen. Eine mobile Pressekonferenz gegen rechtsextreme Flüchtlingshetze in MV, veranstaltet vom Projekt „Lola für Ludwigslust“ und „Schultzschild“ der Amadeu-Antonio-Stiftung machte am Sonnabend Station in Güstrow. In der Villa Kunterbündnis kamen Politiker und Journalisten mit Flüchtlingen ins Gespräch. Am späten Nachmittag zog eine Gruppe von knapp 100 Rechtsextremen vom Markt in die Südstadt, wo der Aufmarsch mit eine Kundgebung vor dem Wohnblock, in den ab Dezember Asylbewerber einziehen werden, endete. Rund 250 Güstrower stellten sich am Nachmittag und Abend dem rechten Aufmarsch entgegen. Rund 350 Polizeibeamte waren im Einsatz.

Ziel der Fahrt von Anklam über Güstrow nach Ludwigslust war es, nach Erkenntnissen über menschenunwürdige Unterkünfte für Flüchtlinge und Misshandlungen in Flüchtlingsheimen, „Flüchtlinge und Initiativen, die diese unterstützen, aus ihrem Alltag berichten zu lassen und ihren Perspektiven auf die aktuelle Situation Raum zu geben“, erklärte Stella Hindemith, Koordinatorin von „Lola für Ludwigslust“. „Und das machen wir. Wir lassen uns von niemanden vorschreiben, was wir tun uns lassen sollten“, betonte Karen Larisch von der Villa Kunterbündnis. Vielmehr wurden während des Treffens in der Villa vor der Tür kleine Geister zu einer Kette zusammengefügt. „Gegen die braunen Geister“, erklärte Larisch.


Flüchtlinge fühlen sich herabgewürdigt


Sie fühle sich am Rande der Stadt isoliert, berichtet eine Frau. Von täglichen Begegnungen mit den Güstrowern erzählen die Männer: unflätige Gesten wie der Stinkefinger, kleine böse Bemerkungen, keine Reaktion auf einen freundlich gemeinten Gruß. Ob es auch Positives zu berichten gebe, fragte der SPD-Landtagsabgeordnete Julian Barlen und bekam zur Antwort, dass es in Güstrow die Villa Kunterbündis gebe. Dort sei jeder willkommen. „Wir haben sehr viel über Rassismus reden müssen“, fasste Barlen nach intensiven Gesprächen zusammen. „Wir brauchen eine Willkommenskultur, ordentliche Verfahren, eine psychosoziale Betreuung, Sprachkurse“, formulierte der SPD-Landtagsabgeordnete einige Forderungen. Er bedauere, dass viele Menschen, die Asylbewerber und Flüchtlinge in Deutschland akzeptieren, so still seien, die Situation von wenigen am ganz rechten Rand oft dominiert werde. Flüchtlinge willkommen zu heißen, bedeute auch Haltung gegen Rechtsextremismus zu zeigen, so Barlen.


Gegenprotet: friedlich, bunt und laut


Zu einem friedlichen Protest trafen sich Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. Spontan hatte der Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nach einer Klausurtagung in Gremmelin die Gruppe der Güstrower, die am Sonnabend gegen Rechtsextremismus auf dem Markt standen, gestärkt. „Wir wollen Gesicht zeigen, deutlich machen, dass es Menschen gibt, die gegen Rechtsextremismus aufstehen“, betonte der Grünen-Landtagsabgeordnete Johann Georg Jaeger. „Wir brauchen die Rechtsextremisten nicht“, fügte Grünnen-Stadtvertreter Bernd Lippert hinzu. Auch Senioren aus der Südstadt reihten sich in den Protest gegen den Aufmarsch ein. Sie hätten in ihren Briefkästen einen Aufruf zum Fackelumzug gefunden. Unterzeichnet sei dieser von einer Initiative „Güstrow wehrt sich gegen Asylmissbrauch“. Keinen Zweifel habe man, dass die NPD dahinter steckt. „Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass wir nicht so denken“, betont Barbara Ebert.

Gegen 20 Uhr löste sich die NPD-Kundgebung auf. „Die Polizei kann insgesamt ein positves Fazit ziehen“, betonte danach Gert Frahm. Vorkommnisse habe es lediglich im Vorfeld des Aufzuges gegeben. Der Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow informierte über elf Platzverweise und ein Ermittlungsverfahren nach einer körperlichen Auseinandersetzung.


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