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Güstrow: Denkmale in Not : "Dieses Haus ist Teil meiner Familie"

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"Ich hoffe, dass es irgendwann mal anders aussieht, dass es wieder ein lebendiges Haus wird", sagt Daniel Megiddo. In der Domstraße 14 lebten seine Großeltern, auch sein Vater, bevor sie in den 1930er-Jahren emigrierten.

Güstrow | "Ich hoffe, dass es irgendwann mal anders aussieht, dass es wieder ein lebendiges Haus wird", sagt Daniel Megiddo. In der Domstraße 14 lebten seine Großeltern, auch sein Vater, bevor sie in den 1930er-Jahren ihre Heimatstadt verließen und nach Palästina emigrierten. Daniel Megiddo lebt bis heute in Israel. Auf Einladung der Stadt kam er nach Güstrow, um über die Zukunft des seit Monaten mit einem stabilen Zaun abgesicherten Baudenkmals aus der Zeit das Barock zu beraten.

Die Stadt unterbreitete Vorschläge. "Darüber muss ich jetzt nachdenken", betont Daniel Megiddo. Als Teil einer Erbengemeinschaft wolle er gründlich prüfen und abwägen. Generell sei er gekommen eine Lösung zu finden. Vor dem Haus stehend kämen ihm ganz andere Gedanken, als zu Hause in Israel, gesteht Daniel Megiddo. Die müssten sich jetzt entwickeln.

Drei Varianten für Zukunft der Domstraße 14 im Gespräch

Nach einem Kurzbesuch 1999 betrat er erstmals das Haus in der Domstraße, sah sich an, wo seine Großeltern und sein Vater lebten. Es habe ihn sehr berührt. "Dieses Haus ist Teil meiner Familie", erklärt Daniel Megiddo. Ausdrücklich dankte er gestern Folker Hachtmann und Rosmarie Korn, die sich seit vielen Jahren mit dem jüdischen Leben in Güstrow, das 1942 abrupt endete, beschäftigen und den Gast jetzt zwei Tage durch die Stadt begleiteten. "Ohne sie wäre ich nicht hier", sagt der 67-Jährige. Güstrow sieht er als "Kleinstadt in der Entwicklung". Er habe hervorragende Beispiele für die Sanierung alter Bausubstanz gesehen, z.B. die Kerstingstraße 2, wisse nun aber auch, dass noch vieles zu tun ist.

Von einer "deutlichen Annäherung der Positionen" spricht Bürgermeister Arne Schuldt. Vielleicht könne man im nächsten Jahr die Grundbuchangelegenheiten klären und dann über eine Nutzung und Sanierung nachdenken. Schuld sieht drei Varianten: Die Stadt kauft das Haus, um dann einen Interessenten zu finden oder als letzte Konsequenz selbst zu sanieren. Die Erbengemeinschaft veräußert das Gebäude. Es habe schon einmal ein Verkauf stattgefunden, der aber sei nie umgesetzt worden. Es könnte aber auch die Erbengemeinschaft selbst aktiv werden. Schuldt: "Ich denke wir haben ihm deutlich gemacht, dass es uns nicht darum geht, ein Gebäude in unseren Besitz zu bekommen, sondern dass wir den Stadtkern sanieren wollen. Dabei ist uns jeder aktive Partner willkommen."

Seit Jahr und Tag steht das Haus in der Domstraße 14 leer. Der Putz bröckelt von den Wänden. Den stillen Verfall unterstreicht seit dem Sommer ein massiver Holzzaun, der Passanten vor herabstürzenden Teilen schützen soll. Die Bauaufsicht des Landkreises hatte im Juli angekündigt, bei einem weiteren Verfall die Dom- und die Kerstingstraße ganz für den Verkehr zu sperren.

"Es gehört viel Fantasie dazu, sich den Gebäudekomplex Domstraße 14, der sich bis weit in die Kerstingstraße hinein zieht, denkmalgerecht restauriert vorzustellen", gibt der passionierte Denkmalschützer Jürgen Höhnke zu. Es sei ein kleines Barockpalais, das mit seinen vielen im Gleichmaß gestalteten Achsen (Zahl der Fenster) an der Seite der Kerstingstraße und mit der durch liegende Ovale durchbrochenen Balustrade an der Domstraßen-Seite auffalle.

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erstellt am 02.Dez.2011 | 10:24 Uhr

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