Ungeliebte Archäologie-Ausstellung in Güstrow : Die verleugneten Schätze

<fettakgl>Zur Eröffnung der Ausstellung </fettakgl> 'Pipeline - Archäologie' im Jahr 2011 im Güstrower Schloss  war das Interesse groß. Inzwischen ist die Schau seit mehr als  14 Monaten geschlossen. <foto>Christian  Menzel</foto>
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Zur Eröffnung der Ausstellung "Pipeline - Archäologie" im Jahr 2011 im Güstrower Schloss war das Interesse groß. Inzwischen ist die Schau seit mehr als 14 Monaten geschlossen. Christian Menzel

Das Schicksal der Archäologie-Ausstellung in Güstrow ist weiter ungewiss. Seit mehr als 14 Monaten ist sie geschlossen. Fundstücke, die die Geschichte des Landes dokumentieren, bleiben der Öffentlichkeit verschlossen.

svz.de von
06. März 2013, 06:42 Uhr

Güstrow | Zirka 12 000 Jahre schlummerte die aus Flint gefertigte "Stielspitze" eines Pfeils in der Erde bei Glasow nahe Dargun, bevor sie als ältestes Stück der Ausstellung "Pipeline - Archäologie. Ausgrabungen auf den großen Erdgas trassen in Mecklenburg-Vorpommern" im Güstrower Schloss präsentiert wurde. Nun ist der archäologische Schatz seit mehr als 14 Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden. Die vom damaligen Kultusminister Harry Tesch (CDU) bei der Eröffnung im August 2011 als "Attraktion" gepriesene Ausstellung wurde nach nur viereinhalb Monaten geschlossen. Dabei hatte es Überlegungen gegeben, die Schau als Dauerausstellung in der Barlachstadt zu etablieren.

Das Schicksal der Schau des archäologischen Landesmuseums ist weiter ungewiss. Mehr als 400 Exponate, die beim Bau der Erdgastrassen durch MV gefunden wurden, nehmen 250 Quadratmeter Ausstellungsfläche über zwei Etagen des Schlosses in Beschlag. Fundstücke, die die Geschichte des Landes von der Ur- und Früh- bis zur Neuzeit dokumentieren, bleiben der Öffentlichkeit verschlossen. Funde, die Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen als "fantastisch" bezeichnet. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Bildungsministerium und dem Staatlichen Museum Schwerin (SVZ berichtete). Dr. Dirk Blübaum, Direktor des Staatlichen Museums, zu dem Schloss Güstrow gehört, lehnte die Ausstellung von Anfang an ab. Und die Fronten sind immer noch verhärtet. "Eine archäologische Ausstellung ist wichtig, aber sie passt überhaupt nicht in das Konzept von Schloss Güstrow", hatte er schon damals erklärt.

Seiner Ansicht nach liege der Schwerpunkt des Renaissanceschlosses einerseits auf dem Mittelalter mit seiner Kunst und Religion, andererseits in der Darstellung höfischen Lebens in der frühen Neuzeit und im Frühbarock. Und als im Januar vergangenen Jahres die finanziellen Zuwendungen für die Aufsichtskräfte der Ausstellung ausblieben, nutzte Blübaum die Chance und machte die ungeliebte Präsentation dicht. Auch eine Versicherung des Kultusministeriums, zur Tourismus-Hochsaison 2012 werde die Ausstellung wieder Besuchern zugänglich sein, erwies sich als leeres Versprechen. Dabei wollte das Ministerium ursprünglich das Güstrower Renaissanceschloss zu einem dauerhaften Ausstellungszentrum für die archäologischen Schätze Mecklenburg-Vorpommerns machen. Das dürfte allerdings auch als Notlösung des Ministeriums betrachtet werden, denn bisher fehlt es an Ausstellungskapazitäten und -konzepten für die in Archiven und Magazinen vor sich hinschlummernden Fundstücke des Landes.

Die jetzige Situation dürfte niemandem gefallen. Eine Wiedereröffnung der Ausstellung im Güstrower Schloss lehnt Direktor Blübaum kategorisch ab. "Wir haben nicht einmal genügend Aufsichtskräfte, um die Zugänglichkeit der zweiten Etage des Schlosses zu gewährleisten", wiegelt er ab. Im Kultusministerium in der Landeshauptstadt rechnet man auf SVZ-Nachfrage mittlerweile offenbar auch nicht mehr mit einem Verbleib der Schau in Güstrow. "Es wird zurzeit geprüft, ob Pipeline - Archäologie’ im Archäologischen Museum Groß Raden als temporäre Ausstellung gezeigt werden kann", ließ Ministeriums-Pressesprecher Henning Lipski wissen. Das hört sich kaum nach einer dauerhaften Lösung für die archäologischen Schätze an.

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