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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 20:41 Uhr

Tieplitz : Die ungeliebten Poller von Tieplitz

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bürger monieren, nicht gefragt worden zu sein, und sagen nun „Nein“ zur Absperrung der Alten Dorfstraße.

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Weniger übereinander, sondern besser miteinander reden – das hilft nicht selten bei der Lösung von Problemen. Das stellten Tieplitzer in dieser Woche wieder einmal fest. Hier geht es um zwei Poller, die einen Weg versperren. Die Alte Dorfstraße wird dadurch zur Sackgasse. Wozu? Das fragen sich viele Tieplitzer und versuchen schon seit geraumer Zeit mit Bürgermeister und Gemeindevertretung darüber ins Gespräch zu kommen. Eine schwierige Sache. Am Montagabend nun traf man sich endlich. Ergebnis: Nur zwei Bürger sprachen sich für die Poller aus. Auf der nächsten Gemeindevertretersitzung soll nun über die Zukunft der Poller befunden werden.

„Ich habe keinen Schmerz damit, es wieder rückgängig zu machen“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann. Er habe bisher angenommen, dass alle gut damit leben könnten. Es gibt zwei Straßen, die von der B 104 ins Dorf führen; eine davon – ordentlich ausgebaut – sollte ausreichen, meinte Kissmann bisher. „Jeder kommt rein ins Dorf und wieder raus“, fügt er hinzu. Die nicht mit Asphalt befestigte Alte Dorfstraße sollte auf Antrag eines Bürgers verkehrsberuhigt werden, informiert Kissmann. Bei Regen würde sich das Wasser in Pfützen sammeln, bei Trockenheit frisch gewaschene Wäsche auf der Leine einstauben. Eine verkehrsrechtliche Anordnung zur Aufstellung der Poller wurde erwirkt. Er habe es als Wille der Anwohner der Alten Dorfstraße angesehen, auch wenn sich nicht alle dafür ausgesprochen hätten. Dann hätten sich Anfragen von Tieplitzern gemehrt. Emotionen seien hochgekocht. „Vielleicht haben wir die Situation lange falsch eingeschätzt“, denkt Kissmann. Jetzt hatten Bürgermeister und Gemeindevertretung vor Ort eingeladen, um den Streit um die Poller beizulegen. Eingeladen hatte man lediglich die Anwohner der Alten Dorfstraße. „Wir wollten von den Anwohnern wissen, ob sie zur Sackgasse stehen oder ob die Nutzung nur einer Einfahrt ins Dorf doch zu umständlich ist“, erklärt der Bürgermeister.

Die Einladung nur eines Teils der Tieplitzer hatte die anderen erbost. Sie erschienen selbstverständlich ebenfalls am Montag, fühlen sie sich doch ebenso betroffen. „Durch die Sackgassenregelung muss jeder, der ins Dorf hineinfährt, über unsere Straße auch wieder hinausfahren“, sagt u.a. Felix Schmicker. Damit verdoppele sich der Verkehr. Was ihn aber noch mehr ärgert, ist die Tatsache, dass hier der Wunsch eines Bürgers erfüllt werde, ohne die Meinung der Tieplitzer insgesamt gehört zu haben. Der Bürgermeister habe selbst ohne Beschluss der Gemeindevertretung gehandelt, klagt auch Ernst Amelung. „Immer wieder haben wir das angesprochen, aber nichts tat sich“, schimpft Kirsten Schmicker und vermutet, dass das Problem ausgesessen werden sollte. Auch Unterschriften habe man gesammelt. Ergebnis: Von 51 Bürgern hatten sich 48 gegen die Poller ausgesprochen, berichtet Kerstin Schmicker. Dabei habe man für den Wunsch des Einzelnen durchaus Verständnis, aber es gehe doch wohl ums Gemeinwohl, betont Gerhard Graumann.

Unabhängig davon, dass nur die Gemeindevertretung darüber befinden soll, dass die verkehrsrechtliche Anordnung wieder zurückgenommen wird, habe man sich an die Untere Rechtsaufsichtsbehörde gewandt, um prüfen zu lassen, ob das ganze Verfahren überhaupt rechtssicher gelaufen sei. „Vielleicht müssen die Poller dann schon von Rechts wegen verschwinden“, überlegt Kerstin Schmicker.

Bürgermeister Kissmann räumt auf SVZ-Nachfrage ein, dass man darüber streiten könne, ob die Gemeindevertretung hätte gefragt werden müssen, bevor bei der Verkehrsbehörde ein Antrag auf Sackgasse/Poller gestellt wurde. Aber: „Wir waren der Meinung das es die beste Lösung für alle sei“, so Kissmann.

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