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Krakow am See : „Die tickt jetzt wieder 100 Jahre“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Krakower Kirchturmuhr nach Generalinstandsetzung in gewohntem Takt / Nachts kein Glockenschlag mehr

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 06:08 Uhr

Über den vertrauten Glockenschlag über der Stadt zu jeder Viertelstunde und genauer Zeitanzeige von ihrer Kirchturmuhr können sich die Krakower wieder freuen. Stück für Stück hatte das Schwaaner Uhrmachermeister-Ehepaar Petra und Helmut Langner in den vergangenen Tagen alle Einzelteile der Uhr ins Turmhäuschen empor gebracht. 61 Treppchenstufen mögen nicht so viele sein. „Aber jedes Teil musste auch wieder hoch, und das über teilweise sehr enge Stiegen“, ruft Helmut Langner durchaus anstrengende Arbeit ins Bewusstsein. Auf immerhin 100 Kilo mindestens schätzt er das Gewicht des Uhrwerks, wie es nun wieder auf seinem angestammten Platz steht.

Gut ein Vierteljahr hatten die Langners in ihrer Werkstatt in Schwaan zu tun, um das 104 Jahre alte Gesamtwerk wieder in Schuss zu bringen. Die Uhr musste ohnehin neu geregelt werden, nachdem der Landkreis das nächtliche Schlagen der Glocken untersagt hatte (SVZ berichtete). Eine elektromechanische Schaltuhr war einzubauen, die in die Mechanik des Uhrwerks eingreift, ohne dieses zu verändern, aber wie jetzt vorgeschrieben zwischen 22.01 Uhr und 5.59 Uhr den Schlag aussetzt. Da hatte sich die Stadt gleich zu einer Generalinstandsetzung entschlossen.

„Die war auch fällig“, weiß Langner, nachdem er jedes Einzelteil in seinen Händen hatte und begutachten konnte. Öl, Rost, Schmutz – der gesamte Apparat sei stark verunreinigt gewesen. Rein mechanisch sei jedoch der Erhaltungszustand gut, stellten die Langners fest. „Eine Messingbuchse habe ich diese Woche noch neu gedreht. Und eine neue Welle für eine Seilrolle war schon stark abgenutzt. Die ist wahrscheinlich mal trocken gelaufen, und wir mussten sie auch erneuern“, berichtet der Fachmann. Nach kompletter Instandsetzung und Reinigung könne man nun sicher auch etwas Gewicht nachlassen, denkt Langner. Gewicht, das nicht nur für den Antrieb des Gangwerks, sondern natürlich für höheren Verschleiß sorgt, je stärker es zieht.

Petra Langner vermutet, dass es die erste große Instandsetzung für die 1912 vom Kommerzienrat Carl Lorenz der Stadt gestiftete Anlage war, einschließlich Konservierung und frischer Anstrich. Jedenfalls hätten sie keine anderen Spuren entdecken können. „Jetzt hält die Uhr ohne Weiteres wieder hundert Jahre“, vertraut Helmut Langner der soliden Arbeit der Turmuhrenfabrik Korfhage.

Gestern waren noch die insgesamt 75 Meter langen Stahlseile von den drei Werken – Viertelstunden-, Stunden-, Gangwerk – zu ihren auf halber Treppe abgestellten drei doppelzentnerschweren Gewichten zu montieren. Über Umlenkrollen sorgen sie für den Antrieb. Die Langners waren da sehr zuversichtlich, dass am Ende alles funktionieren wird. Helmut Langner: „Wir geben ihr aber noch eine Woche, die man für eine Testphase schon veranschlagen muss. Zuhause war ja kein Probelauf möglich.“

Spätestens dann kann Volker Stelzl wieder seines Amtes walten. Seit Krakows Uhrmachermeister Günter Bätker das aus gesundheitlichen Gründen vor gut zwei Jahren aufgeben musste, kümmert sich der Elektromeister darum, dass vom Kirchentürmchen die rechte Zeit kündet. Jeden vierten Tag klettert Stelzl die Stufen hoch, zieht die Uhrwerke auf und justiert den Gang. Bei der Endmontage gestern war Volker Stelz dabei. „Das hört sich doch schon anders an“, meinte er zu vernehmen, als der Uhrentakt wieder einsetzte.

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