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Die Schule als „allgemeine Bildungsanstalt der Nation“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Historisches aus Güstrow: Von der Realschule zum Realgymnasium – der Reformer Heinrich Seeger

Vor kurzem feierte das Güstrower John-Brinckman- Gymnasium 111 Jahre Schulhaus Am Wall (SVZ berichtete). Nachdem im Jahre 1902 nach langen Verhandlungen unter Teilnahme des mecklenburgischen Großherzogs Friedrich Franz IV. der Grundstein für den Schulneubau erfolgte, wurde das neue Gymnasium 1906 eingeweiht. Bis dahin war die Schule im Gebäude gegenüber, auch Am Wall gelegen, untergebracht – unter schwierigen räumlichen Bedingungen.

Die Entwicklung einer Realschule zum Realgymnasium war langwierig und begann um das Jahr 1840. Die industrielle fortschreitende Entwicklung erforderte zwingend eine Differenzierung des Schulwesens allgemein, hin zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Stand doch bis dahin im höheren Schulwesen die humanistische Schulbildung im Vordergrund. An dem Punkt setzten Schulreformer an. Zu ihnen gehörte in Güstrow ohne Zweifel auch Heinrich Seeger, der im Jahre 1861 die Leitung der Schule übernahm.

Er war aber schon acht Jahre vorher, aus Göttingen kommend, dort als Lehrer tätig. Die Schule befand sich zu der Zeit im Haus des ehemaligen Hof- und Landgerichts am Domplatz. Das Haus war schnell viel zu klein für die zunehmende Schülerzahl geworden und ein Neubau war geplant. Geldnot zwang die Stadt zu einer anderen Entscheidung. Man kaufte das ehemalige „Wallhotel“. Der Umzug dahin erfolgte 1853. Unter Seegers Leitung, der mit hervorragender Bildung und großem Organisationstalent ausgestattet war, erfolgte nun eine fundierte und wissenschaftliche Umgestaltung des Unterrichts. Neben den allgemeinbildenden Fächern traten auch moderne Fremdsprachen, Mathematik und die Naturwissenschaften in den Vordergrund.

Seeger wollte jedoch mehr. Er setzte sich mit den Weltbildern der Gebrüder Humboldt auseinander und erläuterte in sehr vielen wissenschaftspädagogischen Erläuterungen Wege und Ansprüche der Realschule hin zu einem Realgymnasium. Sein Credo: „Die deutsche Realschule strebt nach nicht Geringerem, als die allgemeine Bildungsanstalt der Nation zu werden.“ Damit gab er bedeutende Impulse für ganz Deutschland und er konnte für sich in Anspruch nehmen, die erste Realschule in Mecklenburg gegründet zu haben.

1867 erfolgte nach dem Vorbild Preußens eine Angleichung der Realschule an die preußischen Realschulen II. Ordnung, danach 1875 die Schulen I. Ordnung, und schon im Jahre 1880 erfolgte die erste Reifeprüfung, das Realgymnasium war geboren. Es kam nun zu zwei möglichen Schulabschlüssen: über die Lateinklassen zum Abitur oder ohne Latein zum Realschulabschluss.

Seeger fand für seine unermüdlichen Arbeiten breite Anerkennung in Güstrow, er wurde sogar Ehrenbürger der Stadt und erhielt andere hohe Auszeichnungen wie das Ritterkreuz des Hausordens der Wendischen Krone. Bis zu seinem 77. Lebensjahr führte er das Realgymnasium Am Wall, das von den Räumlichkeiten schon lange nicht mehr den Ansprüchen genügte. Kurz nach seinem verdienten Ruhestand verstarb Heinrich Seeger 1902 und erlebte somit nicht mehr die Grundsteinlegung des neuen Realgymnasiums, der heutigen John-Brinckman-Schule. Die Namensgebung zur heutigen Bezeichnung erfolgte 1934, und die Entscheider stritten lange, denn auf Grund der großen Verdienste seines Gründervaters, Heinrich Seeger, hätte die Schule sicherlich auch seinen Namen verdient.

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