Die Schattenseite des Dorflebens

Pures Entsetzen: Am Laptop von Andreas Bischalski dauert es mal wieder länger.
Pures Entsetzen: Am Laptop von Andreas Bischalski dauert es mal wieder länger.

Der Karower Andreas Bischalski engagiert sich für die Verbesserung des Internets vor Ort und ist genervt von der Bürokratie

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23. Juli 2018, 05:00 Uhr

Das dörfliche Leben kann so schön sein. Das dachte sich auch Andreas Bischalski. Er wuchs in Karow auf, zog später nach Rostock und vor einigen Jahren wieder zurück nach Karow. So schön ist es für den 31-Jährigen inzwischen nicht mehr. Das schlechte Internet plagt ihn. SVZ-Redakteur Christian Jäger sprach mit dem Karower.

Wie verbringen Sie ihre Freizeit und/oder ihren Feierabend auf dem Dorf?

Bischalski: Ich sehe mir Dinge auf Youtube an und surfe im Internet. Youtube, Facebook, das Übliche eben. Das klassische Fernsehen ist nicht mehr so ergiebig.
Und wie würden Sie die Zeit gern verbringen?

Ich würde gern mehr streamen. Aber da das Internet so schlecht ist, kann ich On-Demand-Dienste nicht so einfach abrufen oder muss mich stark zurückhalten, da das Datenvolumen sonst schnell aufgebraucht ist. Ich habe ein Abo bei Amazon Prime Video. Drei Filme und das Volumen ist dahin.
Was steht dem Streaming denn im Weg?

Das zu geringe Datenvolumen und die schlechte Verbindungsqualität.
Was für eine Internetverbindung haben Sie?

Ich habe einen LTE-Vertrag mit 15 Gigabyte Volumen. Aber es teilen sich hier alle einen Funkmast, man teilt sich also die Bandbreite mit allen in dieser Funkzelle. Wenn alle im Internet sind, geht die Leitung in die Knie.
Und was geben 15 Gigabyte Datenvolumen her?

Ich habe arbeitsbedingt eine Zweitwohnung in Rostock. Wenn ich im selben Trott bin und surfe, als wäre ich in Rostock, ist das Volumen nach einer Woche aufgebraucht.
Fühlen Sie sich mit dem vorhandenen Internet bereits im Jahr 2018 angekommen?

Kein Stück! Ich habe ja den Vergleich zum Rostocker Internet. Aber das Schlimmste ist, wie die Leute auf dem Dorf mit Zukäufen an Datenvolumen ausgenommen werden. Das ist eine Frechheit. Und wenn man sich über die Verbindungsabbrüche beschwert, bekommt man „Sie können den Vertrag ja kündigen“ zu hören. Aber es gibt hier keine Alternative und das weiß der Anbieter ganz genau. Man muss ja froh sein, überhaupt Internet zu haben. Wer neu herzieht, bekommt gar keinen Vertrag mehr. Die Funkzelle ist ausgelastet.
Viele beschweren sich über den Breitbandausbau, der nicht vorankommt. Sie auch. Aber wie engagieren Sie sich für eine Besserung?

Mir ging das alles auf den Keks. Ich habe jeden einzelnen Mitarbeiter im Amt Güstrow-Land angeschrieben und gefragt, was los ist. Schließlich wird seit 2009 Besserung gelobt. Dort wurde ich abgespeist. Dann habe ich eine Petition gestartet und eine Facebook-Seite erstellt, um Reichweite zu generieren. Die Petition schaffte es in den Petitionsausschuss des Landes. In der Antwort hieß es, dass sich die Situation 2018 verbessern wird. Und wenn es 2018 nicht besser wird, habe ich wenigstens etwas in der Hand, um erneut nachzufragen und aufzuzeigen, dass die eigenen Versprechen nicht gehalten werden. Ich persönlich rechne eher damit, dass sich 2020 bis 2022 etwas ändert. So traurig es ist.
Der Landkreis begründet den langsamen Fortschritt gern damit, dass Sorgfalt vor Schnelligkeit gehe, da Fördermittel sonst vielleicht flöten gehen. Können Sie den Satz noch hören?

Nein! So viel Bürokratie... Am liebsten würde ich mich in den Bagger setzen, selber graben und die Rohre verlegen. Dann müssten dort nur noch die Kabel reingelegt werden.
Wie verbringen Sie wohl ihren Feierabend in drei Jahren in Karow?
Bis dahin wird sich nicht viel verändert haben. Aber ich hoffe, dass die Datentarife günstiger werden, um das Leid wenigstens zu mindern. Es muss sich keiner wundern, wenn junge Familien und Fachkräfte in die Städte ziehen, weil nichts für die Infrastruktur getan wird.

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