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Güstrower Anzeiger

22. November 2017 | 16:13 Uhr

SVZ-Serie : „Die Neugierde treibt mich an“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ehrensache“: Güstrowerin Annaliese Soltwedel arbeitet seit fünf Jahren ehrenamtlich Güstrower Geschichte auf

Oft ist Annaliese Soltwedel an ihrem Tisch im Wohnzimmer zu finden. Ein handgeschriebenes Blatt liegt vor ihr, daneben der Laptop und ein mitteldeutsches Wörterbuch. Seit fünf Jahren beschäftigt sie sich mit einem handschriftlichen Repertorium aus dem 17. Jahrhundert, insgesamt 300 Seiten dick. „Das ist ein alphabetisches Nachschlagewerk, das Stichworte mit Aktenhinweisen zu bestimmten Aspekten oder Vorkommnissen beinhaltet“, erzählt die Güstrowerin.

Unter anderem gehören dazu herzogliche Verordnungen oder Befehle, die auf Güstrow bezogen sind. Ob Informationen von der Kämmerei, Vorfälle bezüglich der Polizei, Kirchen- oder Schulsachen – hier gibt es vieles zu entdecken. Oft ist die altdeutsche Schrift nicht so gut zu lesen oder es stehen Abkürzungen, die auch nicht sofort zu erklären sind. Doch für Annaliese Soltwedel ist genau das Ansporn.

Seit fünf Jahren ist die 70-Jährige mit einer Arbeit des Güstrower Archivs beschäftigt. Und das im Ehrenamt. 2010 hatte sie ihr Berufsleben im Archiv Güstrow beendet und zugleich diese ehrenamtliche Arbeit begonnen. „Es ist die Neugierde, die mich treibt, Dinge zu erfahren, die auch für mich unbekannt sind“, erzählt Annaliese Soltwedel. So war sie doch erstaunt über den Einsatz eines „spanischen Mantels“ in der Gerichtsbarkeit. „Für sehr geringe Vergehen wurden Menschen in diesen Mantel aus Metall mit Nägeln gesteckt. Das ist erschreckend“, sagt sie.

Seite für Seite des handschriftlichen Werkes wird von Annaliese Soltwedel in den Computer eingearbeitet. Dafür hat sie sich extra einen Laptop angeschafft. Die Seiten des Repertoriums hat sie für sich und die Nachwelt kopiert, um auch zu Hause daran arbeiten zu können. Inzwischen ist sie bei über 500 Computerseiten angekommen. Der Vorteil, wenn das nun digital aufbereitet ist, liegt auf der Hand. Dann kann viel leichter nach einem Namen oder einem Stichwort gesucht werden.

Geboren wurde Annaliese Soltwedel in Wozinkel und wuchs in Lübz auf. Nach Güstrow kam sie durch die Liebe. Mit Werner Soltwedel geht sie seit 1969 gemeinsam durchs Leben. Ein Sohn und eine Tochter gehören zur Familie und inzwischen wurde diese auch mit einer Enkelin komplettiert.

Für Annaliese Soltwedel gehört aber auch der Garten zum Leben dazu. Nur im Sessel sitzen möchte sie nicht. Die Archivarbeit hat ihr immer Freude bereitet und so ist es auch im Ruhestand. Inzwischen hat sie ihre Bereitschaft zur ehrenamtlichen Arbeit für ein Jahr verlängert. Somit wird sie noch einiges dafür tun, damit Güstrows Geschichte aufgearbeitet wird.  


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