Biodiversität : Die Nebel Thema in ZDF-Doku-Reihe

Für die Warnowschifffahrt bis Rostock müssen Naturschützer, Touristiker und Behörden die Entscheidung fällen. Für Roland Blum und Kameramann Raffael Müller ist das Thema der Doku.
Für die Warnowschifffahrt bis Rostock müssen Naturschützer, Touristiker und Behörden die Entscheidung fällen. Für Roland Blum und Kameramann Raffael Müller ist das Thema der Doku.

Der Filmemacher Roland Blum begann Sonntag die Dreharbeiten / Ausstrahlung im Format „planet e“ zum Tag der Biodiversität am 22. Mai 2016

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12. August 2015, 06:00 Uhr

„Die Nebel“ lautet der Titel einer Dokumentation im ZDF. Sie soll am 22. Mai 2016 zum Tag der Biodiversität (Artenvielfalt) ausgestrahlt werden. Der Filmemacher und Kameramann Roland Blum will in der Umwelt-Dokureihe „planet e“ eine Erfolgsgeschichte des artenreichsten Gewässers in Mecklenburg seit der Wende nachzeichnen. Der Film folgt ihrem Wasser von der Quelle im Malkwitzer See, über die Warnow bis zur Mündung bei Warnemünde in die Ostsee. Roland Blum interessiert vor allem die Wasserqualität. Das Spannungsfeld ergibt sich für ihn dabei in erster Linie aus der Landwirtschaft. Blum: „Forellenzucht, Gülle aus der Massentierhaltung, Insektizide, Pestizide und der Einsatz künstlicher Düngemittel in der Agrarindustrie, das addiert sich heute zur größten Belastung.“

Von Sonntag bis gestern machte Blum die ersten Aufnahmen in der Region. Mit Maik Wuttge, Inhaber der Teichwirtschaft Dobbin, drehte er an den Quellseen der Nebel im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Hier beginnen Blums Betrachtungen. Zweite Station war am Nachmittag die Landwirtschaft von Olaf Baldermann. Der Dobbiner ist für Blum interessant, weil er auf 600 Hektar Ökolandbau und auf 1000 Hektar konventionelle Landwirtschaft betreibt. „Ich will in diesem Betrieb zeigen, wie ein Landwirt eine Doppelrolle spielt und letztlich die Balance zwischen Weidewirtschaft mit Schaf- und Mutterkuhhaltung und Ackerbau auf ertragsschwachen Böden hält“, sagt Blum. Baldermann ist für ihn ein Beispiel, wie beides in der Zukunft zusammen funktionieren kann, ohne „beide Seiten zu verdammen“.

Von der Quelle bis zur Mündung unterwegs

Am Montag machte Blums Team mit Kameramann Raffael Müller und Toningenieur Tobias Schinko allerdings einen großen Sprung im Drehbuch. Es verließ die Nebel und erlebte mit dem Trimaran „Warnowlöper“ eine Bootstour mit elektrischer Antriebskraft von Bützow nach Schwaan auf der weitgehend naturbelassenen Warnow. Eine sanfte Tour, aber trotzdem bleibt das Problem: Naturschützer und Touristiker sind zwar seit Jahren im Dauergespräch, aber das große Ziel, mit einem solchen E-Boot bis nach Rostock zu schippern, ist bisher verwehrt worden. Der Grund: Die Warnow und davor eben die Nebel liefern das Trinkwasser für die größte Stadt des Landes. Entsprechend hoch sind die Standards und die Forderungen an die Anlieger. Roland Blum: „Deshalb ist auch das ein Stück unseres Konzeptes, denn die Qualität des Trinkwassers und auch die des Meerwassers wird von Zuflüssen wie der Nebel bestimmt.“ Allerdings: Das Trimaran-Angebot gibt Hoffnung. Das Wasserfahrzeug mit drei Schwimm-Körpern und zwei E-Motoren gibt es seit dem 1. Mai. 26 Touren stehen im Logbuch. „Es läuft gut. Wir sehen uns auf dem richtigen Weg, einen lang gehegten Wunsch nach einer Schifffahrt bis Rostock zu erfüllen“, sagt Joachim Schauer, Gesellschafter der Warnow Tourismus GmbH. Die arbeitet in einer öffentlich-privaten Partnerschaft, in der auch die Städte Bützow und Schwaan mitwirken. Es geht um ein neues touristisches Angebot. Auch Schwaans Bürgermeister Mathias Schauer steht er für das Ziel und hofft auf ein positives Signal der Genehmigungsbehörden.

Dritte Station für das Blum-Team war gestern die neue Fischaufstiegsanlage in Parum in unmittelbarer Nähe des neuen Brückenbauwerkes über den Güstrow-Bützow-Kanal (SVZ berichtete).

Sequenzen der Doku „Mitgift“ fließen ein

Weitere Drehtage werden sich bis April nächsten Jahres anschließen. Blum wird Hohen Wangelin besuchen, wo zu DDR-Zeiten 20 000 Mastrinder die Nebel belasteten und auch heute noch 4000 Rinder in den Ställen stehen. Der Film führt weiter nach Krakow am See, speziell zum Obersee, ebenso zum Nebeldurchbruchstal, wo die Vielfalt des Flusses mit über 30 Arten, darunter die Flussmuschel und das stark bedrohte Neunauge, besonders deutlich wird.

In Güstrow interessiert Blum die riesige Biogasanlage an Rande der Stadt, die er als neues Umweltproblem sieht. Ebenso wird Blum die Altlasten des Landtechnischen Instandsetzungswerkes, die immer noch eine schlummernde Gefahr für die Nebel darstellen, in Szene setzen. Blum: „Nur ihre große Regenerationskraft erhält ihr bisher sehr gute Werte.“

In die Dokumentation werden Sequenzen einfließen, die Roland Blum für seine Doku „Mitgift“ 1990, 2000 und 2013 in Güstrow, Krakow am See und Charlottenthal drehte (wir berichteten). Der Film wurde zum 25. Jahrestag der Wende fertig und ist weiterhin deutschlandweit in Kinos bzw. im Fernsehen zu sehen.
 

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