zur Navigation springen

Wolfsbeauftragte in Güstrow : Die mit den Wölfen heult

vom

Diplombiologin Kristin Zscheile ist die einzige Wolfsbeauftragte im ganzen Nordosten. Im Gegensatz zur Lausitz oder zu Brandenburg ist MV eher ein Wolfs-Entwicklungsland. Ganze drei Tiere sind mit Sicherheit bekannt.

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2012 | 06:10 Uhr

Güstrow | Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Egal, ob Eltern oder Großeltern die Märchen "Rotkäppchen" oder "Der Wolf und die sieben Geißlein" erzählen - der Wolf oder Isegrim, wie er im Märchen heißt, ist darin immer der Böse, der am Ende bestraft wird und nicht selten sein Leben lassen muss. "Der Wolf im Märchen ist nicht derselbe, der durch unsere Wälder streift. In der Literatur werden ihm menschliche Eigenschaften unterstellt, er wird als böse und hinterlistig stigmatisiert", hält Kristin Zscheile dagegen. Die Diplombiologin ist im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV (Lung) in Güstrow Sachbearbeiterin für Arten- und Lebensraumschutz "Natura 2000" und für das Wolfs-Monitoring verantwortlich. Sie ist damit die einzige Wolfsbeauftragte im ganzen Nordosten.

Akzeptanz für den Wolf in MV schaffen

Laut Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Festlegungen ist der Europäischen Union alle sechs Jahre über den Zustand von geschützten Arten und Lebensraumtypen zu berichten. Der Wolf gehört zu einer dieser geschützten Arten. "Unsere Aufgabe ist es, der Öffentlichkeit Informationen zur Verfügung zu stellen und eine Akzeptanz für den Wolf zu schaffen", erklärt die 41-Jährige ihre Arbeit. Dabei weiß die "Wolfsflüsterin" nur zu gut, dass Meister Isegrim die Gesellschaft spaltet. Da sind die einen, die den Wolf als Gefahr sehen und vehement die Erlaubnis zum Abschuss fordern. Und da sind Naturschützer, wie Kristin Zscheile selbst, die sagen, dass der Wolf mit dem Wildreichtum in unseren Wäldern gut klar kommt und einfach in unsere Landschaft gehört. "Natürlich müssen Vorkehrungen getroffen werden, um Nutztiere zu schützen", sagt die Wolfsexpertin. So könnten Schäfer beruhigt schlafen, wenn die Tiere des Nachts von allen Seiten durch einen Elektrozaun oder feste Zäune mit Untergrabschutz gesichert seien. Berufsschäfereien empfiehlt sie, den Einsatz von Herdenschutzhunden zu prüfen. Diese Tiere verbleiben die ganze Nacht bei der Herde und wirken schon durch ihre Präsenz für die Wölfe abschreckend.

Nur drei Tiere mit Sicherheit bekannt

Im Gegensatz zur Lausitz oder zu Brandenburg ist Mecklenburg-Vorpommern allerdings eher ein Wolfs-Entwicklungsland. Ganze drei Tiere seien mit Sicherheit bekannt: seit 2007 je ein allein lebender Wolf in der Lübtheener und der Ueckermünder Heide. "Ein dritter Wolf lebt auf der ehemaligen Bombodrom-Fläche und kann durchaus nach Mecklenburg pendeln", sagt Kristin Zscheile. Dazu kommen immer mal wieder Wanderwölfe, die das Land passieren.

"Auf keinen Fall ist es so, dass wir ein Programm zur Wiederansiedlung des Wolfs betreiben. Er ist Bestandteil der heimischen Fauna und wir beobachten diese natürliche Entwicklung", sagt die Biologin. Das Landesamt in Güstrow hat ein Netz von Wolfsbetreuern aufgebaut. Dazu wurden 42 Mitglieder aus Jagdvereinen sowie Mitarbeiter von Forstämtern und Großschutzgebieten extra geschult. "Wer glaubt, die Fährte eines Wolfs oder seine Losung entdeckt oder vielleicht das Tier selbst gesehen zu haben, sollte sich an uns oder an einen der Experten wenden", sagt Kristin Zscheile. Mehr Informationen zu Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern stehen auf der Internetseite www.wolf-mv.de.

Wolf muss nicht böse und hinterlistig sein

Für das im Güstrower Natur- und Umweltpark im Aufbau befindliche Wolfs-Informationszentrum findet die Biologin aus dem Lung lobende Worte. "Die Tiere werden in der Raubtier-WG bestens präsentiert und die Umweltpädagogen des Natur- und Umweltparks leisten eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit", bestätigt sie. Übrigens erzählt Kristin Zscheile auch ihren beiden Kindern zu Hause gern das eine oder andere Märchen. Der Wolf ist darin aber nicht böse und hinterlistig, wie es sonst in Märchen üblich ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen