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Kontrollverein Güstrow : Die Milch ist spitze, der Preis nicht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kontrollverein Güstrow zeichnet zehn Milchviehbetriebe mit begehrtem Gütesiegel aus.

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Milch ist das am meisten kontrollierte Lebensmittel – und das zurzeit am schlechtesten bezahlte. Diese Klage erheben gerade nahezu alle Milchviehbetriebe. „Das geht teilweise schon an die Existenz der Betriebe“, sagt Christine Weiß, Vorsitzende des Kontrollvereins Güstrow im Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung MV (LKV). 21 Cent gibt es gerade pro Liter Milch. Seit einem halben Jahr registriert Weiß einen Preisabsturz. Trotz dieser schweren Zeit, wie sie sagt, lud die Vorsitzende des Kontrollvereins gestern nach Güstrow, um zehn Milchviehbetriebe mit dem Gütesiegel 2015 des LKV auszuzeichnen.

Von 38 Mitgliedsbetrieben im Kontrollverein Güstrow erfüllten vergangenes Jahr zehn die hohen Qualitätskriterien für das Gütesiegel (siehe Hintergrundkasten). „15 bis 20 Proben werden von einem Betrieb pro Monat genommen und alle Proben müssen hohen Standards entsprechen“, erläutert Leistungsinspektorin Angelika Fraß. Mit dem Gütesiegel werde die Arbeit der Betriebe anerkannt. „Zudem zeigt es, mit welch hoher Qualität hier Milch erzeugt wird“, sagt sie.

Doch Christine Weiß legte den Finger gestern auch in die Wunde. Sie weiß wovon sie spricht, da sie gleichzeitig Anlagenleiterin bei der Agrofarm Lüssow ist, die gestern ebenfalls das Gütesiegel erhielt, übrigens schon 14 Mal in Folge. 60 Mitarbeiter kümmern sich hier um 850 Milchkühe. „Es ist schwer für uns, bei diesen niedrigen Milchpreisen, die Kosten in den Griff zu bekommen“, so Weiß. „Wir müssen an allen Ecken und Enden sparen.“ Mindestens 40 Cent pro Liter Milch bräuchten die Landwirte, ist die Fachfrau überzeugt. Nur so könnten die Kosten für Energie, Wasser, Futter, die Wartung und Modernisierung der Milchanlagen oder auch für den Kuhkomfort auch langfristig finanziert werden.

Auch aufgrund der niedrigen Milchpreise sinkt die Anzahl der Mitgliedsbetriebe im Kontrollverein Güstrow. Waren es 2014 noch 45 Mitglieder, sind es aktuell nur noch 38. „Definitiv zwei Betriebe haben aufgrund des Milchpreises aufgehört. Zudem bringt der Verkauf von Kühen derzeit kaum Erlöse“, sagt Christine Weiß. Allgemeiner Trend ist zurzeit: es gibt immer weniger Milchviehbetriebe. Die werden gleichzeitig aber immer größer, weil es sich rentieren muss, erläutert Angelika Fraß. Der Kuhbestand in den einzelnen Betrieben steigt also. Derzeit haben die 38 Mitgliedsbetriebe im Kontrollverein Güstrow 18 104 Kühe.

 

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