zur Navigation springen

20 Jahre Frauenschutzhaus Güstrow : Die Mauer häuslicher Gewalt sehr hoch

vom

Zweifel, Hoffnung, Einsamkeit, Angst, Gewalt und Kompetenz - die Mauer häuslicher Gewalt ist sehr hoch, die Frauen zu überwinden haben, die von ihrem Männern misshandelt und missbraucht werden.

svz.de von
erstellt am 23.Nov.2011 | 10:01 Uhr

Güstrow | Zweifel, Hoffnung, Einsamkeit, Angst, Gewalt und Kompetenz - die Mauer häuslicher Gewalt ist sehr hoch, die Frauen zu überwinden haben, die von ihrem Männern misshandelt und missbraucht werden. Eine szenische Lesung verdeutlichte das gestern bei der Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Güstrower Frauenschutzhauses.

Eine Möglichkeit bietet die Güstrower Einrichtung, die zu einem Netzwerk im Land (siehe Stichwort) gehört. Der gemeinnützige Verein Arche für Frau und Familie ist Träger des Frauenschutzhauses, der Männer- und Gewaltberatung und der Ladenwerkstatt "Im Speicher". "Der Verein verfolgt im Interesse der Opfer häuslicher Gewalt das Ziel Gewalt zu Hause zu beenden, den Gewaltkreislauf zu durchbrechen, Frauen beim Verarbeiten ihrer Gewalterfahrungen zu unterstützen sowie gewalttätigen Männern durch Beratung alternative Konfliktlösungen zu ermöglichen", umriss Leiterin Karin Wien gestern die Aufgaben.

907 Frauen und 936 Kindern Schutz geboten

In den 20 Jahren bot das Haus 907 Frauen und 936 Kindern Schutz. In diesem Jahr waren es bisher 38 Frauen und 36 Kinder. Gegenwärtig leben dort sechs Frauen und drei Kinder. Darunter eine 34-jährige Frau mit ihrem siebenjährigen Jungen. Beide wurden vom Mann und Vater oft unter Einfluss von Alkohol verprügelt und seelisch gequält. Karin Wien: "Der Mann setzte sie aber auch ökonomisch unter Druck. Damit erlebten sie alle Facetten der Gewalt." Als sich die Frau aber unter Zwang im Jobcenter lügen und sich Geld erschleichen sollte, reichte es ihr und sie suchte das Frauenschutzhaus auf. "Bei uns sind solche Frauen und Kinder gut aufgehoben und ich wünsche mir auch für die Zukunft, dass Frauen diesen Schritt zu uns gehen, den Mut beweisen, denn Mut ist notwendig, und an ihrem Ziel festhalten, zu einem eigenen Leben frei von Gewalt zurückzukehren", wünscht sich Mitarbeiterin Sigrun Schippmann für die Zukunft.

Ein Problem war in den 20 Jahren aber immer die Finanzierung der Einrichtung. Zu wenig Geld werde bereitgestellt, moniert Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt. Vor allem seien es die Kommunen, die in der Hilfskette, die bei der EU beginnt, am Ende stehen und oft allein gelassen werden. Schuldt: "Das darf nicht so weitergehen." Denn jedes Einfrieren von Geldern bedeute letztlich eine Kürzung.

Auch Roswita Dargus, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, betonte, dass " finanzielle Nöte drücken", Verbesserungen nötig seien und das Personal - drei Mitarbeiterinnen sind im Frauenschutzhaus - am Limit arbeite.

In diesem Jahr beträgt der Etat des Frauenschutzhauses 170 000 Euro. 50 Prozent kommen vom Land, 25 Prozent geteilt vom Landkreis und der Kommune und 25 Prozent sind Eigenmittel aus den Mieten. Sigrun Schippmann: "Das reicht, aber der Knackpunkt sind die Eigenmittel. Es wird immer schwerer sie aufzubringen."

Karsten Luckmann, Leiter der Führungsgruppe der Polizeiinspektion Güs trow, betonte, dass "Häusliche Gewalt" besonders gegen ältere Frauen - das ist das Thema der Anti-Gewalt-Woche, die bis Freitag läuft - sehr aktuell sei und es mit Stalking z.B. neue Formen der Gewalt gegen Frauen gebe. "Wir tun viel gegen häusliche Gewalt, aber wir müssen am Ball bleiben", sonst verliere man den Anschluss, so Luckmann in einer Gesprächsrunde mit Vertretern der Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Polizei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen