Gemeindefusionen? : Die Kleinen pfeifen auf Prämie

Nur im Amt Güstrow-Land gibt es Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern.  Grafik: Stepmap, 123map, OpenStreetMap, ODbL 1.0
Nur im Amt Güstrow-Land gibt es Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern.

Das Land stößt die Debatte um Gemeindefusionen mit „Hochzeitsgeld“ erneut an , dennoch schwören die Gemeinden eher auf ihrer Eigenständigkeit.

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15. Januar 2016, 06:44 Uhr

Mit 268 Einwohnern ist Klein Upahl in der Region um Güstrow die kleinste Gemeinde – ein Umstand, der den Klein Upahlern keine Sorgen bereitet. Sich einer benachbarten Gemeinde anzuschließen ist hier kein Thema, auch wenn in der Kommunalverfassung 500 Einwohner als Richtgröße für eine effektive Verwaltung genannt sind und wenn die Landesregierung mit dem Leitbild „Gemeinden der Zukunft“ – noch nicht beschlossen, aber in der Diskussion – freiwillige Gemeindefusionen nun wieder mit einem „Hochzeitsgeld“ von 200 000 Euro unterstützen möchte. Der finanzielle Trumpf in der Hand der Landesregierung sticht in der Güstrower Region augenscheinlich nicht. Der Tenor hier: Eigenständig bleiben solange es geht.

„Es ist eine kleine Gemeinde, aber es geht uns gut“, sagt Klein Upahls Bürgermeister Uwe Tessenow. Dabei sieht Tessenow die Gemeinde im Vorteil. Keine Altlasten aus DDR-Zeiten würden drücken. „Wir haben keine gemeindeeigenen Wohnungen, keine Kita, keine Schule“, zählt er auf. In den 1990er-Jahren habe sich Klein Upahl gut entwickelt. Das Geschaffene sei jetzt zu erhalten. Viele Bürger seien bereit, dabei mit anzupacken.

Als Vorsteher des Amtes Güstrow-Land bewertet Tessenow das Thema Fusionen insgesamt nicht brennend. Die Gemeinden seien „so wie sie sind gut aufgestellt“, meint Tessenow. Und: „Eine gesunde Gemeinde wird sich nicht mit einer kranken zusammenschließen und zwei Kranke werden nicht automatisch gesund.“ Güstrow-Land ist im Südteil des Landkreises das einzige Amt mit Gemeinden unter 500 Einwohnern: Klein Upahl (268), Reimershagen (391), Glasewitz (422), Groß Schwiesow (321), Kuhs (305), Sarmstorf (494).

„Was sollte mit einem Zusammenschluss besser werden?“, fragt sich Jens Kupfer, Bürgermeister in Reimershagen und vermag darauf nicht zu antworten. Er erinnert sich, dass sein Vorgänger im Amt seinerzeit mit Fusionsgedanken auf Widerstand bei den Einwohnern gestoßen war. „Wir schwimmen nicht im Geld, aber wir können noch vernünftig arbeiten“, resümiert Kupfer.

Genauso sieht es Grit Goldbach, Bürgermeisterin in Glasewitz. Ein „Hochzeitsgeld“ sieht sie nicht als großen Anreiz. „Das ist doch schnell ausgegeben“, meint sie. Dabei räumt sie ein, dass Zusammenschlüsse selbstverständlich ein Weg wären, um „Kosten zu sparen und Vorgänge zu optimieren“. Aber: „Es fühlt sich gut an so wie es jetzt ist.“

Kein Thema war eine mögliche Fusion bisher in der Gemeinde Kuhs. „Das müssten wir erst einmal in der Gemeindevertretung besprechen“, betont Bürgermeister Gunnar Gaffke.

Laage: statt zehn nur noch vier Gemeinden

„Wir waren mal zehn Gemeinden im Amt Laage und sind jetzt noch vier“, stellt Amtsvorsteher Günter Schink fest und schlussfolgert daraus, dass das Amt damit „seinen Beitrag zur Konzentration geleistet“ habe. Er sehe „absolut keinen Bedarf“. Die kleinste Gemeinde im Amt ist Hohen Sprenz mit 573 Einwohnern. Selbst in Diekhof – mit 940 Einwohner zwar groß genug, aber finanzschwach –, wo man im vergangenen Jahr eine Fusion ernsthaft erwogen hat, reagiert man verhalten. 200 000 Euro würden die Gemeinde nicht retten. „Ein Erlass der Altschulden würde uns eher helfen“, sagt Bürgermeister Rolf Matschinsky.

Ebenso gibt es auch im Amt Krakow am See keine Kommune unter der magischen Grenze. Hier rangiert Dobbin-Linstow mit 534 Einwohner nahe der Richtgröße. Wilfried Baldermann, Bürgermeister und Amtsvorsteher, sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, weder für seine Gemeinde noch für das Amt. „Die Zeit ist nicht reif dafür“, schätzt er ein.

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