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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 07:37 Uhr

Sozialpreis : Die Dirigentin der guten Seelen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Dr. Heidrun Niemann aus der Gemeinde Warnkenhagen erhält den Siemerling-Sozialpreis 2015, den einzigen Preis dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern

„Es trifft genau die Richtige“ lautete die erste Reaktion in der Gemeinde Warnkenhagen, als die Neubrandenburger Dreikönigsstiftung ihre Entscheidung bekannt gab, den Siemerling-Sozialpreis 2015 an die 76-Jährige Dr. Heidrun Niemann zu vergeben. Es handelt sich um den einzigen Sozialpreis in Mecklenburg-Vorpommern.

Als Heidrun Niemann 1997 von Leipzig, wo sie an der Universität Qualitätsmanagement unterrichtet hatte, in den Warnkenhagener Ortsteil Neu Tenze zog, brachte sie buchstäblich viel frischen Wind mit. Zunächst solidarisierte sie sich nämlich mit den Bürgern, die gegen das Aufstellen von Windkrafträdern in ihrer Region protestierten. Danach nahm sie die alte Gaststätte von Gottin ins Visier. Als die Kneipe, in der früher auch Post und Friseur untergebracht waren, 1996 geschlossen wurde, hatte das Dorf auch seine letzte Begegnungsstätte verloren. Heidrun Niemann überzeugte die Gemeindevertreter, das Haus zu sanieren und als Bürgerhaus zu nutzen. Als Träger fungiert ein Förderverein, der sich 2001 gründete und an dessen Spitze Heidrun Niemann steht. Mittlerweile organisiert der 85 Mitglieder zählende Verein um die 200 Veranstaltungen.

Viele hat Heidrun Niemann angeregt, an fast allen ist die 76-Jährige an vorderer Front beteiligt. Da wurden ein Gartenkreis, ein Frauentreff und eine Frauensportgruppe gegründet, regelmäßige Ausstellungen im Bürgerhaus veranstaltet, ein Fußballturnier zum 1. Mai organisiert und das Erntedankfest zum Volksfest mit Umzug, Kirchbesuch und Grillnachmittag entwickelt. Einmal in der Woche beherbergt das Bürgerhaus die Teterower Tafel, die Nahrungsmittel an Bedürftige ausgibt.

Der größte Clou gelang Heidrun Niemann 2008, als sie das Internationale Sommerfestival Johann Heinrich von Thünen ins Leben rief. Seitdem finden Jahr für Jahr hochkarätige Musiker den Weg in die Mecklenburgische Schweiz. „Alle diese Aktivitäten bereichern das Leben in unserer Gemeinde ungemein“, sagt Renate Hippauf, stellvertretende Vereinsvorsitzende, und fügt an: „Es gibt hier viele gute Seelen, die sich engagieren. Dafür braucht es einen Dirigenten – und das ist Heidrun.“

Daneben ist Heidrun Niemann ein Meister im Akquirieren von Projekten. 23 sind es, die sie seit 2000 nach Warnkenhagen geholt hat. Zu den ersten Projekten gehörte der Aufbau des Lernortes Gottin in dem gemeinsam mit dem Bildungsträger Bilse realisierten Projekt „Lernen auf dem Lande“. „Bei Projekten, die der Gemeinde nützen, befindet sich Heidrun im Stand-By-Modus. Ein Vorhaben hat sie immer in der Schublade“, weiß Renate Hippauf. Das liegt auch daran, dass die Vereinschefin über den Tellerrand der Gemeinde schaut. Sie arbeitet mit in Arbeitsgruppen des Büros für Chancengleichheit des Landkreises Rostock, lernt auf Ehrenamtsmessen potenzielle Partner für Zusammenarbeit kennen und ist Vorreiterin beim Aufbau eines Netzwerks für Vereine. Ministerpräsident Erich Sellering hörte zu, als Heidrun Niemann während eines Werkstattgesprächs ihre Vorstellungen für eine Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement erläuterte.

Nun erhält sie für ihr eigenes ehrenamtliches Engagement am 10. März in Neubrandenburg den Siemerling-Sozialpreis.

 





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