Sprachstörungen : Die Angst davor, etwas zu sagen

Trotz Sprachschwierigkeiten singen  auch Anni und Roland Cicha (2. u. 3. v. r.).
Trotz Sprachschwierigkeiten singen auch Anni und Roland Cicha (2. u. 3. v. r.).

Aphasiker-Selbsthilfegruppe Güstrow/Bützow feierte Fasching / Monatliche Treffen offen für jeden

svz.de von
04. März 2014, 06:00 Uhr

Sie haben oftmals schwere Zeiten hinter sich. Doch jetzt ließen die Frauen und Männer der Aphasiker-Selbsthilfegruppe Güstrow/Bützow dies nicht spüren. Sie feierten gemeinsam im Reha-Zentrum im Werkweg in Güstrow Fasching. Mit Schunkelliedern und fröhlicher Maskerade ließen sie alle Sorgen ein Stück weit hinter sich.

Schon das gemeinsame Schunkeln bei solch einer Feier ist für einige Betroffene Hochleistungssport. Oftmals beeinträchtigt die Aphasie – eine Sprachstörung – auch die Motorik von Arm und Bein der rechten Seite. Dabei liegt die Ursache der Aphasie entweder in einem Schlaganfall begründet, einem Verkehrsunfall oder einem Gehirntumor. „Das kann jeden treffen“, sagt Andrea Groß. Die 53-Jährige aus Bützow hatte vor 13 Jahren einen Schlaganfall, ausgelöst wurde er durch eine Thrombose. „Damals konnte ich zuerst gar nicht sprechen, doch nach einer Zeit ging es wieder, aber nur langsam“, erzählt sie. Dabei wisse der Kopf genau, was zu sagen ist, doch man könne es eben nicht aussprechen.

Paul Herrmann (79) aus Güstrow hatte im Jahr 2000 Gehirnbluten, zwei Jahre später kam noch ein Schlaganfall hinzu. „Ich gehe immer einmal in der Woche zum Sport“, erzählt der agile Güstrower, der wieder recht gut sprechen kann. Anders bei Rüdiger Käding (61) aus Güstrow, der 2004 einen Schlaganfall erlitt. „Zwei Jahre lang ging gar nichts mehr“, erinnert er sich. Für ihn sei diese monatliche Zusammenkunft in der Aphasikergruppe sehr wichtig. „Ich komme raus und sehe Leute, denen es ähnlich wie mir geht oder schlechter“, sagt er.

Das sei überhaupt das Wichtigste für Betroffene: Raus zu kommen und am gesellschaftlichen Leben ein Stück weit teilzunehmen. Das sei manchmal im „normalen“ Leben schwierig. „Wenn uns Leute reden hören, denken sie, wir seien nicht ganz normal“, erzählt Andrea Groß. Genau darum trauten sich manche eben nicht, etwas zu sagen.

Die regelmäßigen Treffen in Güstrow werden vom Aphasiker-Zentrum mit Sitz in Plau am See organisiert. Die Treffen sind offen für jeden. Ansprechpartner ist Ingrid Freier, unter Telefon 03 87 35/8 61 30 oder per E-Mail plau@aphasie-mv.de.

Nächste Vorhaben stehen schon fest: Am 17. März wird um 16 Uhr eine Ausstellung im Rostocker Rathaus eröffnet, die von Aphasikern gestaltet wurde. In Arbeit ist zudem ein kleines Buch, Titel „Mein Lieblingsgericht“. Und bereits am 15. März werden die Aphasiker auch bei der Ehrenamtsmesse im Güstrower Bürgerhaus mit dabei sein.


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