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Güstrow : Diakonie-Tagesstätte schließt endgültig

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Morgen erhält die Diakonie Güstrow das europäischen Qualitätssiegel "Committed to Excellence", womit dem Diakonieverein eine hohe Qualitätsentwicklung bescheinigt wird. Doch in die Freude mischt sich auch Trauer.

Güstrow | Morgen erhält die Diakonie Güstrow das europäischen Qualitätssiegel "Committed to Excellence", womit dem Diakonieverein eine hohe Qualitätsentwicklung bescheinigt wird. Doch in die Freude mischt sich gerade jetzt zur Weihnachtszeit auch Trauer. Denn gleichzeitig mit dem Qualitätssiegel kommt die bereits erwartete Hiobsbotschaft für die Tages- und Begegnungsstätte des Diakonievereins Am Berge in Güstrow. Nach 16 Jahren schließt diese für sozialschwache Menschen so wichtige Anlaufstelle in der Barlachstadt am 31. Dezember endgültig. Grund: Nachdem der Landkreis bereits 2008 seine Zuschüsse gestrichen hatte (SVZ berichtete) erhalten Hilfesuchende für den teilstationären Bereich der Tagesstätte keine finanziellen Leistungen mehr. Der Diakonieverein kann das Angebot wie bisher mit eigenen finanziellen Mitteln nicht mehr aufrechterhalten.

Das Qualitätssiegel, das morgen um 17 Uhr bei einer Feierstunde im Bürgerhaus übergeben wird, bescheinigt der Diakonie Güstrow, dass durch das Engagement aller Mitarbeiter, durch regelmäßige Reflexion und Verbesserung ein hohes Maß an Qualität erarbeitet worden ist. Dieses Engagement haben auch die Mitarbeiter der Tages- und Begegnungsstätte in ihrer Arbeit tagtäglich unter Beweis gestellt. Vor allem auch Uwe Kullmann, der die Tagesstätte 1996 mit aufbaute. Die Verbitterung über die Schließung ist dem 52-Jährigen anzumerken. "Ich bin immer mit Freude zur Arbeit gegangen, bereue keinen Tag", sagt er. Er schuf eine Anlaufstelle für viele, deren Leben in eine bedrohliche Schieflage geraten war. Überschuldete Menschen, Alkoholkranke, Vereinsamte oder Obdachlose erhielten hier eine warme Mahlzeit, konnten duschen oder ihre Wäsche waschen, fanden Beratung und Hilfe und wurden in wichtigen Angelegenheiten von den Mitarbeitern der Tagesstätte zu Behörden und Ämtern begleitet. Vor allem an den Feiertagen und besonders Weihnachten war die Diakonie Am Berge ein wichtiger Fluchtpunkt für viele Verzweifelte. "Auch dieses Jahr am Heiligen Abend gibt es bei uns wieder eine warme Mahlzeit und Kaffee und Kuchen. Es kann ordentlich gegessen werden - allerdings zum letzten Mal", sagt Kullmann.

Seit dem Rückzug des Landkreises aus der Finanzierung für den teilstationären Bereich hat sich die wirtschaftliche Situation der Tagesstätte kontinuierlich verschlechtert, so Christoph Kupke, Vorstand des Diakonievereins Güstrow. Der Verein finanziert die Einrichtung größtenteils selbst. "Neben diesen laufenden Kosten wären dringende Investitionen zur Sanierung des Hauses nötig. Die Mittel, die der Diakonieverein Güstrow dafür aufbringen müsste, lägen bei ca. 50 000 bis 70 000 Euro", ergänzt Kupke. Lange sei nach einer Lösung für die Tagesstätte gesucht worden. "Aufgrund des hohen Finanzierungsbedarfs konnten wir aber keine finden", sagt Kupke.

Die bisherigen Klienten der Tagesstätte sollen künftig von Mitarbeitern der Sucht- und Drogenberatungsstelle ambulant weiterbetreut werden. Vor drei Jahren hatte die Diakonie bereits ihre Begegnungsstätte in Bützow geschlossen, weil das Geld vom Landkreis ausblieb.

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erstellt am 01.Dez.2011 | 10:27 Uhr

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