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Besuch im Flüchtlingsheim : Deutschkenntnisse unerlässlich

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

MV-Integrationsministerin und Landrat besuchten gestern ehrenamtlichen Deutschunterricht im Asylbewerberheim in Güstrow

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erstellt am 09.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Namen, Fragen, Beruf, Monat und Jahr, Entschuldigung und Bitte – die Worte hat Carmen Hahn (68) an die Tafel geschrieben. Rund um den großen Tisch sitzen ein Dutzend Männer und eine Frau. Sie kommen aus Syrien, Ghana, Albanien usw. und lernen Deutsch. Gestern Mittag endete die Deutschstunde ganz anders als sonst. MV-Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) und Landrat Sebastian Constien (SPD) waren zu Gast im Asylbewerberheim im Güstrower Waldweg, hörten sich an, welche Freuden, Erfolge und Probleme es gibt. Fazit nach knapp zwei Stunden: Wer in Deutschland leben möchte, muss die deutsche Sprache lernen. Konkreter und schneller als bisher sollte Flüchtlingen und Asylbewerbern ihre Bleibeperspektive aufgezeigt werden.

Daniel aus Ghana ist seit zwei Jahren in Deutschland. Sein Heimatland habe er aus finanziellen Gründen verlassen, berichtet er. Arbeiten möchte er. Die Ungewissheit, ob er bleiben könne oder nicht, zerre an den Nerven. Seine Chancen stünden eher nicht gut, hörte er. Auch Deutschlehrerin Carmen Hahn hat es ihm gesagt. Aber etwas Offizielles fehle, beklagt er. Neben dem Deutschunterricht bietet die 68-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Gesprächsabende in der Gemeinschaftsunterkunft im Güstrower Waldweg an. „Sie reden lassen, ihnen zuhören“, erklärt Carmen Hahn ihren Ansatz. Sie kennt die Mentalität der Afrikaner, ist selbst in Südafrika geboren und war dort zu Hause. Vor zwölf Jahren kam sie nach Deutschland. „Wir wollten uns einbringen, sind nach Mecklenburg gekommen und sind so glücklich mit dem, was wir hier tun“, betont die Ergotherapeutin und fügt hinzu, dass es doch „besser sei zu geben, denn zu nehmen“.

Wünsche an die Politik hat Carmen Hahn auf Anhieb nicht. Unterrichtsmaterialien seien ausreichend vorhanden. Zwei Frauen geben in der Gemeinschaftsunterkunft im Waldweg an vier Tagen in der Woche Deutschunterricht. Eine dritte ehrenamtliche Helferin sei avisiert. Sie werde sich eher im Einzelunterricht um Analphabeten kümmern, berichtet Heidrun Kiel, Leiterin der Asylbewerberheime am Waldweg und in der Demmlerstraße. Neben den Kursen der ehrenamtlichen Lehrerinnen würden etwa 40 von aktuell 127 Bewohnern im Waldweg professionelle Deutsch- und Integrationskurse belegen.

Nach kurzer Überlegung hat Carmen Hahn doch Wünsche. Deutschunterricht sei unerlässlich, sollte vielleicht gar verpflichtend sein. Und die Asylsuchenden müssten schneller wissen, welche Bleibechancen sie haben. „Wenn man es ihnen richtig erklärt, sind viele auch bereit, wieder nach Hause zu gehen“, denkt Carmen Hahn und sah sich gestern damit auf einer Linie mit Landrat und Integrationsministerin. Bei der Integration sehr hilfreich wären aus ihrer Sicht Patenschaften auf persönlicher Ebene. Landrat Constien stimmte zu. Verordnen könne man dieser allerdings nicht. Solche Initiativen müssten in den Kommunen wachsen.

„Deutsche Sprachkenntnisse sind unerlässlich für eine gelungene Integration“, betonte Ministerin Hesse. Und: „Der Sprachkursus in Güstrow ist ein gutes Beispiel, wie Integration funktionieren kann. Mein Dank geht an die ehrenamtlichen Lehrer vor Ort. Ihr Einsatz verdient größten Respekt.“

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