Denkmal erinnert immer noch nicht an erschossene Güstrower : Der vergessene Gedenkstein

<fettakgl>Ziemlich versteckt und unscheinbar:</fettakgl> Der Gedenkstein in der Neukruger Straße in Güstrow soll jetzt endlich neu gestaltet werden. <foto>Jens Griesbach</foto>
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Ziemlich versteckt und unscheinbar: Der Gedenkstein in der Neukruger Straße in Güstrow soll jetzt endlich neu gestaltet werden. Jens Griesbach

Dieser Gedenkstein regt nicht unmittelbar zum Nachdenken an - weil ihn kaum jemand findet. Versteckt zwischen Bäumen und hinter einer kleinen Hecke befindet er sich neben der Bushaltestelle in der Neukruger Straße.

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07. März 2013, 10:19 Uhr

Güstrow | Dieser Gedenkstein regt nicht unmittelbar zum Nachdenken an - weil ihn kaum jemand findet. Versteckt zwischen Bäumen und hinter einer kleinen Hecke steht neben der Bushaltestelle in der Neukruger Straße unscheinbar in Stein gemeißelt: "Den Opfern der Gewalt 1949 bis 1989". Schon längst sollte der Gedenkstein ausgetauscht und mit einem neuen Text versehen werden, um die Stelle zu markieren, wo 1984 zwei Güstrower den Tod durch Schüsse eines Stasi-Mannes fanden und ein weiterer schwer verletzt wurde. So wollte es im Jahr 2011 die Stadtvertretung. Denkmale sollen gegen das Vergessen ankämpfen, uns etwas Vergangenes ins Bewusstsein zurückholen, zur Mahnung, dass wir es im Jetzt besser machen. Doch das abgelegene Denkmal ist auch bei den Verantwortlichen in Vergessenheit geraten. Seit fast zwei Jahren geht jetzt der Kulturausschuss der Stadtvertretung mit dem Auftrag schwanger, einen Text für eine neue Hinweistafel zu erarbeiten, die dieses für Güstrow einschneidende Ereignis benennt. Auf dem Stein fehlt bisher jeder Hinweis darauf. Passiert ist jedoch noch nichts.

"Dieses Vorhaben ist untergegangen. Das ist nicht in Ordnung. Dafür muss man sich einfach entschuldigen", sagt Peter Hoff, Mitglied des Kulturausschusses, der sich des Projektes angenommen an. Doch er verspricht gleichzeitig Besserung: "Auf der nächsten Ausschusssitzung werden wir dieses Thema behandeln." Das ist am 8. April. Dann sollen erste Ideen für die Neugestaltung des Denkmals diskutiert werden.

Am 21. Dezember 1984 kam es vor dem Stasi-Gebäude in der Neukruger Straße zu der Gewalttat. Der damalige Stasi-Unterleutnant Werner Funk feuerte mit seiner Pistole auf die Güstrower Uwe Siatkowski, Wolf-Dieter Runge und Frank Nietsch. Siatkowski starb wenige Stunden später im Krankenhaus, Runge erlag am 24. Dezember seinen schweren Verletzungen und Nietsch wurde der Oberschenkel durch einen Schuss zerschmettert. Die Männer waren zuvor angetrunken auf die Mauer vor dem Stasi-Gebäude geklettert, hatten Staatssicherheit und den ebenfalls angetrunkenen Wachmann Funk verhöhnt. Der rastete aus und schoss. In der DDR wurde über den Fall der Mantel des Schweigens gelegt. Funk wurde nach der Wende zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Der Güstrower Bürgerrechtler Heiko Lietz initiierte im Jahr 1990 den heute noch vorhandenen Gedenkstein.

Mitte 2011 beschloss die Stadtvertretung Güstrow nach einem CDU-Antrag, den Gedenkstein in der Neukruger Straße neu zu gestalten und mit einem Hinweisschild zu versehen, der die Opfer namentlich benennt. Bürgermeister Arne Schuldt trat daraufhin mit den Hinterbliebenen in Kontakt, die dem Vorhaben zustimmten. Der Kulturausschuss bekam den Auftrag, den Text zu verfassen. Das soll jetzt endlich geschehen, sagt Peter Hoff. "Wir brauchen einen neuen Gedenkstein, nicht so einen allgemeinen. Fremde können mit dem jetzigen Text nichts anfangen und fragen sich: Was ist hier eigentlich passiert?"

Neue Textvorschläge noch nicht sehr weit gediehen

Erste Ideen gibt es: "Zum einen denken wir an einen Künstler, der eventuell eine Figur gestaltet", erklärt Hoff. "Zum anderen ist ein größerer Stein mit Platte angedacht." Auch einen Text-Vorschlag gibt es, allerdings einen sehr nüchternen: "An dieser Stelle wurden am 21. Dezember 1984 Uwe Siatkowski und Wolf-Dieter Runge durch einen Mitarbeiter der Stasi erschossen und ein dritter schwer verletzt." Hoff denkt andererseits auch an einen Gedenktext in Gedichtform. "Das müssen wir jetzt im Kulturausschuss erörtern", sagt er.

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