Regionale Wirtschaft : Der Traum von der eigenen Firma

Firmenchef Guido Wittwer zeigt Glasfaser, die einen Grundstoff für die Produkte von tools for composite bilden.
Firmenchef Guido Wittwer zeigt Glasfaser, die einen Grundstoff für die Produkte von tools for composite bilden.

Mit der Firma tools for composite hat sich Guido Wittwer einen Wunsch erfüllt. Nun produziert er auf dem einstige Stropoly-Gelände.

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03. November 2015, 06:58 Uhr

Wenn man von der Glasewitzer Straße am früheren Sitz der Stadtwerke in die Straße Zum Steinsitz einbiegt, trifft man nach wenigen Metern auf das Domizil der Firma tools for composite (tfc). An dem Platz wollte die Firma Stropoly einst Bauplatten für Wände und Möbel aus Stroh produzieren. Ganze zwei Jahre dauerte der Traum, wie im Märchen Stroh zu Gold zu spinnen, dann meldete Stropoly Insolvenz an.

Die leer stehende Halle entdeckte Guido Wittwer 2008, als er seinen Traum von einer eigenen Firma, die auf dem Gebiet der Windenergie tätig werden sollte, verwirklichen wollte. „Die große Produktionshalle entsprach meinen Vorstellungen. Wir mussten sie zwar sanieren und nachrüsten, beispielsweise mit einer Krananlage, aber Größe und Umfeld waren perfekt“, erinnert sich Wittwer. Der studierte Flugzeugbauer war 2003 maßgeblich beim Aufbau der Firma Nordex in Rostock beteiligt, hatte dort als Prokurist und Werksleiter gearbeitet, wollte aber eigene Ideen in einer eigenen Firma verwirklichen. Dazu gründete er in Schwerin die Beratungsfirma composite consult und begann mit fünf ehemaligen Nordex-Mitarbeitern die Firma tools for composite in Güstrow aufzubauen.

„tfc ist also eine Tochter der Schweriner Firma“, erklärt Wittwer, der es als großen Vorteil ansieht, wenn mit den in einer Beratung geborenen Ideen auch gleich die praktische Umsetzung angeboten werden kann. Die inzwischen über 30 Mitarbeiter stellen Modelle, Formen, Werkzeuge und Komponenten für Großbauteile aus faserverstärktem Kunststoff her. Der Fokus liegt dabei auf Rotorblättern für Windenergieanlagen, aber zu den Kunden gehören weltweit auch Abnehmer aus dem Schiff-, dem Flugzeugbau und anderen Branchen.

Einen Namen hat sich die Firma als Systemlieferant gemacht. „Unsere erfahrenen Ingenieure entwickeln für eine Aufgabenstellung die Technologie und die benötigten Werkzeuge und unterstützen vom Prototypen über die Nullserie bis hin zur Serienfertigung“, erklärt der 51-Jährige geschäftsführende Gesellschafter. So ist tfc gegenwärtig mit der Neptunwerft und dem Fraunhofer Institut Rostock an einem Forschungsprojekt beteiligt, in dem es darum geht, Stahl durch Kunststoff zu ersetzen. Die stürmische Entwicklung, die die Windenergie insbesondere seit der Energiewende in Deutschland genommen hat, erfordert auch von der Güstrower Firma ein hohes Maß an Flexibilität. Dabei hat sich die Ausstattung in der Produktionshalle in den sieben Jahren stark verändert. Über 20 Laminiertische unterschiedlicher Größe, an denen Glasfaserplatten mit Epoxydharz im Vakuuminjektions-Verfahren zu Sandwichplatten zusammengebracht werden, beherrschen den Raum. Dazu kommen CNC-Flachbettfräsen und Wasserstrahlschneidemaschinen. Eine Zuschneidemaschine wird demnächst in Betrieb gehen.

Allmählich stößt die Firma an ihre räumlichen Grenzen. Deshalb wird intensiv über Baumaßnahmen nachgedacht. „Entweder wir erweitern am jetzigen Standort oder wir bauen neu im Gewerbegebiet Am Augraben“, teilt Guido Wittwer seine Überlegungen mit. Die Entscheidung soll bald fallen.




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