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Güstrower Anzeiger

20. Oktober 2017 | 07:01 Uhr

Ehrensache : Der Oberkirchenrat von Polchow

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ehrensache“: Gerhard Zieske hat immer ein Auge auf die Kirche und hilft, wo er kann

von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Aus seinem Wohnzimmerfenster sieht er auf die Kirche. Im Sommer geht er hin, öffnet die Tür und lüftet durch. Kommen Gäste lässt er sie ein und beantwortet ihre Fragen. „Viele staunen, was für eine schöne Kirche wir haben“, erzählt Gerhard Zieske. Mit der Kirche fühlt er sich zutiefst verbunden. 30 Jahre saß er im Kirchgemeinderat. Auch heute noch hilft er, wo er kann. Die Polchower nennen ihn ob seines Engagements gern Oberkirchenrat.

„Ich bin hier fest verwurzelt, kenne jeden Strauch und jeden Baum“, sagt Gerhard Zieske (76). Er könnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. Als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg war er mit der Mutter von Pommern erst nach Tessin und Groß Ridsenow gekommen. Als sich die Möglichkeit bot in Polchow wieder in der Landwirtschaft seinen Lebensunterhalt zu verdienen, habe seine Mutter zugepackt. Noch jung an Jahren habe er die Wirtschaft der Mutter übernommen und in den Folgejahren mit der Landwirtschaft alle Entwicklungen durchgemacht.

Der christliche Glaube ist für Gerhard Zieske eine Selbstverständlichkeit. Er sei damit aufgewachsen, sei getauft und konfirmiert worden, habe geheiratet und zur Goldenen Hochzeit das Versprechen in der Polchower Kirche noch einmal erneuert. „Ich habe auch schon mit Anne-Barbara Kretschmann allein Gottesdienst gefeiert“, erzählt er. Weil niemand sonst am Sonntagvormittag in die Kirche gekommen war, erklärt er. Viele Pastoren habe er in Polchow erlebt. „Was die Kretschmanns alles schaffen, kann gar nicht genug gelobt werden“, stellt er fest. Anne-Barbara Kretschmann freut sich, dass Gerhard Zieske immer wieder „nach dem Rechten guckt“. „Er ist immer ansprechbar und hilft, soweit es in seinen Kräften steht, wie das auch weitere Polchower gern tun“, sagt die Pastorin.

Schon zu DDR-Zeiten habe er sich in Polchow engagiert. Sonst wäre das Gotteshaus wohl schon zusammengefallen, denkt er. „Auf dem Dach standen Schüsseln, um das Wasser aufzufangen. Der Putz bröckelte von der Decke und von den Wänden“, erinnert sich Gerhard Zieske. Zwischen 1986 und 1988 habe man sich unter DDR-Bedingungen gemüht die schlimmsten Schäden zu beseitigen. „Wir haben selbst eine Rüstung gebaut, damit die Maurer zum Gewölbe hinaufsteigen konnten. Das Holz hatten wir beim Förster besorgt“, schildert er ein Beispiel. Alle hätten freiwillig angepackt, kein Geld verlangt. In einem Büchlein hat Gerhard Zieske Namen und Arbeiten dokumentiert. Nach der Wende wurde die Kirche gründlich renoviert. „Das hat sich gelohnt“, schätzt der Polchower ein und ist stolz. „Egal, ob man aus Richtung Dalwitz, Wesselstorf oder Laage kommt, der Kirchturm grüßt schon von weitem“, fügt Gerhard Zieske hinzu.

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