zur Navigation springen

Ins Atelier geschaut : Der mit dem japanischen Drachen tanzt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“ / Heute Besuch bei dem Künstler Karl-Michael Constien in Jürgenshagen / Japanische Kunst und Kultur inspirieren den Maler

Die jüngste Arbeit von Karl-Michael Constien ist gerade mal wenige Tage alt: Gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Sebastian Volgmann gestaltete er den neuen Konzertraum am Jugend-Alternativ-Zentrum „Jaz“ live während der 14. Rostocker Kunstnacht als Graffiti. In seinem kleinen Atelier im Wohnhaus der Familie in Jürgenshagen dagegen zeichnet Constien derzeit an einem Greif in der Technik der alten japanischen Tuschemalerei.


Als Meisterschüler nach Japan


Beide Arbeiten, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, kennzeichnen das künstlerische Feld, das der 33-Jährige bestellt. „Ich bin mit der Graffiti-Kultur groß geworden“, erklärt der Jürgenshäger. Als freischaffender Künstler verdient er mit der Sprühdose sein Geld, gestaltet Häuserwände, Kinderzimmer oder Sporthallen.

„Die Auftragsarbeiten, bei denen ich freie Hand habe und eigene Ideen entwickeln kann, gelingen am besten“, sagt er und benennt zwei Beispiele. So sollte auf einer Hausfassade in Güstrow-Klueß nach den Vorstellungen des Bauherrn eine Landschaft entstehen. Constien überredete den Auftraggeber und schlug einen fliegenden Drachen, in Japan ein Symbol für Schutz und Sicherheit, vor. Heute ist dieser für viele ein Hingucker. Oder die Sonnenuhr, die Constien auf die Rückseite des väterlichen Hotels in Penzin sprühte. „Es ist vermutlich die erste und größte Wandsonnenuhr mit Sprühfarbe“, schmunzelt der Künstler.


Von Heinrich Johann Radeloff inspiriert


Seiner Begeisterung für die japanische Kunst ging eine den Weg des jungen Mannes prägende Begegnung voraus. Während seines Studiums an der Grafik-Design-Schule in Anklam schrieb er eine Semesterarbeit über den in Japan lebenden deutschen Künstler Heinrich Johann Radeloff. Die beiden trafen sich und fanden auf Anhieb den berühmten „Draht“ zueinander. 2003 ging Karl-Michael Constien für drei Monate als Meisterschüler Radeloffs nach Japan. 2005 folgte ein einjähriger Studienau-fenthalt im Land der aufgehenden Sonne. „Ich habe Kalligrafie im Myoren-Tempel, Ikebana in der Kuwahara-Meisterschule und die traditionelle japanische Tuschemalerei studiert. Aber vor allem habe ich mich in Japan verliebt“, bekennt Constien. Mit den Werten einer in Jahrtausenden gewachsenen Kultur, die auf Tradition, Respekt und Höflichkeit setzt, kann er sich vollkommen identifizieren. Und es ist die Fülle an Riten, Zeremonien und weitergegebenen Lebenserfahrungen, die ihn fasziniert. „Japan ist wie eine Oase der Kultur.“

Ein bisschen Japan findet Constien vor der Haustür in der von Radeloff begründeten Begegnungsstätte Schloss Mitsuko in Todendorf. Dort beteiligte er sich an Gruppenausstellungen und arbeitet ehrenamtlich als Kurator und Vorstandsmitglied im Förderverein mit. Im Lande Nippons hat Karl-Michael Constien die Arbeit mit dem asiatischen Pinsel auf echtem japanischem Papier für sich entdeckt und weiterentwickelt. Hierzulande gibt es nicht viele Galerien, die die in China und Japan angesehene Schwarz-Weiß-Malerei mit seinen vielen Zwischenschattierungen in ihr Programm aufnehmen. Also schafft Constien eine Brücke, indem er die Acryl- mit der Tuschemalerei zu verbinden sucht. Parallel zu anderen Projekten bereitet er seine dritte Reise in das asiatische Land vor, die im November ansteht. Mit einem japanischen Künstlerkollegen möchte er in einer Galerie für Buchillustrationen ausstellen. Dafür entstehen zurzeit Illustrationen. „Optimal wäre, wenn ich dafür einen Verlag finden würde“, sagt er. Mit seiner Sprühdose möchte er zudem in Kyoto oder in Tokio eine Fläche gestalten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen