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Wir in Karow : Der letzte Vorhang fällt in Bollewick

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Schwerer Abschied: Karow-Lübzer Modellbahnclub trennt sich von H0-Anlage

H0 im Maßstab 1:87, TT-Anlage mit 1:120, Spur 0, Baureihe… wenn man Wolfgang Priebe, Bernd Schuchardt und Gunnar Keding beim Fachsimpeln zuhört, versteht man eigentlich nur Bahnhof. Jedenfalls, sofern man kein „gelerntes“ Mitglied des Karow-Lübzer Modellbahnclubs ist. Die drei sind es. Seit vielen Jahren schon eint sie ihr Hobby, das vielleicht nicht mehr den Stellenwert von vor 30, 40 Jahren, für sie aber den Reiz niemals verloren hat. Noch gut kann sich Wolfgang Priebe, bis vor kurzem Clubvorsitzender, an die Anfänge erinnern. 1982 war das und der heutige Club mit anfangs 14 Mitgliedern eine Arbeitsgemeinschaft des Modellbahnverbandes der DDR. „Gegliedert wie die Reichsbahndirektion, wurden wir von den Bezirksvorständen geleitet und geführt“, erinnert sich Priebe. Geld sei damals nicht das Problem gewesen. Doch es fehlte an Räumen. Auch den Karow-Lübzern. Ein ausgesonderter, in Teterow vom Gleis genommener und nach Karow verfrachteter Waggon hielt bis 1986 standhaft als Hobbyraum her. Als drei Jahre später der Wende Umstrukturierungen folgten, sich Karows Sportverein auflöste und so das Sportlerheim frei wurde, löste das das Raumproblem. Trotzdem sollten nochmals sechs Jahr vergehen, bis der Club den Kaufvertrag unterzeichnete. Zuständig war die Treuhand, und der damalige Bürgermeister (mit Herz für den Modellbau) räumte dem Club das Vorkaufsrecht ein. „Seitdem gehören Haus und Grundstück uns. Niemand, der drängelt oder die Miete erhöht“, freut sich Bernd Schuchardt. Der Preis dafür: Ein Kredit bei der Sparkasse, „den wir über regelmäßige Ausstellungen und Sondereinlagen der Clubmitglieder finanzieren“, erzählt Priebe. Eine Praxis, die für Vereine eher unüblich ist. Die eben aber auch das Stückchen Unabhängigkeit wahrt, das den Karowern wichtig ist.

Tatsächlich veranstaltet der Club bis zu 65 Ausstellungen im Jahr. Mit seiner (alten) H0-Anlage, für die 1994 das erste Gleis verlegt worden war und die über etliche Erweiterungen verfügt, mit der (neuen) H0-Anlage, an der die Mitglieder seit 2005 bauen und die – das ist Modellbahnen wohl eigen – niemals ganz fertig wird. Manchmal präsentieren sie auch einige ihrer 33 Clubanlagen. Auf dem Plauer Vogelsang war der Club bis 2014 „Platzhirsch“, „bespielte“ Ausstellungen in Wismar, Neubrandenburg, begeisterte das Publikum in Wittenburg, Röbel, Dresden, Görlitz… und zeigte zum 30. Jubiläum auf dem Plauer Klüschenberg alles, was er hat.

Ans Aufhören denkt von den heute 20 Clubmitgliedern niemand. Wohl aber an Abschied. „Wir haben beschlossen, uns von unserer alten H0-Anlage zu trennen. Wir wollen an der neuen weiterarbeiten und haben einfach Platzprobleme“, sagt Gunnar Keding. Ein allerletztes Mal wollen die Clubmitglieder der alten Dame auf- und abladen, auf- und abbauen noch antun: Vom 15. bis 17. Juli wird der Phantasiebahnhof von 12 mal 5 Metern noch einmal in der Scheune Bollewick zu sehen sein. In der Gemeinschaftsausstellung, die der Club seit 2000 mit Modellbahnern aus Neubrandenburg und Waren veranstaltet. „Die Anlage ist transportabel und voll funktionsfähig. Vielleicht findet sich ja ein Liebhaber“, hofft Priebe. „Wir wollen sie definitiv abgegeben und am liebsten wäre uns, sie würde in Bollewick abgeholt.“

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erstellt am 23.Mai.2016 | 10:42 Uhr

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