Flüchtlinge : „Der Jugendklub bleibt erhalten“

Die Vorbereitungen für den Einzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in das ehemalige Landschulheim in der Lalendorfer Hauptstraße laufen auf Hochtouren.
Die Vorbereitungen für den Einzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in das ehemalige Landschulheim in der Lalendorfer Hauptstraße laufen auf Hochtouren.

Zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen in das ehemalige Landschulheim einziehen – die Bürger haben nun Angst um ihren Freizeitklub.

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02. November 2015, 21:00 Uhr

Wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen geht, dann beginnt die Gerüchteküche zu brodeln – selbst wenn es, wie in Lalendorf, nur um zwölf unbegleitete Minderjährige geht. Seit Sonntag ist das neue Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher in Kraft und es stellt die Kommunen vor besondere Herausforderungen. Seit dem 1. November sind sie verpflichtet unbegleitete Flüchtlingskinder entsprechend dem Kindeswohl bedarfsgerecht unterzubringen. Eine solche Inobhutnahmestelle soll nun auch in Lalendorf entstehen, darüber Informierte der Landkreis in einer Einwohnerversammlung vor zwei Wochen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen im ehemaligen Landschulheim auf Hochtouren. Wer dieser Tage an den beiden grünen Flachbauten in der Hauptstraße vorbeikommt, entdeckt unbrauchbares Mobiliar und alte Elektrogeräte, die bereits aussortiert wurden, auf dem Gelände. Für die Kinder- und Jugendlichen, die hier erwartet werden, werden sechs Doppelzimmer, eine Wohnküche und ein Gesprächsraum vorbereitet. Auch wird es ein Büro für die Betreuer geben. „Außerdem ist der Jugendklub, der hier schon viele Jahre untergebracht ist, im Haus umgezogen“, sagt Gunnar Quaas, Leiter für Kinder- und Jugendhilfe beim DRK, und fügt hinzu: „Immer öfter werden wir in den vergangenen Tagen gefragt, ob der Jugendklub jetzt verschwindet. Das wird er natürlich nicht. Im Zuge der Umbaumaßnahmen ist er lediglich von einer Seite des Hauses zur anderen gezogen. So ist auch die Erreichbarkeit von der Schule aus viel günstiger.“

Seit Herbst 2013 plant das DRK als Träger des Jugendklubs und des Gebäudekomplexes in der Hauptstraße hier ohnehin eine Jugendwohngruppe. Im Sommer hatte es in diesem Zusammenhang bereits einen Bauantrag zur Nutzungsänderung gegeben und im kommenden Jahr sollte ein Bauantrag für einen Neubau folgen, erklärt Gunnar Quaas. Die neuerliche Gesetzesänderung macht es nun aber notwendig, hier erst einmal eine Unterbringung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu schaffen. „Unsere Pläne sind damit natürlich nicht vom Tisch – sie ruhen nur für diese Zeit“, so Quaas weiter.

Der Jugendklub werde aus baulicher und pädagogischer Sicht von der Wohngruppe getrennt. „Es ist uns wichtig, dass auch die Flüchtlinge ganz bewusst in den Jugendklub gehen – ihre Wohngruppe verlassen und, wie alle anderen Gäste auch, durch den Haupteingang in den Jugendklub kommen“, sagt Gunnar Quaas und fügt hinzu: „Wir wollen auch nicht den Eindruck erwecken, dass die Flüchtlinge durch den Jugendklub betreut werden. Dafür gibt es gesondertes Personal.“ 7,5 Stellen für Sozialpädagogen und Erzieher werden hier neu geschaffen – aktuell laufen die Ausschreibungen.

Die Aufgaben vor Ort werden vielseitig sein. Neben dem übergeordneten Ziel, den traumatisierten Kindern und Jugendlichen eine große Familie zu bieten, sie aufzufangen und zur Ruhe kommen zu lassen, werden die Fluchthintergründe besprochen und aufgearbeitet. „Ein wichtiger Teil wird auch die Suche nach Angehörigen ausmachen. Außerdem geht es darum Anschlusshilfen nach den drei Monaten der Inobhutnahme zu finden und auf ein künftiges selbstständiges Leben in Deutschland vorzubereiten“, umreißt Gunnar Quaas die zentralen Aufgaben der kommenden Wochen.

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