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Fernradweg Berlin-Kopenhagen : Der grüne Pfeil weist den Weg

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

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von
erstellt am 14.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt der beschauliche Fahrradweg, der durch Mühl Rosin führt, wie jeder andere auch. Doch die meisten Radler, die hier vorbei kommen wollen nicht nur ein paar Kilometer zurücklegen. Sie sind schwer bepackt und folgen alle den Schildern mit dem grünen Pfeil. Durch diese Orientierungshilfe wissen die Fahrradfahrer, dass sie sich auf dem Fernradweg Berlin-Kopenhagen befinden. Für viele mag diese Route nur mit Auto oder Flugzeug vorstellbar sein. Hobbyradler Bert Christen können die 630 Kilometer allerdings nicht beeindrucken. „Ich lege pro Jahr etwa 5000 Kilometer mit dem Fahrrad zurück“, erzählt er.


Der Weg ist das Ziel


Gestartet ist der Stuttgarter bereits am Montag. Gestern Vormittag war er mit seinem schwarzen Mountain Bike bereits in Mühl Rosin. Von dort aus wollte er es bis zum Abend nach Rostock schaffen. „Dort habe ich einen Tag eingeplant, damit ich mir die Stadt in Ruhe anschauen kann“, sagt Bert Christen. Solche Stopps lege er allerdings nur in größeren Städten ein. So gibt es den nächsten längeren Stopp auch erst, wenn er in Kopenhagen angekommen ist. „Prinzipiell ist die Strecke mein Ziel“, sagt er und tritt wieder in die Pedalen.

Mit dieser Philosophie sind auch Wieland und Svenja Roß unterwegs. Die Tour des Vater-Tochter-Gespanns führt von Warnemünde bis in die Nähe von Cottbus. „Bei Erkner verlassen wir diesen Radweg und wechseln auf den Spreeradweg“, sagt Wieland Roß. Doch auch wenn die beiden weniger an Sehenswürdigkeiten als an der Natur interessiert sind, legten sie gestern bei schönstem Sommerwetter einen Zwischenstopp in Güstrow ein. „Es hat uns gut gefallen“, sagt Svenja Roß.


Hoteliers richten sich auf Radler ein


In der Barlachstadt sind Fahrradtouristen wie Wieland und Svenja Roß längst kein seltener Anblick mehr. Für den Güstrower Tourismus sind sie längst eine wichtige Zielgruppe, die immer mehr zunimmt, hebt Anett Zimmermann vom Güstrower Tourismusverein hervor. Mit Güstrow als Etappen- oder Endziel würden viele dieser Radtouristen zurzeit in der Barlachstadt eine Unterkunft suchen. Fündig werden sie unter anderem im Kurhotel am Inselsee. „Bei uns kommen viele vorbei, die den Weg Berlin-Kopenhagen nutzen“, sagt Inhaber Erich-Alexander Hinz.

Aber auch die anderen Radwege zögen viele Touristen an, die im Strandhaus am Inselsee unterkommen wollen. „Das Strandhaus ist direkt für Radtouristen ausgelegt. Hier gibt es Platz für 50 Räder und auch Ladestationen für E-Bikes“, sagt Erich-Alexander Hinz. Dass der Radtourismus in den vergangenen Jahren so stark gewachsen ist, sei vor allem auf den Drang nach einem gesunden Leben mit mehr Bewegung zurückzuführen, glaubt der Hotelier. Außerdem würden immer mehr Deutsche ihren Urlaub gern in ihrem Heimatland verbringen.

Darauf ist auch das Güstrower Hotel am Schlosspark ausgerichtet. Als Bed-and-Bike-Station ist die Herberge bei Fahrradtouristen schon bekannt. „Pro Jahr kommen bei uns durchschnittlich 5000 Radfahrer vorbei“, sagt Geschäftsführer Olaf Parmann. Die Strecke von Berlin nach Kopenhagen sei immer ein Garant für Gäste.


Vom Einzelkämpfer bis zur Familienbande


Doch nicht alle, die diesen Radweg nutzen, legen gleich die gesamte Etappe zurück. „Wir wollen eine kleine Tour am Inselsee vorbei machen und lassen uns dabei von dem Fahrradweg leiten“, erzählt Gerd Hansen aus Eutin. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia macht er ein paar Tage Urlaub auf Gut Gremmelin. „Wir wollten einfach mal schauen, wo man hier eine schöne Radtour machen kann. Bis jetzt gefällt es uns sehr gut“, erzählt Sylvia Hansen in Mühl Rosin. Nach einer kurzen Verschnaufpause macht sich das Ehepaar auf nach Güstrow, um sich dort eines der Barlachmuseen anzuschauen.

Bis die nächsten Fahrradfahrer auftauchen, vergeht nicht viel Zeit. Im Zehn-Minuten-Takt kommen ganze Schwünge von ihnen vorbei. Dabei wird schnell klar: Den klassischen Fahrradtouristen gibt es nicht. Denn von der Familienbande über den Einzelkämpfer bis zum Pärchen ist alles dabei.


Werkzeug und Helm immer dabei


Amelia Seisdedos und Martin Helfer haben sich für eine Radtour in trauter Zweisamkeit entschieden. Von Waren an der Müritz aus sind die beiden Berliner am Dienstag Richtung Rostock aufgebrochen. „Dort wollen wir auf den Ostseeradweg wechseln und nach Prerow fahren“, erzählt Martin Helfer. Damit auf der gut 250 Kilometer langen Tour auch nichts schief gehen kann, sind die beiden mit ausreichend Werkzeug ausgestattet. Außerdem tragen sie – wie fast alle der Vorbeifahrenden – einen Fahrradhelm. Das Ende ihrer Reise haben sie für Freitag angesetzt. In Prerow wollen sie ihren Urlaub entspannt ausklingen lassen, sagt Amelia Seisdedos.

Bert Christen ist noch bis kommenden Montag unterwegs. Dann will er Kopenhagen erreichen, erzählt er bevor er sich in Mühl Rosin wieder auf den Weg macht. Dass auf der langen Strecke etwas passiert, glaubt er nicht. „Meine Reifen haben ein breites Profil und werden als unplattbar beworben“, erzählt er. Für alle Fälle habe er aber Werkzeug dabei.

 

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