Amt Laage : Der ehrliche Blick aufs Eingemachte

Die Bürgermeister des Amtes Laage: Eckhardt Borrmann, Angelika Exler, Günter Schink und Rolf Matschinsky (v.l.)

Die Bürgermeister des Amtes Laage: Eckhardt Borrmann, Angelika Exler, Günter Schink und Rolf Matschinsky (v.l.)

Drei von vier Gemeinden des Amtes Laage erreichen bei einer Selbsteinschätzung mal eben das rettende Ufer von 50 Punkten

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18. November 2017, 09:00 Uhr

Die Gemeinden des Amtes Laage sind durch. Auf dem Weg in die Zukunft taten sie den Forderungen aus dem Gemeindeleitbildgesetz des Landes MV genüge und gaben eine Selbsteinschätzung ab. Drei von vier Gemeinden landen dabei mal eben im Zahlenbereich, der Zukunftsfähigkeit ausdrückt. 50 Punkte waren das Maß der Dinge. Diekhof und Wardow schafften mal eben 51 Punkte und Dolgen am See 55 Punkte. Allein Hohen Sprenz strotzt vor Selbstbewusstsein: 70 Punkte. Ein Vergleich: Alle Gemeinden im Amt Krakow am See bringen mehr als 70 Zähler auf ihr Konto. Was ist los im Amt Laage?

„Wir haben uns realistisch und selbstkritisch eingeschätzt“, betont Amtsvorsteher Günter Schink und fügt hinzu, dass er damit anderen nicht anderes unterstellen wolle. „Es bringt nichts, sich schönzurechnen und in die eigene Tasche zu lügen.“ Die Probleme seien in den Gemeinden bekannt. Die Selbsteinschätzung bietet die Gelegenheit, die Dinge wieder einmal genau zu betrachten und daraus Handlungsfelder für die Zukunft abzuleiten.

Für die Selbsteinschätzung der Gemeinden ist ein festes, in vier Abschnitte untergliedertes Bewertungsschema vorgegeben: Aufgabenwahrnehmung, Vitalität und Verbundenheit der örtlichen Gemeinschaft, Zustand der örtlichen Demokratie, dauernde finanzielle Leistungsfähigkeit. 100 Punkte sind möglich, 50 sollten es sein, um Zukunftsfähigkeit nachzuweisen. Abgesehen von allen Schwächen und Zweifeln an der Sinnhaftigkeit mancher Fragen – immer mal wieder wird in Kommunalkreisen die Selbsteinschätzung auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingestuft – zwingt die Beschäftigung damit Gemeindevertreter und Bürgermeister zu einer Analyse des eigenen Tuns. Wo liegen die Schwachpunkte?

Bei der finanziellen Leistungsfähigkeit liegen die Gemeinden des Amtes ziemlich gleichauf: laut Rubikon wird Wardow, Hohen Sprenz und Dolgen am See eine „gefährdete dauerhafte Leistungsfähigkeit“ bescheinigt, lediglich „eingeschränkt dauernd leistungsfähig“. Eher schlecht kommen die Gemeinden beim „Zustand der örtlichen Demokratie“ weg. Die Gründe dafür: geringe Wahlbeteiligung, nicht eben ein Überfluss an Kandidaten für Wahlen der Gemeindevertretung, keine aktiven politischen Strukturen. „Die Parteien sind in der Fläche nicht mehr präsent“, erklärt Amtsvorsteher Schink. Immer schwerer falle es auch, die Menschen für Kommunalpolitik zu begeistern. „Weil es immer nur ums Sparen geht und alles viel zu lange dauert“, nennt Schink zwei Gründe dafür. Wenn die Kommunen finanziell besser ausgestattet wären, würde viele besser laufen, meint der Amtvorsteher und blickt zur Landesregierung in Schwerin. Denn: Ein dritter Problembereich offenbart sich im Bewertungsabschnitt „Vitalität und Verbundenheit der örtlichen Gemeinschaft“. Es fehlen Dorfgemeinschaftshäuser, Sportvereine, Vereine insgesamt, Angebote für Senioren oder/und Jugendliche. Das trifft insbesondere auf Wardow zu. Diekhof und Hohen Sprenz sowie eingeschränkt auch Dolgen am See schneiden in dem Bereich besser ab. Wieder bemüht Amtsvorsteher Schink eine mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen als eine Ursache für ein nicht eben pralles Gemeindeleben. In der Gemeinde Wardow gibt es kein Dorfgemeinschaftshaus, keine Kneipe, nichts, wo sich Menschen treffen könnten, muss Schink als Wardower Bürgermeister einräumen. Von Diekhof einmal abgesehen – eine mögliche Fusion mit Laage wird seit Jahren diskutiert – sehen sich die Laager Gemeinden dennoch zukunftsfähig und sehen eher keinen Grund über eine Fusion mit einer Nachbargemeinde nachzudenken.

Übrigens: Die Stadt Laage – ebenfalls amtsangehörig – blickt mit 72 Punkten positiv in die Zukunft.

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