ins atelier geschaut : Der dem Reglosen Leben einhaucht

Ausstellungen, ob eigene oder anderer Künstler, nutzt Lars Lehmann zu Gesprächen, hier mit Ingrid Hässner und Manfried Scheithauer.
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Ausstellungen, ob eigene oder anderer Künstler, nutzt Lars Lehmann zu Gesprächen, hier mit Ingrid Hässner und Manfried Scheithauer.

Maler Lars Lehmann lebt seit 2000 in Güstrow / Nächste Woche Ausstellung in Rostock

svz.de von
24. März 2014, 06:00 Uhr

Die vergangenen Tage waren stressig für den Maler Lars Lehmann. Zu Wochenanfang zurückgekehrt von der „Tefaf“-Kunstmesse aus Maastricht, musste er die Werke für eine am kommenden Freitag in der Rostocker Galerie „Auriga“ im Fischereihafen zu eröffnenden Ausstellung zusammenstellen und für den Transport vorbereiten. „Es ist meine zweite Ausstellung im Fischereihafen. Ich werde über 50 neue Arbeiten zeigen, Ölmalerei, Acrylbilder und Gouachen, die für mich häufig Vorstudien für ein Ölgemälde sind“, erklärt Lehmann. Der überwiegende Teil der ausgestellten Werke werden Stillleben sein.

Lars Lehmann malt mit Vorliebe Stillleben. „Stillleben“, informiert Wikipedia, „bezeichnet in der Geschichte der europäischen Kunsttradition die Darstellung toter bzw. regloser Gegenstände. Deren Auswahl und Gruppierung erfolgte nach inhaltlichen (oft symbolischen) und ästhetischen Aspekten.“ Für Lehmann war ein kleines, bei „Kunst und Welt“ erschienenes Heft über Carl Schuch (1846-1903) ein Schlüsselerlebnis. Das Stillleben, die Genauigkeit des Arrangements und die Möglichkeit, damit Botschaften zu vermitteln, faszinierten ihn. Lehmann malt auch Porträts, Landschaften und Gebäudeensembles, aber immer wieder kehrt er zum Stillleben zurück.

1991 begann Lars Lehmann, der 1967 in Greifswald geboren wurde und in Ribnitz-Damgarten aufwuchs, ein Studium an der Hochschule der Künste Berlin. Dort widmete er sich in den ersten beiden Jahren – er nennt es seine „experimentelle Phase“ – intensiv der abstrakten Malerei. Ein Studienaufenthalt im italienischen Ravenna brachte die Wende. Auf der Porta Gaza, einem alten Stadttor, kam ihm eine für sein weiteres Leben als Maler fundamentale Erkenntnis. „An dieser Stelle hatte ich plötzlich Inbilder vier elementarer Bedeutungsformen, die seitdem unumstößlich zu meinem Arsenal gehören. Es waren dies: Ein würfelartiges Haus, ein pinienförmiger Baum, ein hochrechteckiger Turm und ein pyramidaler Berg“, beschrieb er später seine Italienerfahrung in einem Aufsatz.

Nach Berlin zurückgekehrt, vertiefte er die Erkenntnisse mit Professor Volker Stelzmann, dessen Meisterschüler er wurde. Der Lehrer vermittelte ihm, wie er seine Ideen und Motive besser ins Licht rücken könne: buchstäblich mit dem Licht.

Lars Lehmann sammelt die Objekte für seine Stillleben. Er findet sie auf Trödelmärkten, auf der Straße, in Antiquitätenläden oder auf Kunsthandwerkermärkten. So erwarb er Keramik von Jörg Mücket, Armin Rieger oder Holger Schultze aus Griebenow oder lieh sich Plastiken von Peter Lewandowski. Wenn eine Idee für ein neues Bild im Unterbewusstsein herangereift ist, wählt Lehmann seine „Modelle“ aus. Er arrangiert sie, verändert und beobachtet sie, experimentiert und fertigt Skizzen. So haucht er dem stillen Arrangement Leben ein, komponiert es zum Stillleben. Erst dann setzt sich Lehmann an die Staffelei, das Modell stets zu seiner linken Seite.

Seit 2000 lebt der Maler in der Barlachstadt. Er fühlt sich wohl in der an Kunst und Kultur reichen Wahlheimat. Sein Tagesablauf ist häufig strukturiert: vormittags ein Rundgang durch die Stadt, Besorgungen und Gespräche mit zufällig getroffenen Bekannten. Die Arbeit geht in den frühen Stunden des Tages eher zäh von der Hand. Nachmittags ist das völlig anders, da kann er sich schon mal in einen Rausch hineinmalen.

Wichtig sind ihm Ausstellungen. 2004 zeigte er den Güstrowern erstmals seine Werke im Stadtmuseum. Auf seiner Liste stehen Personalausstellungen im Kunstverein Rostock, in Ahrenshoop, in Baumgarten und in Zachow. Die wohl umfangreichste Schau seiner Werke war 2011 in der Städtischen Galerie Wollhalle zu sehen. In deren Mittelpunkt standen seine beiden großen Stillleben „Elysium“ und „Babylon“.

Der Kalender erinnert den Künstler an weitere Termine. Im Mai beteiligt er sich an einer Gruppenausstellung italienischer und niederländischer Künstler in Perugia. Dafür hat er ein Auftragswerk geschaffen: „I Danè – das Geld“. Im September werden Werke von Lars Lehmann in Berlin und auf Gut Gremmelin gezeigt.



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