Serrahn : Der Arzt gab ihr noch zwei Monate

Hat ein schweres Schicksal hinter sich: die 55-jährige Tanja Sadojanova aus der Urkraine (l.). Bei Martina und Heinz Nitzsche aus Serrahn fand sie Hilfe.
Hat ein schweres Schicksal hinter sich: die 55-jährige Tanja Sadojanova aus der Urkraine (l.). Bei Martina und Heinz Nitzsche aus Serrahn fand sie Hilfe.

Martina und Heinz Nitzsche aus Serrahn gaben Tanja Sadojanova aus Mariupol wieder einen Sinn in ihrem Leben.

von
24. Mai 2018, 05:00 Uhr

„Nitzsches gaben mir alles, was ich brauchte“, erzählt Tanja Sadojanova sichtlich bewegt. Martina und Heinz Nitzsche hatten die 55-Jährige aus der Ukraine mit nach Serrahn gebracht, damit sie von ihrem Leben erzählen konnte. Es ist nur eines von vielen Beispiele für der Arbeit, die das Ehepaar Nitzsche aus Serrahn im ukrainischen Mariupol für alkoholkranke Menschen, für Obdachlose sowie Kinder und sterbende Menschen leistet.

„Wir sind dankbar, die Arbeit vor Ort jetzt in guten Händen zu wissen“, sagt Martina Nitzsche. Dort haben sich Mitarbeiter gefunden, die sich um hilfebedürftige Menschen in Mariupol kümmern. Und Hilfe ist nötig. Tanja Sadojanova berichtete davon. Sie war mit neun Jahren Waise geworden und in Kinderheim, Internat und Wohnheim aufgewachsen. Dann hat sie geheiratet und nach einiger Zeit begann ihr Mann mit dem Trinken. Auch die mit ihnen wohnende Schwiegermutter trank Alkohol und so blieb es nicht aus, dass die heute 55-Jährige auch begann. „Als mein Mann ins Gefängnis musste, trank ich so viel und nahm auch Drogen. Ich hatte keinen Halt mehr“, erzählt sie. Die Spirale drehte sich weiter und die Schwiegermutter setzte sie vor die Tür. Ihre drei Kinder wurden ihr weggenommen. „Ich war ganz unten – ohne Wohnung, ohne Kinder und ohne Gesundheit“, resümiert sie. Als sie nicht einmal mehr gehen konnte und einfach auf der Straße liegen blieb, wurde sie ins Krankenhaus gebracht. 33 Kilogramm schwer, gezeichnet von Drogen- und Alkoholkonsum, hatte ihr der Arzt damals noch zwei Monate Lebenszeit gegeben.

Jemand hatte ihr das Buch „Bis zum letzten Tropfen“ in die Hand gedrückt, das von Menschenschicksalen aus Serrahn erzählt. Außerdem kamen Martina und Heinz Nitzsche ins Krankenhaus, um Tanja Sadojanova zu besuchen. „Sie haben mir immer wieder von Gott und seiner Liebe erzählt und da wusste ich, dass auch ich einen neuen Anfang haben kann“, sagt sie. So viel Liebe und Aufmerksamkeit hatte sie bis dahin nicht kennen gelernt. Nitzsches hatten sie zwei Jahre lang bei sich wohnen lassen, weil sie keine Bleibe hatte. „Das alles ist jetzt 18 Jahre her“, staunt sie selbst. Inzwischen ist ihr Mann verstorben, doch zwölf Jahre lang konnten sie durch ihre eigene Lebenswende ohne Alkohol und mit der Erfahrung von wahrer Liebe eine gute Ehe führen.

Ein Vierteljahr verbrachte Tanja Sadojanova jetzt in Deutschland und fuhr Dienstag wieder in ihre Heimat. „Hier habe ich in der Gemeinde erlebt, wie gut es ist, wenn Menschen sich helfen“, sagt sie. In der Ukraine erlebe sie es ganz anders. „Doch ich glaube, dass es dort auch gut werden kann. Wir müssen geben lernen“, sagt sie.

Martina und Heinz Nitzsche unterstützen ihre Mitarbeiter vor Ort auch weiterhin, vor allem materiell. Hausbesuche stehen bei jeder Reise auf ihrem Plan und es wird ein Transport mit Hilfsmitteln vorbereitet. Trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die außerhalb Mariupols zu hören sind, geht die Arbeit weiter. „Es ist eine schöne Jugendgruppe gewachsen“, erzählen sie. So würden drei jugendliche Mädchen regelmäßig kochen und damit Obdachlose versorgen – ein Hoffnungszeichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen