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Eine Stadt verändert sich : Denkmalschützer gegen Umbau

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower Denkmal-Experten gegen Veränderung der Fassade am früheren Sparkassen-Gebäude / Bauamt: Haus kein Einzeldenkmal

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Bei Denkmalschützern regt sich Protest zu den Umbauplänen für das frühere Sparkassengebäude am Güstrower Markt.

„Mit Entsetzen lese ich in der SVZ-Ausgabe vom 23. 1., dass im Zuge des Hausumbaus zu einem Café die existierenden Fenster bis auf Bürgersteigniveau verlängert werden sollen“, schreibt Ulrich Schirow. „Damit werden dem Haus die Füße abgeschlagen und die Fassade in ihrem Gesamtbild empfindlichst gestört“, findet er. „Die jetzige Fenstergröße bietet genug Licht und Sicht. Jeglicher Eingriff in die Komplexität der historischen Fassade beeinträchtigt das empfindliche Marktbild nachhaltig und ist abzulehnen“, schreibt Schirow.


Kritik: „Es wäre eine Bausünde“


Auch die Güstrowerin Gudrun Heinze zeigt sich entgeistert über das geplante „Herunterziehen der Fenster bis zum Boden. Diese Veränderung wäre eine große Bausünde“, ist ihre Meinung.

Ihre Argumente: „Die dunkel gebrannten Klinker in sehr guter Qualität wurden bei dem Umbau des Hauses 1930 durch den Architekten bewusst gewählt und stilis-tisch handwerklich gut ausgeführt. Schon Anfang der neunziger Jahre wurde das linke Fenster zur Tür umgestaltet und der Eingangsbereich ,modernistisch’ aufgemotzt. Schon diese Veränderung gereichte der Fassade nicht zu einem besseren Aussehen“, schreibt sie. „Übrigens muss dann neben dem Haupteingang die Hinweistafel ergänzt werden, vielleicht so“, findet sie: „Das Haus wurde erbaut vor 1900 im Stil des Historismus, verändert 1930 im Stil Moderner Sachlichkeit, die Fassade verschandelt 1991/92, ruiniert 2015“.

Die historische Entwicklung der Sparkasse lässt Ulrich Schirow Revue passieren: Als die Güstrower Sparkasse 1826 gegründet wurde, sei sie anfangs im Rathaus eingerichtet gewesen, erläutert er. Von dort aus zog die Filiale in ein gegenüberliegendes Renaissance-Doppelhaus ein, das um 1890 abgerissen werde. „Auf dem Grundstück entstand ein neues Gebäude im Stile des Historismus als Mehrzeckgebäude (siehe Foto rechts). Neben der Güstrower Filiale firmierte in dem Haus auch eine Zweigstelle der Rostocker Bank, daneben gab es mehrere Wohnungen. Raumnot durch stetes Wachstum der Güstrower Sparkasse erforderte einen komplexen, großzügigen Umbau des ganzen Hauses. So geschehen durch den Güstrower Architekten Adolf Kegebein im Jahre 1930. “

Damals sei auch die Fassade durchgehend neu gestaltet worden, so Schirow. „Sie erhielt ihr bis heute unverwechselbares Architekturgesicht“, betonte er (siehe unteres Foto rechts). Herausragend sei dabei im untersten Bereich der Versatzklinker als Schmuckelement gewesen, meint der Denkmalschützer. „Nicht grundlos hatte Kegebein das Haus in der Fassadengestaltung durchgehend konzipiert und ausgeführt, war doch der zentrale Marktplatz ein besonders bausensibler Bereich,“ so Ulrich Schirow.

Mit der jetzt geplanten Veränderung der Fassade würde man also auf die frühere bauliche Variante zurück kommen, wie sie bis zum Umbau im Jahr 1930 bestand. Doch ist denn eine Änderung der jetzigen Fassade aus Denkmalschutzgründen überhaupt gestattet?


Nur Umgebungsschutz für das Haus


„Es handelt sich bei dem Gebäude nicht um ein Einzeldenkmal“, so die Information aus dem Bauamt des Landkreises, bei dem die Untere Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist.

Für das Gebäude gelte laut aktuellem Denkmalschutzgesetz nur der sogenannte „Umgebungsschutz“, weil es sich in der Nähe von denkmalgeschützten Gebäuden befindet. Und dieser „Umgebungsschutz“ sei, was denkmalschützerische Belange betrifft, „ziemlich schwach“, so Pressesprecher Kay-Uwe Neumann. Weil also die frühere Sparkasse nur unter „Umgebungsschutz“ stehe, könne „der Denkmalschutz da nicht viel verhindern“, stellt Neumann fest.

 

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