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Güstrow: Giebelhäuser Am Berge : Denkmal-Ensemble vor Verfall gerettet

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Lange bot der Zugang zur Güstrower Altstadt im Bereich "Am Berge" ein trauriges Bild. Das Ensemble der drei klassizistischen Giebelhäuser war dem Verfall preisgegeben. Investoren für die Restaurierung fanden sich nicht.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 09:15 Uhr

Güstrow | Lange bot der Zugang zur Güstrower Altstadt im Bereich "Am Berge" ein trauriges Bild. Das Ensemble der drei klassizistischen Giebelhäuser, errichtet in den Jahren 1743 bis 1832, war dem Verfall preisgegeben. Investoren für die anspruchsvolle Restaurierung der Denkmale fanden sich nicht. Schließlich übernahm die Stadt selbst die Häuser, um sie zu retten. Doch dann tauchte in letzter Minute doch noch ein Bauherr auf. Mit Unterstützung durch die Stadt, Städtebaufördermitteln sowie hohem finanziellen Eigenengagement gelang es den Eheleuten Victoria und Reinhard Lieberum aus Koblenz, den für Güstrow einzigartigen Gebäudekomplex der Nachwelt zu erhalten. Nach 18 Monaten ist die Restaurierung jetzt bis auf Restarbeiten abgeschlossen. "Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend", sagte gestern Reinhard Lieberum in Güstrow. "Schade, dass man nicht selber einziehen kann", ergänzte seine Frau bei dem Vor-Ort-Termin.

Rund 2,8 Millionen Euro waren notwendig, um die Baudenkmale vor dem sichtbaren Verfall zu retten und wieder sinnvoll als Wohngebäude nutzen zu können. Entstanden sind in den drei Gebäuden zehn individuelle Wohnungen. Bis auf zwei sind bereits alle vermietet, im Haus Nummer 10 sind die Mieter schon eingezogen. Nummer 11 soll Ende des Monats und Nummer 12 am 30. Mai bezugsfertig sein, informiert Reinhard Lieberum.

Der Bauherr und seine Frau, beide sind Ärzte aus der Nähe von Koblenz, kommen ins Schwärmen, wenn es um Güstrow geht. "Als Tourist fällt einem auf, wie gut die Stadt in Bezug auf den Renovierungs- und Sanierungsstand der Häuser dasteht", sagt Victoria Lieberum. Sie und ihr Mann kannten Güs trow schon vor der Wende, haben hier immer noch Freunde, die sie regelmäßig besuchen. Die Familie von Victoria Lieberum fand 1945 nach der Flucht aus Danzig in Güstrow Aufnahme und ist der Gegend immer verbunden geblieben. So stießen die Lieberums auch auf die drei Giebelhäuser Am Berge.

"Ich habe Spaß an alten Häusern", nennt Reinhard Lieberum einen der Hauptgründe, warum er sich der Mammutaufgabe der Restaurierung der Denkmale gestellt hat. "Zudem gab es ein überzeugendes Konzept der Architekten und eine optimale Unterstützung durch die Stadt, vor allem auch des Stadtentwicklungsamtes", sagt er. Er sieht die Wiederherstellung der alten Güstrower Häuser auch "als individuellen Beitrag zur deutschen Einheit". Die Handwerker hätten mit viel Liebe zum Detail gearbeitet, alles Firmen aus der Region, unterstreicht Lieberum. "Es war Teamarbeit im besten Sinne."

"Die Häuser sind ein echter Hingucker", freut sich Jane Weber, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes. "Die Stadt ist natürlich froh, dass wir die Häuser nicht selbst restaurieren mussten, sondern dass sich in letzter Minute ein Investor gefunden hat." Die Gebäude seien in einem katastrophalen Zustand gewesen. Um so mehr schätzt sie den Mut der Lieberums, sich dieser gewaltigen Aufgabe angenommen zu haben.

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