DRK Güstrow : „Den ersten Toten vergisst du nie“

Der 20-jährige Nino Orseszki aus Güstrow hat gerade seine Ausbildung zum Notfallsanitäter abgeschlossen.
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Der 20-jährige Nino Orseszki aus Güstrow hat gerade seine Ausbildung zum Notfallsanitäter abgeschlossen.

Notfallsanitäter haben emotional herausfordernden Job - DRK-Rettungswache Güstrow fährt bis zu 6500 Einsätze im Jahr.

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28. Januar 2018, 21:00 Uhr

Gerade erst hat Nino Orseszki seine Ausbildung zum Notfallsanitäter abgeschlossen. Doch der 20-jährige Güstrower hat schon mehr als 300 Einsätze mit dem Rettungswagen hinter sich. Es ist ein Beruf der Extreme. Glücksmomente als Lebensretter und tiefempfundenes Leid stehen hier unmittelbar nebeneinander. „Die Einsätze können durchaus emotional belastend sein“, sagt Nino Orseszki. „Mein schlimmster Moment war , als ein drei Monate altes Baby am plötzlichen Kindstod gestorben ist. Da musste ich schlucken“, gibt er zu. „Deinen ersten Toten vergisst du nie.“

Alexander Henkel vom Deutschen Roten Kreuz Güstrow weiß um die psychischen Belastungen im Rettungsdienst. „Wir sind bei fast jedem Toten dabei“, sagt der Rettungswachen-Bereichsleiter Güstrow. „Nicht nur, wenn jemand friedlich im Bett eingeschlafen ist, sondern auch bei schweren Verkehrsunfällen.“ 6417 Einsätze mit dem Rettungswagen musste die Rettungswache Güstrow im vergangenen Jahr fahren. „Wir haben ein leicht steigendes Einsatzaufkommen“, sagt der 38-Jährige. „Das ist manchmal emotional nicht leicht. Es greift die Leute an, die einen mehr, die anderen weniger“, sagt Alexander Henkel. Die Notfallseelsorge des DRK Güstrow stehe dann immer bereit.

53 Leute arbeiten in der Rettungswache Güstrow. Davon sind 33 Notfallsanitäter. Diesen Beruf gibt es erst seit 2014. Es handelt sich um die derzeit höchste nichtärztliche medizinische Ausbildung, die es in Deutschland gibt. Einsatzgebiet ist die Notfallmedizin im Rettungswagen oder Rettungshubschrauber. Beim DRK Güstrow absolvieren aktuell sieben Frauen und Männer die Ausbildung zum Notfallsanitäter. „Aber wir brauchen mehr Leute, vor allem aus der Region“, sagt Henkel. „Wir wollen unseren Nachwuchs selber ausbilden.“ Für die Rettungswache Güstrow sucht Henkel drei, für die in Bützow einen und für die DRK-Wache in Teterow zwei neue Azubis. „Wir müssen vorbauen, weil wir eine hohe Altersstruktur haben. In den nächsten Jahren gehen Mitarbeiter verstärkt in Rente.“ Bei einem Tag der offenen Tür auf dem DRK-Stützpunkt in der Hagemeisterstraße in Güstrow warben Henkel und seine Kollegen am Sonnabend um Nachwuchsretter.

Vom angeknacksten Fuß bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand – das Einsatzspektrum der Notfallsanitäter ist groß. Neben der Konfrontation mit dem Tod stehen Glücksgefühle, wenn man helfen kann, wo Hilfe dringend benötigt wird. „Es ist ein durchaus attraktiver Beruf. Wir haben tarifliche Regelungen der Arbeitszeit sowie eine tarifliche Vergütung“, wirbt Henkel. „Aber man muss ein Faible für den Job haben“, schiebt er hinterher.

Den hat Nino Orseszki. „Ich habe viele Momente erlebt, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt er. „Man ist eben ein Lebensretter.“

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