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Krakower Stadtvertretung lehnt Lärmminderung ab : Demokratischer Aufschrei für Glocke

vom

Das Geläute des Krakower Glockenturms sorgt weiterhin für Streit. Die Stadtvertreter entschieden nun, dass man der Aufforderung des Landkreises, für eine nächtliche Lärmminderung zu sorgen, nicht nachkommen möchte.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2013 | 10:07 Uhr

Krakow Am See | Ob Kommerzienrat Lorenz sich ob des Streites um den Glockenschlag der Turmuhr in Krakow am See in seinem Grab unruhig von der einen Seite auf die andere dreht, ist nicht bekannt - aber durchaus denkbar. Der Mann mit gut gehender Firma hatte der Stadt vor rund 100 Jahren eine Uhr geschenkt. Nun entzweit sie zwar nicht die Krakower, sorgt aber dennoch für Streit. Der hangelt sich von Runde zu Runde. Am Dienstagabend entschieden die Stadtvertreter ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung, dass man der Aufforderung des Landkreises, für eine Minderung des nächtlichen Lärms zu sorgen, nicht nachkommen möchte. Man legt Widerspruch gegen die Anordnung des Landkreises ein (SVZ berichtete gestern kurz).

Die Besucherränge reichten am Dienstag kaum aus, um all jenen besonders an diesem Thema Interessierten Platz zu bieten. Der Seniorenbeirat - für sein Engagement im Luftkurort bekannt - wurde seinem Ruf gerecht und hatte Unterschriften gesammelt. Vorsitzender Jürgen Poleratzki, dem ausnahmsweise ein Rederecht eingeräumt wurde, hielt ein kurzes Plädoyer für den Glockenschlag auch zu nächtlicher Stunde und übergab 324 Unterschriften dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Lediglich ein Bürger habe sich für einen etwas leiseren Glockenschlag ausgesprochen.

Hilmar Fischer (Fraktion Die Linke) verwies darauf, dass er zum 100-Jährigen der Uhr die Laudatio gehalten habe. Krakow am See ohne durchgehenden Glockenschlag ist für ihn nicht vorstellbar. Karl-Heinz Kleinpeter (Einzelbewerber) sprach sich dafür aus "sehr energisch gegen das Ansinnen des Landkreises vorzugehen". Volker Stelzl teilte für die CDU-Fraktion mit, dass man den nächtlichen Glockenschlag nicht als unnormal empfinde. Urlauber, die länger blieben, würden sich sicher daran gewöhnen. Und Christoph Küsters (Die Linke) sprach von einen "großen demokratischen Aufschrei" im Sinne der Glocke. Er habe anfänglich nicht gewusst, welch ein Sakrileg die Uhr sei. Für die SPD-Fraktion sprach Michael Altmann davon, dass alles so bleiben solle, wie es ist und um die Wichtigkeit der Entscheidung noch zu unterstreichen, forderte er namens seiner Fraktion eine namentliche Abstimmung.

Den Ausgang hatte Jana Ehnes nicht anderes erwartet. Die Inhaberin des der Kirche gegenüberliegenden Nordischen Hofes hatte sich mit Beschwerden von Hotelgästen im Rücken an die Immissionsschutzbehörde des Landkreises gewandt, weil sie in Gesprächen mit der Stadt in der Sache nicht weitergekommen war. Sie wunderte sich am Dienstagabend über das klare Bekenntnis des Bürgermeisters zum Glockenschlag der Turmuhr. "Urlaubern, die sich beschwerten, hat er nette Briefe geschrieben, dass man sich kümmere", erzählt Ehnes. Wolfgang Geistert bestätigt das, verweist aber darauf, dass das zu einer Zeit war, als man um eine gemeinsame Lösung bemüht war. Man habe sich damals auch einen Kostenvoranschlag für einen Umbau geben lassen. Eine gemeinsame Lösung sei nicht zustande gekommen. "Jetzt haben wir einen Stadtvertreterbeschluss", betont Geistert.

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