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Abstinentenklub Güstrow : Dem Teufel Alkohol entronnen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Drei Jahrzehnte erfolgreiche Selbsthilfe im Abstinentenklub Güstrow. Jetzt Umzug vom Waldweg ins Bildungshaus Güstrow im Heideweg.

„Wir sind stolz auf unsere 30-jährige erfolgreiche Selbsthilfe“, sagt Norbert Jung, Vorsitzender des Güstrower Abstinentenklubs. Der 52-Jährige kann das einschätzen. Als er im Juli 1989 in die Suchttherapeutische Abteilung des Krankenhauses Güstrow in Bossow kam, betrug sein täglicher Alkoholkonsum 15 halbe Liter Bier und mehrere Schnäpse. Jung hatte gesundheitliche Probleme und war schon mehrmals zusammengebrochen. Am 3. November 1989 wurde er entlassen. Seitdem ist Norbert Jung „trocken“, hat keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken – für ihn 27 Jahre ohne den Teufel Alkohol.

Das hat er in der Gemeinschaft des Abstinentenklubs mit anderen abstinent lebenden Alkoholkranken geschafft. Jung: „Der Klub hat mir Halt gegeben. In offenen Gesprächen konnte ich mich immer über meine Krankheit austauschen. Ich konnte aber auch mal Frust ablassen. Der Klub ist für mich so zum Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben geworden.“

Seinen Anteil muss der 52-Jährige aber trotzdem leisten, denn nur mit einem konsequenten Willen gelingt, dem Alkohol zu entsagen. Wie schwer es ist, belegen Erkenntnisse, dass es die meisten nicht schaffen. Allerdings gibt es für die Region keine offiziellen Zahlen. Die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (Lakost) in Schwerin erfasst lediglich die Beratungen in den 37 Beratungsstellen im Land. Alexander Groppler, Fachreferent für Suchthilfe: „7258 Menschen fanden im vergangenen Jahr den Weg zu uns. Der Anteil der Betroffenen dürfte aber weitaus größer sein.“ Dabei gibt es für ihn zwei Tendenzen: Die Alkoholkranken werden immer jünger. Außerdem würden viele Jüngere zusätzlich zu illegalen Drogen greifen. Eine Entwicklung, von der er glaubt, dass sie sich verstärken wird.

Das Problem bleibt aber die Frage: Schaffe ich das wirklich, wenn z.B. ein Schicksalsschlag die Familie trifft oder man arbeitslos wird? Auch Norbert Jung treibt diese Angst um. Da macht er sich nichts vor. „Ich möchte aber nicht noch einmal, dass alles, was ich mir aufgebaut habe, durch Alkohol den Bach runtergeht. Ich möchte meinen sozialen Status, den ich jetzt habe, behalten“, erzählt er.


Neue Bleibe im Bildungshaus


Der Abstinentenklub Güstrow hat eine Geschichte, die bis in die DDR-Zeit zurückgeht. Der Diplom-Psychologe Christoph Hübener gründete am 17. April 1986 mit drei Mitgliedern den Therapeutischen Klub des Kreiskrankenhauses. Damit wurde an einem Tabuthema im Sozialismus gekratzt. Aber Hübener ließ sich nicht beirren, schaffte damit Öffentlichkeit. Bis heute hat Hübener Kontakt zum Klub und ist mit Elke Frindt Ehrenmitglied. Die ersten Treffs fanden einmal im Monat im Kulturraum des Krankenhauses statt. In der Wendezeit stellte die Stadt dem Klub Räume Am Berge 13 bereit. Am 11. Juli 1990 wurde aus dem Klub ein Verein, der 1998 in größere Räume der Awo im Waldweg einzog und sie kostenfrei nutzen konnte. Die hat die Awo dem Verein zum Ende Mai aus Kostengründen gekündigt. Das bestätigt Geschäftsführer Peter Schmidt. Der Verein hätte im Waldweg bleiben können, wenn er 3000 Euro Nebenkosten im Jahr gezahlt hätte. „Wir ziehen mit einem tränenden Auge aus. Aber dieses Geld können wir nicht aufbringen“, sagt Norbert Jung. Bei der Suche nach neuen Räumen wurde der Verein im Bildungshaus Güstrow im Heideweg 60 fündig. Ab 1. Juni ist dort immer mittwochs von 15 bis 18 Uhr Treff für Mitglieder, Angehörige oder Mitglieder, die es werden wollen.

 


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