Stolze Vögel : Dem Seeadler ins Nest geschaut

Baumkletterer Henning Friz holt zwei Seeadler aus dem Nest, um sie zu beringen.
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Baumkletterer Henning Friz holt zwei Seeadler aus dem Nest, um sie zu beringen.

Baumkletterer und Vogel-Experte beringen junge Seeadler in Region / Dazu 30 Meter hoch hinauf / 350 Seeadlerpaare in MV

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06. Juni 2015, 06:00 Uhr

Wenn ein Seeadler seine Schwingen ausbreitet und über die Landschaft schwebt, ist das ein imposanter Anblick. Den Nachwuchs hoch oben in den Baumwipfeln in den riesigen Horsten zu sehen, noch bevor er seinen ersten Flug wagt, ist nicht weniger beeindruckend.

Dafür aber musste Baumkletterer Henning Friz vom Forstamt Schlemmin vor ein paar Tagen wieder hoch hinaus. Gemeinsam mit Peter Hauf, dem Seeadler-Beauftragten des Landes MV, ging es darum, junge Seeadler in unserer Region zu beringen. Was den Naturschützern im Laufe der Jahre interessante Hinweise über die Entwicklung und das Verhalten dieser Vögel sowie über ihre Vermehrungsrate gibt.

„Wir haben inzwischen über 350 Seeadlerpaare in ganz Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Peter Haufe. Im Landkreis Rostock gebe es besonders viele in der Schwinzer/Nossentiner Heide, also auch im Krakower Raum, sowie im Sternberger Seenland, zu dem auch die Umgebung von Lohmen gehört.

Um an die ausgewählten Horste in den Baumwipfeln heran zu kommen, kletterte Henning Friz an die 30 Meter hoch. Wird er in den Nestern fündig, nimmt er die kleinen Seeadler heraus, setzt sie vorsichtig in ein Tuch und lässt dies an der Leine auf den Boden herunter. Dort erwartet Peter Haufe die jungen Adler, um sie zu beringen.Danach geht’s wieder hinauf ins sichere Nest. Doch nicht immer haben die Naturschützer Glück. Nachdem Baumkletterer Henning Friz zu einem 30 Meter hohen Horst im Rühner Wald aufgestiegen war, war das zwei Meter breite und 1,50 Meter hohe Nest leer. Dafür wurde er in einem Waldstück an der B104 zwischen Witzin und Tieplitz fündig, wo gleich zwei Seeadler beringt werden konnten.

Schon etwas zu alt und zu groß für die Aktion war das Seeadlerjunge, das Henning Friz im Horst auf einer 30 Meter hohen Kiefer bei Lohmen vorfand. „Die jungen Adler dürfen zur Beringung höchstens sechs Wochen alt sein. Wenn sie größer sind, sind sie aufmerksamer und ängstlicher. Dann besteht die Gefahr, dass sie vor Angst aus dem Nest hüpfen, wenn man sich dem Horst nähert“, erklärt Friz. Auch bei Lohmen war das entdeckte Junge schon zu groß. „Zum Glück ist es nicht runter gesprungen“, sagt der Baumkletterer. Er habe sich dann schnellstens zurück gezogen, erzählt er.

„Unsere Aktion hier war in diesem Jahr schon zu spät“, schätzt Peter Hauf ein. Seeadler erreichen ein Alter von 40 bis 50 Jahre, erzählt der Seeadler-Experte. Am besten lassen sich die Horste im Winter kontrollieren, weil dann die Sicht am besten ist. 27 Horste in unserer Region sind dem Forstamt Schlemmin bekannt. Um alle wurde eine Horstschutzzone angelegt, in der es eine Reihe an Verboten gibt. So dürfen dort keine Bäume gefällt werden. „Damit die Adler dort in Ruhe brüten können“, sagt Mathias Regenstein, Leiter des Forstamtes Schlemmin, das die Beringungsaktion wieder organisierte.

Was die Entwicklung und Vermehrung betrifft, brauche man sich aber um die Seeadler keine Sorgen zu machen, stellt Peter Hauf fest. Im Gegenteil: „Die Seeadler sind in unserer Zeit die großen Gewinner, weil sie noch genug Nahrung bei uns finden.“ Sie leben vorwiegend von Fischen und Wasservögeln. „Verlierer sind dagegen Kiebitze, Rebhühner und viele Kleinvögel wie die Feldlerch“, schätzt Hauf ein. „Das kommt davon, weil durch die Landwirte die Insekten alle vergiftet werden“, schimpft Peter Hauf. Und er denkt mit Wehmut an die Zeiten zurück, „als in der offenen Landschaft die Lerchen noch jubilierten. Wo findet man das heute schon?“

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