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Güstrow: 2. Öffentliches Forum zur Entwicklung des Ländlichen Raumes : Dem demografischen Wandel trotzen

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In Zusammenarbeit mit der Universität Rostock und dem Medienhaus Nord unserer Zeitung lud die Schule der Landentwicklung MV am Donnerstagabend in Güstrow zum 2. Öffentlichen Forum zur Entwicklung des Ländlichen Raumes.

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 10:32 Uhr

Güstrow | Soziale Vernetzung im ländlichen Raum - was für viele zunächst abstrakt klingt, könnte die Zukunft zahlreicher kleiner, vom demografischen Wandel bedrohter Dörfer im Nordosten sichern. In Zusammenarbeit mit der Universität Rostock und dem Medienhaus Nord unserer Zeitung lud die Schule der Landentwicklung MV deshalb Donnerstagabend in Güstrow zum 2. Öffentlichen Forum zur Entwicklung des Ländlichen Raumes. Thema: "Dorfgemeinschaft und Soziale Netzwerke". Referenten, Bürgermeister und Gemeindevertreter diskutierten Herausforderungen und Chancen zur Entwicklung des ländlichen Raumes durch soziale Netzwerke.

Mehr als die Hälfte der 1,6 Millionen Einwohner von MV lebt im ländlichen Raum, also in Dörfern. Ganze Regionen müssten - gemessen an EU-Kriterien - als unbesiedelter Raum gelten, denn pro Quadratkilometer leben hier weniger als 17 Einwohner. Die öffentliche Infrastruktur zu unterhalten, wird immer aufwändiger. Junge Familien ziehen in die Stadt oder verlassen das Land ganz. Die Dörfer leiden an Überalterung. Soweit die problematische Ausgangslage.

Kampf gegen Abwanderung und Überalterung

Lösungsansätze als Impulse für die Dörfer bot das Güstrower Forum. "Wer es nicht fertig bringt, vernünftige Dorfgemeinschaften und soziale Netzwerke zu schaffen, der geht im Zeichen des demografischen Wandels schweren Zeiten entgegen", stellte der stellvertretende Bürgermeister der kleinen fränkischen Gemeinde Langenfeld, Wolfgang Rückert, fest. Wie viele Dörfer in MV hat auch seine Gemeinde mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen. Doch die Langenfelder ließen sich nicht unterkriegen, bauten ein Mehrgenerationenhaus als Anlaufpunkt und Freizeitzentrum im Dorfkern. Hier werden gewerbliche und ehrenamtliche Dienstleister vernetzt. "Mehr als 100 haben wir schon, die haushaltsnahe Dienstleistungen, vor allem für Senioren, anbieten", sagt Rückert stolz. So konnte die Abwanderung nahezu gestoppt werden. Dafür müssten aber alle einem Strang ziehen. "Unser ganzes Dorf hat sich aufgemacht, dem demografischen Wandel zu trotzen."

Ausgezeichnet wurde Langenfeld dafür von der Wüstenrot-Stiftung, die in bundesweiten Wettbewerben kleine Gemeinden beim Aufbau vorbildlicher sozialer Netzwerke unterstützt. "Bildung, Kunst und Kultur sind ganz wichtig für Dörfer. Wir brauchen Projekte, die die Menschen auf dem Land zusammenbringen", so Stefan Krämer von der Stiftung. Die soziale Infrastruktur sei wichtiger als die technische, lieber eine Kita, als eine Straße bauen, ist er überzeugt.

So sieht es auch Prof. Dr. Helmut Pratzel, der in Törpin bei Demmin das Törpiner Forum gründete, um sein Dorf wiederzubeleben und die Abwanderung einzudämmen. Die alte Schule wurde zu einem Dorftreffpunkt ausgebaut und ein Bürgerbus angeschafft. Damit werden Senioren zum Arzt oder Schulkinder aus dem Dorf, das vom ÖPNV abgeschnitten ist, zur Schule gebracht - ehrenamtlich. Im Dorftreffpunkt singen und tanzen alte und junge Dorfbewohner zusammen und widmen sich der Brauchtumspflege. "Freude durch Kommunikation", nennt Pratzel das. Demnächst plant er den Aufbau eines Gesundheitszentrums.

Digitale Netzwerke befördern soziale Netzwerke

Auch der Schweriner Zeitungsverlag sei vom demografischen Wandel betroffen und richte sich deshalb neu aus, brachte sich SVZ-Chefredakteur Michael Seidel in die Diskussion ein. Und Dirk Buchardt, Online-Experte und Chef vom Dienst unserer Zeitung, erläuterte in Güstrow, wie digitale Netzwerke, u.a. Facebook, soziale Netzwerke auf den Dörfern unterstützen und befördern können. Das habe beim jüngsten Elbe-Hochwasser hervorragend funktioniert. Vom Hochwasser Betroffene nutzten die Internet-Plattformen der SVZ nicht nur, um sich zu informieren, sondern um sich zu vernetzen, gegenseitig zu unterstützen und Hilfe zu organisieren, z.B. in Dömitz. "Je online-affiner eine Gemeinde ist, um so schneller kann geholfen werden", hat Buchardt beim Hochwasser festgestellt. Über das digitale Netz könnten viele Menschen schnell erreicht werden - gerade in dünn besiedelten Gebieten. Über die SVZ-Plattform startete unsere Zeitung dann auch eine Spendenaktion, bei der mehr als 80 000 Euro zusammenkamen.

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