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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 04:07 Uhr

Das zählt: Strom aus der Steckdose

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Am Stammtisch Kirche über das Pro und Contra der Windenergie diskutiert

von
erstellt am 19.Okt.2014 | 11:05 Uhr

Nur wenige Themen werden derzeit insbesondere im ostdeutschen Norden so konträr diskutiert, wie die Windenergie. Deshalb wählte Bützows Pastor Karl-Martin Schabow genau das für den Stammtisch Kirche. Einmal im Jahr lädt er zu diesem für einen Pastor etwas anderen Termin am Sonntagvormittag ein. „Denn Kirche muss auch dahin gehen, wo das Leben pulsiert“, erklärt er.

Und der Puls schlägt bei vielen höher, wenn es um die Windkraftanlagen in der Region geht. Gegenwärtig und noch bis zum 3. November läuft ein Anhörungsverfahren für die Ausweisung weiterer Eignungsräume für diese regenerative Energieform. Einmal mehr rückt da das Gebiet zwischen Bützow und der A 20 in den Fokus.

Am Stammtisch Kirche ging es um das generelle Pro und Contra zur Windenergie. Johann-Georg Jaeger, Energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Grüne, sieht keine Alternative, will man sich u.a. vom Atomstrom verabschieden und auch den CO2-Ausstoß verringern. Windenergie sei z.B. im Vergleich zur Atomenergie eine Technologie, die der Mensch relativ gut beherrschen könne. Wenn dort Unfälle passieren, gibt es menschliche Einzelschicksale, aber keine Katastrophe, argumentiert Jaeger. Energiegewinnung, egal in welcher Form, sei immer ein Eingriff in die Natur. „Jetzt kommt es darauf an, die Menschen mitzunehmen.“ Auch deshalb strebe die Landesregierung an, ein Beteiligungsgesetz auf den Weg zu bringen. Das soll sichern, dass auch Gemeinden und die Anwohner als Investor einsteigen und so wertschöpfen können.

Auswirkungen auf die Natur durch Windenergie machte Thorsten Manthey vom Landkreis Rostock deutlich. Zu den so genannten Schlagopfer zählen Rotmilan, Mäusebussart, Seeadler und Fledermäusen. Ulrich Bauer aus Kambs brachte bei der Diskussion noch einmal die Auswirkungen auf den Menschen ins Spiel, mit Geräuschen und Schattenwurf .

Letztlich bliebe es aber dabei. „Wir wollen, dass der Strom aus der Steckdose kommt“, so Jaeger. Deshalb nütze es nichts, das Problem zum Nachbarn zu schieben, nur weil man es selbst nicht will. Das sei auch das Dilemma, in dem die Politik steckt. Insbesondere auch Kommunalpolitiker. Denn, egal wie sie sich entscheiden, es könne dazu führen, dass es die Gemeinschaft vor Ort zerreißt.

Harald Krey, Ortsvorsteher in Kurzen Trechow und Landwirt, mahnt ein „Weiterdenken“ an und macht das am eigenen Beispiel deutlich. An dem jetzt entstehenden Windpark sei die Firma mit im Boot. Das sei wichtig, um Wertschöpfung in der Region zu halten. Es komme darauf an, dass alle Akteure in den Dörfern mehr mit einbezogen werden. „Bei uns werde dass schon lange praktiziert.“ Landwirte übernehmen z.B. das Schneeräumen oder geben andere Leistungen.

Am Ende stehe aber immer der Mensch, der es hinbekommen muss, soll die Energiewende gelingen, resümiert Johann-Georg Jaeger Am Ende des Stammtisches.

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