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Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow : Das Antlitz des „Schwebenden“

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kultur aktuell 2017: Zu ihrem 150. Geburtstag widmet die Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow Käthe Kollwitz eine Ausstellung.

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erstellt am 06.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Ernst Barlach (1870 bis 1938) und Käthe Kollwitz (1867 bis 1945) haben sich gegenseitig inspiriert – künstlerisch und menschlich. Bei beiden steht der Mensch mit seinen elementaren Befindlichkeiten im Mittelpunkt ihres Schaffens. Barlach und Kollwitz sind mit Abstand die bedeutendsten expressionistischen Bildhauer Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide entfalteten schon zu Lebzeiten eine internationale Strahlkraft. Die Gemeinsamkeiten gingen so weit, das Barlach sogar seinem berühmten „Schwebenden“ das Gesicht von Käthe Kollwitz gab – quasi als Ehrerbietung seinerseits für eine große Künstlerin. Zum 150. Geburtstag dieser Bildhauerin widmet ihr die Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow in diesem Jahr die große Ausstellung „Auf der Suche nach der ‚neuen Form‘. Zeichnungen. Druckgraphik und Plastik von Käthe Kollwitz“ – die einzige Schau im Jubiläumsjahr dieser Künstlerpersönlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern.


Mehr als eine Gegenüberstellung


„Bei der Ausstellung vom 30. April bis zum 2. Juli wird es nicht vordergründig um eine Gegenüberstellung Ernst Barlach – Käthe Kollwitz gehen“, sagt Dr. Volker Probst, Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow. „Im Mittelpunkt der Präsentation werden in Zeichnungen und der Druckgraphik als dem Hauptgebiet ihrer künstlerischen Arbeit und ausgewählten Plastiken die zentralen Themen ihrer Kunst stehen.“ So habe Kollwitz in ihren Werken den Leidensaspekt und auch die Sozialkritik stärker betont als Barlach. Doch der Besucher wird Möglichkeiten zum Vergleich haben. Sieben Plastiken von Kollwitz will Probst im Zentrum des Ausstellungsforums am Inselsee aufstellen, umrahmt von Skulpturen Barlachs. „Was die Besucher daraus entwickeln, wird spannend sein“, ist er sich sicher. Hinzu kommen 15 Zeichnungen sowie 35 Druckgraphiken von Käthe Kollwitz.

Die Hauptausstellung zu Barlach selbst gilt in diesem Jahr der Fotografie: „Es geschieht enorm viel Unfug mit Photos – Ernst Barlach und seine Fotografen“ wird vom 9. Juli bis 3. Oktober gezeigt. „Barlach war sich der Bedeutung der Fotografie für die Breitenwirkung seines Werks und seiner Person sehr genau bewusst“, sagt Probst. Erstmals werden alle bekannten Fotos, die den Künstler zeigen, in Güstrow zu sehen sein, begleitet von einem Katalog und einem Fotoworkshop mit André Hamann. Gleichzeitig veranschaulicht die Ausstellung, wie Fotografen das plastische Werk Barlachs über die Jahrzehnte unterschiedlich inszeniert haben.


Jastram-Schau vor Verlängerung


Wegen des bisherigen Erfolgs der im September 2016 eröffneten Jo Jastram-Retrospektive, die eigentlich nur noch bis zum 26. Januar laufen sollte, plant Volker Probst eine Verlängerung. Von den 30 000 Besuchern im vergangenen Jahr seien viele explizit wegen Jastram ins Ausstellungsforum am Güstrower Heidberg gekommen, so Probst. „Dieser bekannte Name zieht viele Leute an. Deshalb denken wir aktuell über eine Verlängerung nach“, sagt er. Möglicherweise könnte die Jastram-Schau noch bis März/April in Güstrow zu sehen sein.

Der Geschäftsführer der Barlachstiftung will zukünftig zudem in loser Reihenfolge bedeutenden Bildhauern aus Mecklenburg-Vorpommern ein Forum bieten. So ist die letzte Schau des Jahres vom 15. Oktober bis Februar 2018 Wolfgang Friedrich aus Rostock gewidmet. Der Bildhauer gehört zu den bedeutendsten norddeutschen Künstlern. „Sein Bilderkosmos beschwört eine ,Welt als Modell’, entwirft darin Zukunftsvisionen und weist zugleich auf deren Vergänglichkeit und Gefährdung. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht die Gestalt des Menschen“, sagt Probst.

Der Kunsthistoriker Probst hofft, mit dieser „hochrangigen Ausstellungsfolge“ nicht nur Besucher aus ganz Deutschland, sondern auch ein internationales Publikum ansprechen zu können.

Service: Ausstellungsprogramm 2017

• Verlängerung voraussichtlich bis März/April: Der Bildhauer Jo Jastram. 1928 – 2011

• 30. April bis 2. Juli: Auf der Suche nach der „neuen Form“. Käthe Kollwitz: Zeichnungen, Druckgraphik und Plastik, Ausstellung zum 150. Geburtstag der Bildhauerin

• 21. Mai, Internationaler Museumstag: Ausstellungseröffnung und Preisverleihung anlässlich des 3. Barlach-Schüler-Wettbewerbs zum Thema „Das Lauschen“

• 9. Juli bis 3. Oktober: „Es geschieht enorm viel Unfug mit Photos" – Ernst Barlach und seine Fotografen

• 15. Oktober bis Februar 2018: Der Bildhauer Wolfgang Friedrich

Kontakt: Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, Atelierhaus, Ausstellungsforum/Graphikkabinett, Heidberg 15, Tel. 03843 844000, E-Mail office@barlach-stiftung.de, Internet www.ernst-barlach-stiftung.de;

Geöffnet: 1. November bis 31. März, Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr; 1. April bis 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Montag Ruhetag, außer Feiertage

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